12. Oktober 2020 / 18:26 Uhr

American Footballer mit Notsaison: Leipzig Lions sichern sich Sachsenmeistertitel

American Footballer mit Notsaison: Leipzig Lions sichern sich Sachsenmeistertitel

Matthias Müller
Leipziger Volkszeitung
Lions
Die Meister-Mannschaft 2020 der Leipzig Lions. © Laura Otto
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Die Leipzig Lions stellten in einer Sonderliga für sächsische Vereine sowohl die beste Offense als auch Defense. Die Footballer konnten folgerichtig die „Sachsenmeisterschaft 2020“ feiern. Im letzten Spiel wurden die L.E. Hawks mit 21:3 deutlich distanziert. 

Leipzig. Noch bevor am Sonntag die Spiele der amerikanischen Profiliga NFL angepfiffen wurden, konnten sich die Anhänger der Leipzig Lions über die frohe Kunde aus Dresden freuen. Die zweite Garde der Monarchs setzte sich gegen die Radebeul Foxes durch und zog mit Chemnitz und den Lions gleich. Allerdings stellten die Leipziger in dieser wegen der Coronakrise ins Leben gerufenen Sonderliga sowohl die beste Offense als auch Defense (90:24) und rechtfertigten so auch statistisch die sächsische Meisterschaft.

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Gerade die aggressive und effiziente Verteidigung war beim 21:3-Erfolg im Stadtderby gegen die L.E. Hawks am Samstag klar erkennbar. „Seit der ersten Halbzeit gegen Chemnitz zum Auftakt haben wir keinen einzigen Touchdown mehr abgegeben. Das spricht schon eine deutliche Sprache. Ich bin sehr stolz auf die Jungs, denn es war ein sehr hartes Jahr mit vielen Herausforderungen für uns alle“, meinte Lions-Headcoach Bill Moore nach dem Spiel.

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Die Leipzig Lions bezwingen die Hawks im Derby mit 15:8. Zur Galerie
Die Leipzig Lions bezwingen die Hawks im Derby mit 15:8. ©

Der US-Amerikaner, der seit Jahresbeginn von seiner polnischen Wahlheimat getrennt ist, spielte dabei insbesondere auf die Trainingseinheiten mit Gesundheitsauflagen an, unter denen diese Interimssaison erst stattfinden konnte. Während in anderen Bundesländern der Ligabetrieb früher oder später eingestellt wurde, gelang es den Vereinen gemeinsam mit dem sächsischen Sportbund ein Konzept zu entwickeln, welches den Spielern letztendlich den Spielbetrieb ermöglichen konnte.

Training in mehreren Phasen

Ab 18. Mai wurde unter strikten Auflagen des American Football Verband Deutschland (AFVD) der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. In der ersten von drei Phasen jedoch mit nur einer Person pro 20 Quadratmeter. Daraufhin folgten Gruppeneinheiten mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern, die natürlich in der Kontaktsportart American Football sowohl Trainer als auch Spieler vor reichlich Herausforderungen stellten.

In der dritten Phase konnte dann ab Anfang Juni wieder Tacklings durchgeführt werden. Wie gefährlich eine mangelnde Vorbereitung in diesem Bereich sein kann, zeigen in diesem Jahr auch die zahlreichen Verletzungen in der NFL, welche Vorbereitungsspiele und spezielle gemeinsame Trainingseinheiten ausfallen ließ.

Während der vielen Phasen mussten Sportstätten und Ausrüstung stets desinfiziert werden, die Duschen und Umkleiden blieben gesperrt. Ein Preis, der sich für eine stattfindende Saison allerdings auszahlte, meinte auch Dr. Maik Pradel, Head Coach der L.E. Hawks: „Meine Jungs konnten jede Menge Spielerfahrung sammeln. Wenn die Saison komplett ausgefallen wäre, hätte man in vielen Bereichen wieder bei null anfangen müssen. Auch wenn wir zu Beginn nicht gut reinkamen, hat mein Team in der zweiten Hälfte gezeigt, dass wir gegen die momentan sportlich besseren Lions zuminest defensiv dagegen halten können.“


Dietze avancierte zum Quarterback

Einer der auffälligsten hierbei war Safety Nick Kretschmer mit zwei abgefangenen Bällen (Interception). „Als Sportler will man natürlich gewinnen. Daher war auch in dieser speziellen Liga die Motivation zu Siegen da, gerade heute im Derby. Die Lions waren das etwas fittere Team und momentan überwiegt gerade die Enttäuschung, denn leider konnte ich bei der dritten (Interception) nur abfälschen und der Gegner holte ihn und war durch.“

Auf der Gegenseite gab es in dieser Saison allerdings auch eine Offenbarung, die in der nächsten Spielzeit noch nützlich sein könnte. Jonathan Dietze, einst Verteidiger, nun Quarterback, zeigte am Samstag mit zwei Touchdowns, dass auch offensiv mit ihm zu rechnen sein wird. „Einen geworfen und einen gelaufen – ich würde sagen, dass das heute eine ausgeglichene Leistung war. Gegen Chemnitz musste ich ja verletzungsbedingt zum ersten Mal als Quarterback einspringen. Mir macht es auf jeden Fall Spaß die Position zu spielen und ich glaub das Jonas (Pflug) und ich uns ziemlich gut ergänzen.“

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Dieser Auffassung ist auch Offensive Coordinator Carsten Kunz, der in Zukunft auch in der Regionalliga mit diesem flexiblen Dual-Quarterback-System Erfolgschancen sieht. Im Frühjahr 2021 geht es dann eben dort für den Sachsenmeister darum, eine dominante Position zu festigen, während die Hawks in der Oberliga um den Aufstieg kämpfen werden.