24. Februar 2021 / 16:56 Uhr

Amateurkicker in MV diskutieren: Saisonabbruch oder Fortsetzung?

Amateurkicker in MV diskutieren: Saisonabbruch oder Fortsetzung?

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Werden die Fußballschuhe in dieser Saison noch einmal geschnürt oder nicht?
Werden die Fußballschuhe in dieser Saison noch einmal geschnürt oder nicht? © Horst Schreiber
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Die Lager bei den Amateurfußballern in Mecklenburg-Vorpommern sind gespalten. Die einen wollen unbedingt zurück auf den Rasen und sich im Wettkampf messen. Die anderen wollen keine Rückkehr auf Krampf.

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Wie geht es weiter mit dem Amateurfußball von MV während und vor allem nach dem coronabedingten Lockdown? Lange hielten sich Landesfußballverband (LFV MV) und Sportler dazu bedeckt. Doch den Aktiven jucken zunehmend die Füße. Sie erheben ihre Stimme. Eine Diskussion über Saisonfortsetzung oder -abbruch ist entbrannt.

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Kicker wollen kicken

Bislang gibt es zwar keinen offiziellen Fahrplan des LFV MV, doch der Verband ist bestrebt, die Saison sportlich fortzusetzen und zu werten. Die Mitglieder seien im ständigen Austausch über mögliche Szenarien und jederzeit startbereit. „Gegenwärtig sehe ich pandemiebedingt keine Möglichkeit, Fußball zu spielen. Aber wenn die wieder bestehen sollte, würde ich es begrüßen, dass wir spielen und die Zeit im Mai und Juni nutzen. Die Sportler lechzen danach, wieder auf den Platz zu kommen. Und was wäre das für ein Signal, wenn wir dann sagen: Nö, machen wir nicht. Es wäre schon ein Geschenk, wenn wir die Hinrunde beenden könnten. Andere Konstellationen wie Freundschaftsspiele sind, glaube ich, nicht das Heilmittel“, sagt Ulf Kuchel.

Der Leiter des Spielausschusses beim LFV MV glaubt, dass die Mehrheit der Vereine eine Fortsetzung der Saison befürworten würde. Einige Sportler äußerten sich bislang positiv über eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs, sollten es Infektionsgeschehen und die Politik zulassen.

Die bisherigen Diskussionen

Abbruch-Befürworter: Sorge um Teams im Keller und Nachwuchs

Doch seit Anfang der Woche gibt es Gegenstimmen. Ein Kollektiv um den FSV Malchin, Lübzer SV und SFV Nossentiner Hütte spricht sich in einem Schreiben an den LFV MV gegen einen möglichen Re-Start aus.

„Wir sind klar für Saisonabbruch“, sagt Remo Sahm, Trainer des Lübzer SV. Sein Kollege Henning Muske (Nossentiner Hütte) erklärt warum: „Es wäre gut, wenn der sportliche Druck genommen wird. Sollte eine Wertung der Hinrunde angestrebt werden, blieben den Teams im Tabellenkeller nur zwei bis vier Spiele, um den Abstieg zu verhindern. In denen geht es um eine ganze Menge. Dann setzt du automatisch nur auf die besten Spieler. Der zweiten Reihe und gerade jungen Spielern gibst du nicht so viel Einsatzzeit, wie du es in einer normalen Saison machen würdest. Wir haben arge Sorgen, dass die Jungen dann nicht mehr kommen. Aber sie sind ja unser Fundament für die Zukunft.“

Zudem äußerten die Vereine Bedenken über eine ungleiche Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen (zum Beispiel durch coronabedingten Tausch des Heimrechts) und eine eventuell erneute Unterbrechung, sollte sich die Infektionslage noch einmal verschlechtern.

Kontroverse aber konstruktive Diskussion auf Facebook

Jetzt diskutieren Fußballer online über die beiden Grundausrichtungen. In einem vielbeachteten Beitrag von Kevin Rosinski auf Facebook spricht sich der Spieler vom VfL Blau-Weiß Neukloster (Landesklasse) für eine Fortsetzung der Hinserie und anschließenden Playoff-Partien aus. Den Spielern soll zuvor eine zweiwöchige Vorbereitungszeit eingeräumt werden. „Somit hat man nochmals einen gesunden Wettkampfgedanken, packende und vor allem mehrere Spiele“, schreibt Rosinski.

Roman Maaßen, Trainer des Landesklasse-Tabellenführers FC Insel Usedom, unterstützt Rosinski. „Natürlich wollen wir die Saison zu Ende spielen. Dabei geht es nicht in erster Linie um unseren möglichen Aufstieg, sondern darum, sich wieder körperlich zu betätigen. Ohne Training unter der Woche und Vorfreude auf das Wochenende ist das Leben aktuell ziemlich langweilig“, sagt Maaßen und plädiert deshalb für einen spannenden Wettkampfmodus.

Neben der Motivation der Fußballer werden vor allem Vorbereitungszeit und Terminprobleme kontrovers diskutiert. Jochen Müller, Abteilungsleiter bei der SG Wöpkendorf (Landesklasse), meint, eine Wertung der Hinserie sei sportlich nicht fair und zeitlich nicht machbar. Er fragt: „Was spricht gegen die Version aus 2020? Warum wird das Rad neu erfunden?“.

Im Frühjahr 2020 stimmten in einer vom LFV MV initiierten Umfrage an die Fußballklubs etwa 80 Prozent gegen eine Fortsetzung der damals unterbrochenen Saison 2019/20. Dem Ergebnis folgte der Verband.

Das scheint auch aktuell der Trend zu sein. In einer derzeit laufenden Umfrage des SPORTBUZZER votierten bislang knapp 37 Prozent für einen Saisonabbruch. 30 Prozent sind für eine sportliche Austragung der Hinrunde. Die Amateurfußballer sind uneins.

Hier geht's zur Umfrage

Weitere Vorschläge von Amateurfußballern:

Saisonabbruch ohne Wertung. Stattdessen für die verbleibende Spielzeit eine kleine Landesmeisterschaft mit allen Vereinen nach Vorbild einer Fußball-WM. Es würde vielleicht eins zwei längere Fahrwege geben, die Vereine spielen aber mal gegen andere Gegner und wenn das möglichst noch mit Zuschauern passiert, dann wäre da ein großes Interesse für alle Beteiligten vorhanden.

Diese Saison bis zum Sommer 2022 fortführen und beenden.

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Abbruch der Saison, Freundschaftsspiele, mit Aufsteigern und ohne Absteigern, mehrere kleine Ligen mit maximal 6 Mannschaften, um kurzfristig besser reagieren zu können und ggf. Relegationsspiele um Auf- und Abstieg

Annullierung ohne Auf- und Absteiger

Neben Abbruch wird auch über Spielklassenreform diskutiert

„Ganz klar: Das ist eine schwierige Situation für den Verband. Wir hoffen, er geht auf die Wünsche und Nöte der Vereine ein. Er soll die Entscheidung nicht alleine treffen“, sagt Remo Sahm. Der Lübzer Trainer und seine Mitstreiter fordern neben dem Abbruch auch die Aussetzung der Spielklassenstrukturreform.

Der LFV MV wollte ursprünglich die Landesligen und -klassen von jeweils 16 auf 14 Teams verkleinern. Das Coronavirus durchkreuzte den Plan. Im vergangenen Sommer wurde nach vorzeitiger Saisonbeendigung die Auf- und Abstiegsregelung außer Kraft gesetzt. So verblieben mehr Vereine in den Landesligen und -klassen (104) als ursprünglich geplant (84). „Die Reform war vielleicht nötig, aber jetzt durch Corona ist sie nicht umsetzbar“, empfindet Henning Muske. Heißt: Erneute Aussetzung der Auf- und Abstiegsregelung, wobei willige Mannschaften aufsteigen sollen – wie im vergangenen Jahr.