26. März 2021 / 14:04 Uhr

Saison in Niedersachsen vor Annullierung: So reagieren die Vereine aus der Region

Saison in Niedersachsen vor Annullierung: So reagieren die Vereine aus der Region

Christoph Hage und Alexander Flohr
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zu früh gefreut: Der TSV Bemerode darf aller Voraussicht nach nicht aufsteigen.
Zu früh gefreut: Der TSV Bemerode darf aller Voraussicht nach nicht aufsteigen. © deisterpics/Stefan Zwing
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Der endgültige Beschluss ist noch nicht gefasst, trotzdem ist eigentlich längst klar, dass die Amateurfußballsaison in Niedersachsen annulliert wird. Die Verkündung des NFV wird am 31. März erwartet. Die Vereine aus der Region Hannover haben verschiedene Ansichten zu den Plänen: Die einen jubeln, weil sie drin bleiben, die anderen ärgern sich, weil sie nicht aufsteigen dürfen.

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Noch ist der Beschluss nicht gefasst, aber es wäre überraschend, wenn der Verbandsvorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) am 31. März eine abermalige Kehrtwende hinlegen sollte. In fünf Tagen werden die 33 Kreisvorsitzenden sowie das NFV-Präsidium die Saison 2020/2021 annullieren – mit all seinen Konsequenzen.

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Im Tabellenkeller können sie sich im ganzen Bundesland den unverhofften Klassenerhalt freuen. Bei den Frauen der TSG Ahlten etwa, die in der Landesliga punktlos und mit einem Torverhältnis von 1:26 auf dem letzten Platz stehen. Aber das ist nur ein Beispiel von unzähligen - und Gewinner gibt es in der gegenwärtigen Lage ohnehin nicht. Auch die Männer des VfL Eintracht Hannover, mit nur zwei Zählern aus neun Partien abgeschlagenes Schlusslicht, dürfen es in der nächsten Saison besser machen als in dieser. Aller Voraussicht nach wieder in der Bezirksliga 6. So richtig freuen kann sich VfL-Trainer Stephen Kroll darüber aber nicht: „Ich habe das Gefühl, dass ich in der aktuellen Saison emotional gar nicht mehr dabei bin. Das ist alles so weit weg.“ Und damit spricht er wahrscheinlich vielen aus dem Herzen.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Sorgensen ist "maßlos enttäuscht"

Es gibt aber genauso viele Mannschaften, die sich aus verständlichen Gründen über das Vorhaben des Verbandes schwarzärgern könnten. Sind sie doch eigentlich zu gut für ihre Liga und träumten vom ersehnten Sprung in die nächsthöhere Liga. So wie die Männer des SV Sorgensen, mit 19 Punkten aus sieben Spielen und einem Torverhältnis von 31:1 Spitzenreiter. „Des einen Freud, des anderen Leid“, sagt SVS-Vorsitzender Jens Berkhan und verweist auf den vergangenen Sommer, als die Sorgenser von der Quotientenregelung des Verbandes profitierten und dadurch überhaupt erst in die 2. Kreisklasse 1 aufgestiegen waren.

Der Durchmarsch bleibt ihnen allerdings verwehrt. „Die Jungs sind natürlich maßlos enttäuscht“, sagt Berkhan. „Es gab in den letzten Wochen andere Signale des NFV, und dann kommt aus dem Nichts so eine Entscheidung. Das ist schon enttäuschend.“

Ärger, Wut und Enttäuschung

Noch deutlicher wird Mo Kordian. Der Trainer des Bezirksligisten TSV Bemerode muss nun schon zum zweiten Mal mitansehen, wie ihm die Früchte seiner Arbeit verwehrt bleiben. In der vergangenen Spielzeit hatten sie als Tabellenzweiter das Nachsehen – der TSV Stelingen hatte den deutlich besseren Quotienten. Neues Jahr, neuer Anlauf: Mit sieben Siegen aus sieben Spielen (27:8) waren die Bemeroder auf dem besten Weg in die Landesliga.

„Jetzt sind wir selbst in der Position, und jetzt wird die Saison annulliert“, sagt Kordian, der vor drei Tagen beim Individualtraining seines Teams neben dem Platz stand, als der NFV sein Vorhaben auf den Weg brachte. „Ich habe das erst gar nicht realisiert“, sagt Kordian und berichtet von Ärger, Wut und Enttäuschung aus seiner Mannschaft. Und das ist wahrscheinlich noch untertrieben.

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Gewinner und Verlierer

Was den TSV-Trainer auf die Palme bringt, ist die Chronologie der Ereignisse in den vergangenen Wochen. „Wir wurden so lange hingehalten, uns sind Hoffnungen gemacht worden, dass es irgendwie, irgendwann weitergeht, vor Kurzem hat der Verband die Saison extra verlängert und jetzt auf einmal, wie aus dem Nichts kommt so eine Entscheidung um die Ecke. Ich sehe die zeitliche Not nicht und verstehe nicht, warum sich der NFV jetzt die Möglichkeit nimmt, doch noch weiterzuspielen.“

Allerdings gibt es auch im eigenen Verein die andere Seite der Medaille: Drei TSV-Teams dürfen nicht aufsteigen, aber drei Mannschaften müssen eben auch nicht absteigen. Man sieht also, dass es Verlierer und Gewinner gibt – egal, wie der Verbandsvorstand in fünf Tagen entscheiden wird.