25. März 2020 / 06:00 Uhr

Amateurfußball in M-V: Pro und Kontra Saisonabbruch

Amateurfußball in M-V: Pro und Kontra Saisonabbruch

Johannes Weber/Peter Preuß
Ostsee-Zeitung
Ronny Susa (l.) ist für einen Saison-Abbruch, während Philipp Unversucht die Saison ordentlich zu Ende bringen will.
Ronny Susa (l.) ist für einen Saison-Abbruch, während Philipp Unversucht die Saison ordentlich zu Ende bringen will. © Ospa/Daniel Koch
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Die Frage spaltet Mannschaften und Vereine quer durch alle Spielklassen: Soll die wegen der Corona-Pandemie zunächst bis zum 20. April unterbrochene Fußball-Saison im Amateurbereich des Landes noch fortgesetzt oder abgebrochen werden? Für den SPORTBUZZER erklären zwei Protagonisten ihren Standpunkt.

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Saison abbrechen:

Ronny Susa Trainer Doberaner FC (Landesliga West), tätig bei der Ospa

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann. Beruflich bin ich sehr nah dran am Thema Coronavirus und bekomme die Auswirkungen der Krise auf den Sport im Land mit. Mir wird zunehmend klar, dass uns die jetzigen Zustände noch eine ganze Weile begleiten werden.

Für den Fußball dürfte das bedeuten, dass Spiele in naher Zukunft immer noch nicht stattfinden werden. Ich glaube nicht, dass gerade Zusammenkünfte von zwei Mannschaftsgrößen in nächster Zeit möglich sein werden. Daher wird es immer schwieriger, die Spielzeit vernünftig zu beenden, ohne dass sich jemand benachteiligt fühlt.

Die meisten Mannschaften haben seit fast drei Wochen nicht mehr trainiert. Sollte es nach der Saisonunterbrechung (bis zum 20. April/d. Red.) tatsächlich weitergehen – was ich nicht glaube –, dann wären die Teams schon sechs bis sieben Wochen ohne Training. Da sind selbst die Sommer- und Winterpause kürzer. Von der Verfassung her wären die Klubs nicht auf einem Stand. Legitim ist, dass einige Trainer ihren Spielern Hausaufgaben mitgegeben haben. Ich selbst werde jedoch einen Teufel tun, meine Jungs zu verpflichten, sich fit halten zu müssen. Immerhin ist für uns der Fußball immer noch ein Hobby. Einige meiner Spieler arbeiten momentan mit Fitnessvideos unseres Athletikcoaches. Optimal ist das trotzdem nicht, da die Arbeit mit dem Ball derzeit ausbleibt. Die Sportstätten im Land sind ja überwiegend gesperrt.

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Eine Verlängerung der Spielzeit über das geplante Saisonende am 6./7. Juni hinaus halte ich für schwierig, da es Vereine gibt, die einige Events im Anschluss veranstalten. Wir machen an zwei Wochen­enden Nachwuchs-Turniere. Dafür dürfen auf unserem Sportplatz keine anderen Partien ausgetragen werden. Wenn der Landesfußballverband über den weiteren Verlauf der Saison berät, wäre es wichtig, auch die Vereine mit ins Boot zu holen. Sollten wir verpflichtet werden, die Spielzeit zu Ende bringen zu müssen, würde ich dagegen stimmen.

Am Ende ist es mir egal, ob mein Team auf dem dritten, fünften oder vorletzten Rang landet. Momentan gibt es Vereine im Land, die aufgrund der Krise wesentlich größere Probleme haben. Ich hoffe, für den Fußball wird eine halbwegs faire Lösung gefunden. Es allen recht machen kann man nicht.“


Saison zu Ende spielen:

Philipp Unversucht, Kapitän Anker Wismar (Verbandsliga), Leiter der Geschäftsstelle

„Ich bin dagegen, dass sportlich die Saison am grünen Tisch entschieden wird. Die Spieler aller Ligen trainieren derzeit alleine zu Hause, auch wenn das nicht optimal ist. Aber davon sind doch alle Vereine betroffen. Für dieses Engagement in der Krisenzeit sollten sie auch belohnt werden.

Falls aber die Saison jetzt beendet werden sollte, fallen viele Mannschaften auseinander. Es werden sich auch viele Jungs oder Mädels im Nachwuchsbereich vom Fußball verabschieden, weil sie zwischendurch in der spielfreien Zeit andere Interessen entdeckt haben. Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass etliche Mannschaften viel investiert haben. Bei einem Abbruch oder einer Annullierung der Saison würden sie um ihren Lohn gebracht.

Deshalb mache ich einige Vorschläge, wie die Saison zu Ende gespielt werden kann. Dazu müsste aber der Spielbetrieb mit oder ohne Zuschauer Anfang Mai wieder aufgenommen werden. Zu beachten ist, dass in dieser Saison eine geänderte Auf- und Abstiegsregelung gilt.

Das sind die besten Torjäger auf Landesebene (Stand: 8. März 2020):

Malchows Torjäger Tobias Täge bei einer Trinkpause. Zur Galerie
Malchows Torjäger Tobias Täge bei einer Trinkpause. ©

Der Landesfußballverband sollte die Saison um zwei Wochen bis zum 20. Juni verlängern. In der Verbandsliga, den Landesligen und Landesklassen sind 19 Spieltage absolviert. Es fehlen noch elf. Wenn also am 8. Mai wieder gespielt werden darf, könnten mindestens sieben Spieltage absolviert werden.

Für die bis dahin wegen der Corona-Krise ausgefallenen vier Spieltage könnten alle Partien 0:0 gewertet werden. Damit würden alle Nachholspiele entfallen. Ein Saisonabbruch würde mit Sicherheit auch die Vorbereitung auf die nächste Spielzeit negativ beeinflussen.

Analog könnte so auch die Meisterschaft im Nachwuchsbereich fortgesetzt werden. Das wäre vor allem für unsere jungen Fußballer wichtig. Man könnte den Kindern wieder ein Stück Normalität vermitteln, wenn sie wieder gemeinsam trainieren und spielen können – denn gerade sie sind in der jetzigen Situation einem enormen Stress ausgesetzt. Auch im Nachwuchs geht es um die Vorbereitung der neuen Saison.

Ganz wichtig ist auch, dass die letzten Spiele um den Landespokal ausgetragen werden, weil der Sieger in der kommenden Saison im DFB-Pokal startet.“

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