12. Januar 2021 / 18:30 Uhr

Bald wieder Nationalspieler? Darum ist Amin Younes bei Eintracht Frankfurt auf dem Weg zu alter Stärke

Bald wieder Nationalspieler? Darum ist Amin Younes bei Eintracht Frankfurt auf dem Weg zu alter Stärke

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wird bei Eintracht Frankfurt wertgeschätzt: Leihgabe Amin Younes.
Wird bei Eintracht Frankfurt wertgeschätzt: Leihgabe Amin Younes. © imago images/Jan Huebner
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Eintracht Frankfurts Amin Younes nähert sich vor dem DFB-Pokalspiel bei Bayer Leverkusen jener Form, die ihn einst in die DFB-Elf brachte . Für SGE-Trainer Adi Hütter gehört der 27-Jährige zu den Unterschiedsspielern.

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Aberglauben weist Amin Younes von sich, aber Ritualen wird der Offensivspieler von Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalspiel bei Bayer Leverkusen an diesem Dienstag (20.45 Uhr, Sky) schon folgen. Der 27-Jährige betritt das Spielfeld zuerst mit dem rechten Fuß – wie er sich auch den rechten Schuh immer als Erstes anzieht. Ziel der Gewohnheiten: verspätet durch die Pforte zum Achtelfinale zu kommen, wo ein Duell bei Rot-Weiss Essen warten würde. „Wir sind eine Pokalmannschaft und haben in diesem einen Spiel alle Möglichkeiten“, sagt Trainer Adi Hütter, der Younes als Unterschiedsspieler betrachtet, der sein kämpferisches Ensemble mit Spielwitz versieht.

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Er ist für mich ein Spieler, den wir in dieser Form nicht gehabt haben, weil er die Eins-gegen-eins-Situationen super lösen kann“, lobt der Eintracht-Coach. Viele erinnert der 1,67 Meter große Trickser mit dem „unglaublich tiefen Schwerpunkt“ (Hütter) an Pierre Littbarski.

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Younes kam erst Anfang Oktober für eine bis Sommer 2022 ausgelegte Leihe vom SSC Neapel zur Eintracht, weil es dort für verspielte Typen wenig Verwendung gibt. In der Bundesliga hatte er gerade Fuß gefasst, da fing er sich das Corona-Virus ein. Es hat bis ins neue Jahr gedauert, dass der in Düsseldorf geborene Deutsch-Libanese sein Leistungsvermögen wieder entfaltet.

Seit sich Younes mit Daichi Kamada den Part als Zehner teilt, blühen in der Mainmetropole die Europapokalträume. Zuvor hatte es für die Gegner meist gereicht, den linken Flügel mit Dampfmacher Filip Kostic – der im Pokal eine Langzeitsperre abbrummt – abzuriegeln. Nun aber findet der „kleine Riese“ mit unberechenbaren Täuschungsmanövern selbst die winzigsten Lücken. „Bei mir ist viel Instinkt dabei, ich versuche immer, kreativ zu sein, ich spiele frei nach Schnauze“, beschreibt Younes seinen Stil.

Premierentreffer gegen Leverkusen

Gleich zweimal hat die Nummer 32 schon den Türöffner für die Hessen gespielt: Gegen Leverkusen (2:1) glückte ihm sein erstes Bundesliga-Tor für die Eintracht, in Mainz (2:0) ging dem ersten Elfmeter sein Gedankenblitz voraus. „Durch seine Initialzündung ist dieses 1:0 entstanden, es macht einfach Freude“, findet Trainer Hütter. Dass sich Younes nach dem Intermezzo in der Serie A inzwischen vorstellen kann, länger in Frankfurt zu bleiben und auf Teile seines Gehaltes zu verzichten, spricht für seinen Reifeprozess. „Es macht für mich keinen Sinn, woanders viel Geld zu verdienen, dort aber unglücklich zu sein“, sagt er.

Und er hat gelernt. Denn trotz einer fürsorglich angelegten Ausbildung bei Borussia Mönchengladbach und den DFB-Auswahlteams war er vor Fehlern nicht gefeit. „Ich habe den falschen Menschen vertraut, die mir Flöhe ins Ohr setzen wollten“, gestand Younes einmal.

Aus dem Abseits auf den EM-Radar?

Horst Hrubesch trat ihm bei der U21-Nationalmannschaft häufiger gegenüber. Eine Unterredung hat der Spieler nicht vergessen. Der Lehrmeister sagte: „Amin, du bist nur zwei, drei Tage in der Woche daheim. Macht es da Sinn, zwei, drei Autos zu haben?“ Beim 1. FC Kaiserslautern (2014/2015) geriet Younes ebenso ins Abseits wie am Ende bei Ajax Amsterdam (2015 bis 2018), wo er unter dem heutigen Leverkusener Trainer Peter Bosz 2017 bis ins Europa-League-Finale stürmte, dann jedoch eine Einwechslung verweigerte, um seinen Wechsel nach Italien zu forcieren.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er fünf Spiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Wenn er die nächsten Wochen seine Form bestätigt, ist es nicht völlig abwegig, dass einer der letzten Straßenfußballer sogar noch auf dem EM-Radar des Bundestrainers auftaucht.