25. August 2020 / 15:06 Uhr

"Wieder richtig Bock": Unerwartet viele Zuschauer bei den ersten Amateurspielen

"Wieder richtig Bock": Unerwartet viele Zuschauer bei den ersten Amateurspielen

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim Pokalspiel zwischen dem SV Dringenberg und dem FC Nieheim im Kreis Höxter waren 300 Zuschauer dabei.
Beim Pokalspiel zwischen dem SV Dringenberg und dem FC Nieheim im Kreis Höxter waren 300 Zuschauer dabei. © René Wenzel/Montage
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Nach der langen Corona-Unterbrechung kehren Vereine und Fans auf die Anlagen zurück. Der Sportplatz dient in der Pandemie auch als Treffpunkt für Gespräche mit Freunden. War die Befürchtung unbegründet, dass die Menschen sich an ein Leben ohne Fußball gewöhnen?

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Im großen Fußball laufen weiter die Diskussionen über eine mögliche Fan-Rückkehr in die Stadien. Im Amateurfußball ist dieses Thema geklärt – zumindest vorläufig und unterschiedlich je nach Bundesland. Die ersten Spiele finden bereits wieder vor Publikum statt – mal vor 300 Zuschauern, mal vor fast 1000. Viele Klubs sind überrascht, wie viele Menschen sich die ersten Test- und Pokalspiele anschauen wollten.

Kartenverkauf läuft online

"Schon im Vorfeld des Spiels haben sich viele Menschen darauf gefreut, dass wieder ein Ereignis mit Kontakt zu anderen Personen stattfindet. Hier bei uns im Burgstadion wollen die Leute einfach mal abschalten und die Themen, die sie sonst belasten, hinter sich lassen. Man hat es extrem gemerkt, dass die Menschen richtig Bock hatten, wieder auf den Sportplatz zu gehen", sagt Christian Rohe, Vorsitzender des SV Dringenberg, im Gespräch mit #GABFAF. Zum Kreispokal-Halbfinale zwischen dem kleinen Dorfklub aus Ostwestfalen und dem Landesligisten FC Nieheim hätten die Verantwortlichen auch 500 Karten verkaufen können – bei 300 war Schluss. Alles ist im Vorfeld über einen Online-Kartenverkauf top organisiert gewesen.

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Rohe habe in den Wochen vor dem ersten Pflichtspiel aber auch ein anderes Szenario im Kopf gehabt. "Was ist, wenn die Menschen in der Fußballpause gemerkt hätten, dass man den Sonntag nicht auf dem Fußballplatz, sondern mit wandern oder Fahrrad fahren viel schöner verbringen kann? Ich habe zum Glück noch nicht festgestellt, dass uns die Zuschauer wegfallen. Ich hoffe, dass sich weiter alles normalisiert. Denn wir als kleiner Verein sind im ehrenamtlichen Bereich auf Kante genäht. Es ist eine große Herausforderung, die ganzen Vorschriften umzusetzen. Es gibt hoffentlich bald wieder die Zeit, wo man einfach die Tür aufschließen kann und die Leute auf den Sportplatz ohne Auflagen kommen können", sagt Rohe.

Wie Fußball mit Fans während Corona ablaufen kann, zeigt auch ein Beispiel aus Hessen. Im Kreispokal-Halbfinale zwischen Ex-Zweitligist KSV Hessen Kassel und CSC 03 Kassel kamen 875 Zuschauer ins Auestadion. "Für den ersten Testlauf hat es alles sehr gut geklappt. Klar gibt es noch ein, zwei Stellschrauben, an denen wir drehen werden", sagt Dennis Frank-Böckmann, Leiter Sponsoring und Marketing des KSV, auf #GABFAF-Anfrage. Große Ansammlungen vor dem Stadion habe es nicht gegeben. Durch 45 Ordner sei der Klub gut vorbereitet gewesen – vorgeschrieben ist ein Ordner pro 100 Zuschauer.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Maximal 3500 Zuschauer in Kassel

Die "Löwen" sind in Verbindung mit dem hohen Aufwand auf etwa 1000 Besucher pro Spiel angewiesen. "Sonst wären nicht alle Kosten gedeckt", betont Frank-Böckmann. In der Regionalliga plant der Klub aktuell mit maximal 3500 Zuschauern – insgesamt bietet das Auestadion eigentlich eine Kapazität von 18.737 Plätzen. Die Stadt Kassel erlaubt aktuell aber nur bis zu 4000 Menschen im Stadion an der frischen Luft. Gespräche über weitere Schritte stehen mit dem Gesundheitsamt noch an. "Es stellt sich in den nächsten Wochen immer wieder die Frage, wie sich die Infektionszahlen entwickeln", erklärt der KSV-Mitarbeiter.

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In Bayern beschäftigen sich viele Amateurklubs aktuell mit der Besucher-Frage. BFV-Präsident Rainer Koch vergleicht die Zuschauerzahlen bei Fußballspielen mit den maximal 400 Gästen, die im Bundesland bei kulturellen und religiösen Veranstaltungen unter freiem Himmel erlaubt sind. "Wir sind der festen Auffassung, dass zumindest diese Vorgaben auch für den bayerischen Amateurfußball gelten müssen. Ein Fußballplatz bietet in den meisten Fällen weitaus mehr Platz, um Abstandsregelungen einhalten zu können, als etwa eine Freilichtbühne", sagt Koch. Im benachbarten Württemberg sind beispielsweise wieder 500 Zuschauer bei Spielen zugelassen – natürlich auch unter strengen Auflagen.