18. Februar 2021 / 21:38 Uhr

Amateurfußballer in MV erwarten Signale der Politik

Amateurfußballer in MV erwarten Signale der Politik

Christian Falkenberg/Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Der Amateurfußball steht ganz im Zeichen der Pandemie. Tore sind hier schon seit fast vier Monaten nicht mehr zu bejubeln.
Der Amateurfußball steht ganz im Zeichen der Pandemie. Tore sind hier schon seit fast vier Monaten nicht mehr zu bejubeln. © imago images/ActionPictures
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Schon seit Anfang November ist der Spielbetrieb bundesweit unterbrochen. Vereine appellieren für eine Perspektive.

Seit fast vier Monaten ruht der Spielbetrieb und eine Ende ist noch nicht in Sicht: Die Amateurfußballer in MV müssen viel Geduld aufbringen. Immerhin ist es schon die zweite längere Unterbrechung in der Corona-Pandemie. Die Kicker sehnen sich danach, gemeinsam wieder dem Ball hinterherzujagen. Allerdings ist weiterhin nur Individualtraining erlaubt. Der Landessportbund informierte am Donnerstag, dass die bestehenden MV-Regelungen für den Sport bis zum 7. März verlängert wurden.

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Eine Nachricht, die den meisten Vereinen nicht gefallen dürfte – so auch Verbandsliga-Aufsteiger FC Schönberg. Der frühere Regionalligist hat eine moderne Platzanlage, gute Trainingsbedingungen und Spieler mit Drittliga-Erfahrung, zudem sind die Maurinekicker im Nordwesten gut vernetzt. Die Sponsoren kommen bis aus dem Lübecker Raum und darüber hinaus. Zudem hat der Verein Crowdfunding-Projekte wie den „Club 95“ geschaffen, um auf soliden Beinen zu stehen. Eine Rolle im Aufstiegskampf würden die Schönberger in dieser Saison eher nicht spielen, doch genau diese Sorgen sind in Zeiten von Corona Luxus.

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„Das, was den Amateursport ausmacht, ist das Zusammensein. Besonders für Kinder und Jugendliche sind Kontaktmöglichkeiten weggefallen“, betont Schönbergs Sportvorstand Sven Wittfot. Größere Vereinsaustritte oder gekündigte Sponsorenverträge halten sich nach seinen Aussagen zwar in Grenzen. Aber wenn Mitglieder keinerlei Sportangebote nutzen dürfen, fehlten auch wichtige Einnahmen zur Existenzsicherung des Vereins. „Die Kosten für Platzanlage und Gelände laufen natürlich weiter.“

Trotz „großen Verständnisses dafür, dass angesichts des Infektionsgeschehen etwas passieren muss“, plädiert Wittfot für klare Aussagen seitens der Politik und der Verbände. „Wir brauchen Planungssicherheit, ob die aktuelle Saison weitergeführt oder abgebrochen wird. Für die Auf- und Abstiegsfrage könnte man ja die Hinrundentabelle nutzen. Egal in welche Richtung es geht, wichtig wäre eine zeitnahe Entscheidung“, fordert der Sportliche Leiter der Maurinekicker.

Ligarivale FC Anker Wismar sieht die Situation ähnlich. FCA-Kapitän Philipp Unversucht glaubt, dass das ursprüngliche Pensum, bestehend aus gesamter Hin- und Rückrunde sowie den Pokalspielen, nicht mehr zu schaffen sei. Er schlägt vor: „Meine Vorstellung ist, die Hinrunde noch abzuschließen. Jedes Team hätte somit noch fünf Spiele. Die Auf- oder Abstiegsfrage wäre zum Beispiel über eine Play-off-Runde zu ermitteln. So könnten erspielte Punkte genutzt werden, das wäre durchaus reizvoll.“

Für ein Ende nach der Hinrunde ist Daniel Nawotke vom 1. FC Neubrandenburg. Der Führende in der Verbandsliga-Torschützenliste meint, dass mit einer abgeschlossenen Halbserie halbwegs noch „ein Ergebnis am Ende steht“. Sollten die Corona-Fallzahlen weiter runtergehen, hofft er im März mit dem Team wieder trainieren zu dürfen. „Aber wir müssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“


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Hier bietet sich Maik Peters (l.) doch noch zum Ende eine Chance, Warins Marcel Manns unterläuft den Ball. Zur Galerie
Hier bietet sich Maik Peters (l.) doch noch zum Ende eine Chance, Warins Marcel Manns unterläuft den Ball. ©

Geduld ist auch beim Ligakonkurrenten FC Förderkader René Schneider angesagt. Als Verbandsliga-Zweiter rangieren die Rostocker nur zwei Zähler hinter Spitzenreiter FC Mecklenburg Schwerin. Bei Trainer Stephan Malorny macht sich durch die andauernde Unterbrechung große Unzufriedenheit breit. Der 62-Jährige kritisiert, dass eine gravierende Unsicherheit im Amateur- und Freizeitsport herrsche und die Politik das kaum wahrnehme. „Im gesamten Sport lechzt jeder danach, wieder etwas zu tun.“

Ähnlich sieht es Klubpräsident Michael Lau vom Landesligisten FSV Bentwisch. Er fordert, dass die Politik dem Sport eine Perspektive bieten müsse. „Im Bundesdurchschnitt sollen Sportvereine derzeit bis zu 20 Prozent ihrer Mitglieder verlieren. Geht der Trend weiter, würde das ein Vereinssterben bedeuten“, betont Lau in einem SPORTBUZZER-Interview. Er warnt vor großen gesellschaftlichen Folgen, gerade für Kinder und Jugendliche. „Im Sport lernen sie ganz wichtige Dinge fürs Leben: den Umgang mit anderen, Disziplin, Siege und Niederlagen zu verarbeiten, hinzufallen und wieder aufzustehen.“

Um junge Talente am Ball zu halten, hat der FC Förderkader ein Hygienekonzept für seinen Nachwuchs erarbeitet und es beim Gesundheitsamt Rostock vorgelegt. Das Vorhaben des Vereins hatten die Behörden auch schriftlich akzeptiert. Der FC Förderkader bietet unter strengen Auflagen Individualtraining für seine Eigengewächse an. „Ich bin allerdings erschüttert, dass wir in unserer Stadt dafür vor ein paar Wochen Anfeindungen bekommen haben“, berichtete Stephan Malorny. Ungeachtet davon wollen Coach und Verein auch ein Hygienekonzept für den Herrenbereich einreichen.