26. März 2020 / 11:08 Uhr

Amateurfußball-Vorschlag: Final-Four-Turnier um Auf- und Abstieg?

Amateurfußball-Vorschlag: Final-Four-Turnier um Auf- und Abstieg?

Lennart Pankau
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schlägt Final-Four-Turniere vor: Sören Henke, Coach des FC Germania Parsau.
Schlägt Final-Four-Turniere vor: Sören Henke, Coach des FC Germania Parsau.
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Die Fußballplätze sind verwaist, wie lange das noch so bleiben wird, ist offen. Wir haben mit den Trainern der Region gesprochen: Wie soll es nach Corona weitergehen? Kann die Saison überhaupt fortgesetzt werden? Oder wäre ein Saisonabbruch die fairste Lösung?

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Bis zum 19. April ruht der Ball mindestens. Das ist die Vorgabe des niedersächsischen Fußball-Verbands. Dass der Spielbetrieb danach aber wieder stattfinden wird, scheint unrealistisch. „Selbst, wenn die Fallzahlen jetzt runtergehen, heißt das ja nicht, dass wir gleich alle wieder munter draußen durch die Gegend rennen können“, sagt Mohammed Rezzoug, Coach des 1. FC Wolfsburg. Tino Gewinner, Spielertrainer der SV Gifhorn meint dazu: „Wenn wir Anfang Mai den Ligabetrieb wieder aufnehmen könnten, würde man die Saison noch beenden können. Alles danach ist nicht mehr realisierbar.“

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Wie seine Kollegen glaubt er aber nicht an eine Fortsetzung. „Selbst wenn es im April dann wieder angeht, müssten wir schon sechs Spiele nachholen – und wir hatten davor keine Ausfälle“, fügt SSV Vorsfeldes Trainer Burkhard Kick hinzu. Dazu ist ein Kaltstart sowieso kaum vorstellbar. „Selbst wenn die Sportplätze bald wieder freigegeben werden, braucht es ja schon wieder eine ganze Vorbereitung. Sonst ist die Verletzungsgefahr einfach zu groß“, merkt Mohammed Melaouah, Coach des TSV Hillerse, an.

SV Gifhorn gegen SV Calberlah

SV Gifhorn gegen SV Calberlah Zur Galerie
SV Gifhorn gegen SV Calberlah ©

Wie löst der NFV die Situation jetzt am besten? „Eine gute Lösung ist relativ“, findet Rezzoug. „Am Ende wird immer jemand unzufrieden sein.“ Marco Propfe vom SV Wagenhoff meint: „Am Ende gibt es bei so etwas nur Verlierer.“ Wird die Saison annulliert, ohne dass es Auf- und Absteiger gibt, sind die Tabellenführer unzufrieden, wertet man die aktuelle Tabelle ist der Spielplan verzerrt. Eine beliebte Idee: Die Tabelle der Hinrunde wird gewertet.

Eine ähnliche Situation erlebt zurzeit der SSV Kästorf. In der Hinrundentabelle der Landesliga ist das Team von Trainer Georgios Palanis Spitzenreiter. Momentan steht sein Team aber nur auf dem dritten Platz, hat aber auch noch zwei Nachholspiele. „Eine ganz schwierige Situation“, findet Palanis. „Uns betrifft es selbst. Deshalb halte ich mich bei solchen Diskussionen gerne zurück.“ Allerdings glaubt er, dass es eine einheitliche Lösung für alle Amateure geben muss. "Eine Möglichkeit wäre es, Play-Offs stattfinden zulassen“, so Lars Ebeling, Trainer des VfB Fallersleben. „Allerdings ist das für den Fußball ja sehr untypisch.“

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Sören Henke, Coach des FC Germania Parsau, hat eine ähnliche Idee: „Ich glaube, dass ein Final-Four Turnier, in dem sich jeweils die vier am besten und die vier am schlechtesten platzierten Mannschaften messen, um den Auf- und Abstieg auszuspielen, eine faire Sache wäre. Zudem hätten wir so eine sportliche Lösung, über die sich keiner beklagen kann.“ Ein anderer Vorschlag kommt von Rezzoug: „Die Tabellenführer der Hinrunde steigen auf und die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen bleiben in der Liga. In der nächsten Saison gäbe es mehr Absteiger und die Ligen werden geradegerückt.“

Thomas Orth, Trainer der TSG Mörse, nimmt es sportlich: „Wir planen zur Zeit für die nächste Saison, egal in welcher Liga.“ Ähnlich sieht es Trainer-Kollege Ralf Ende vom MTV Gamsen. Der ist mit seinem Team gerade Schlusslicht in der Bezirksliga, betont aber: „Wir müssen am Ende alle Sportler genug sein und die Entscheidung einfach hinnehmen. Auch wenn sie uns vielleicht nicht gefällt.“

Denn bei einer Sache sind sich wieder alle einig: In der Haut der Entscheidungsträger will keiner stecken. „Ich bin froh, dass ich damit nichts zu tun habe“, betont Younes Zaibi, Spielertrainer beim SV Jembke. Generell ist für viele der Fußball gerade nebensächlich. „Mir fallen 99 Dinge ein, die gerade wichtiger sind. Hauptsache alle bleiben gesund“, so Ralf Schmidt, Trainer des TuS Neudorf-Platendorf. Kenny Hülsebusch, Coach vom WSV Wendschott, betont: „Klar würden wir alle gern wieder auf den Platz, aber die Gesundheit hat immer Vorrang.“ Und Ende fügt passend hinzu: „Ich liebe Fußball, genau wie meine Jungs. Aber lieber verzichte ich noch ein paar Monate mehr darauf und alles wird am Ende gut.“