07. April 2022 / 21:48 Uhr

Änderungen, Regeln, Forderungen: Fragen und Antworten zu den Reformen des Financial Fair Play

Änderungen, Regeln, Forderungen: Fragen und Antworten zu den Reformen des Financial Fair Play

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die UEFA revolutioniert das Financial Fair Play.
Die UEFA revolutioniert das Financial Fair Play. © IMAGO/Domenic Aquilina
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Das Financial Fair Play wurde reformiert. Die UEFA reagierte mit den Änderungen auf anhaltende Diskussionen und visiert mehr wirtschaftliche Stabilität bei den Klubs an. Was bedeuten die Neuerungen? Und worum geht es beim Financial Fair Play überhaupt? Der SPORTBUZZER liefert die wichtigsten Antworten im Überblick.

Die UEFA hat ihre umstrittenen Regeln zum Financial Fair Play (FFP) reformiert, hofft dadurch auf mehr ökonomische Stabilität und Vernunft bei den Fußball-Klubs. Die Neuerung, die Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn bereits im Vorfeld als "Meilenstein" bezeichnete, ist für Fans und Interessierte erst einmal kaum greifbar. Was ändert sich in Zukunft und was hat das für Auswirkungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den bisherigen und zukünftigen Geld-Regeln des Spitzenfußballs im Überblick.

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Worum geht es beim Financial Fairplay?

Das Financial Fairplay (FFP) ist ein Kontrollsystem für die europäischen Klubwettbewerbe. Es soll im Grundsatz dafür sorgen, dass die Europapokal-Teilnehmer nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen. Lebt ein Klub deutlich und lange über den eigenen Verhältnissen, kann die UEFA teils harte Sanktionen verhängen. Dabei blickt die UEFA immer auf drei aufeinanderfolgende Kalenderjahre.

Entscheidend ist das sogenannte "Break-even-Ergebnis", also die Differenz der relevanten Einnahmen und Ausgaben. Die UEFA beobachtet, ob es bei den Klubs ein Defizit oder einen Überschuss gibt, sie gestattet eine negative Abweichung im einstelligen Millionenbereich. Ein größeres Defizit bis zu 30 Millionen Euro soll über Anteilseigner oder "verbundene Parteien" ausgeglichen werden dürfen. Im Dezember hatte die UEFA insgesamt neun Klubs mit Geldstrafen belegt und einen Europapokal-Ausschluss angedroht, falls Verbindlichkeiten nicht schnell nachweislich beglichen werden.

Was soll sich nun ändern?

Im Kern basieren die ab dem 22. Juni gültigen neuen Regeln auf den drei Säulen Kostenkontrolle, Stabilität und Solvenz. Vereine dürfen demnach künftig nur noch 70 Prozent ihrer Einnahmen für Kaderkosten ausgeben, inklusive Transfers und Kosten für Spielerberater. Die sogenannte "Kader-Kostenkontrolle" tritt allerdings in drei Stufen in Kraft - von 90 über 80 bis zu den avisierten 70 Prozent im Dreijahresrhythmus bis 2025.

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Die Prüfung der Zahlungsfähigkeit der Klubs soll künftig vier Mal pro Jahr erfolgen, einmal durch nationale Lizenzkontrolleure, dreimal durch die UEFA-Finanzexperten. Erhöht wurde im Gegenzug die Höhe der akzeptierten Abweichungen von 30 Millionen Euro auf 60 Millionen über drei Jahre. Vereine mit guter Finanz-Grundlage bekommen sogar noch einen Bonus von 10 Millionen Euro jährlich. Mögliche Strafen gehen über finanzielle Sanktionen hinaus und können zu Punktabzug, Transferverboten und dem Ausschluss aus Wettbewerben führen.


Was ist der bisher prominenteste Fall?

Das ist Manchester City. Der englische Spitzenklub wurde im Jahr 2020 "wegen schwerwiegender Verstöße" gegen die Finanzregeln zu zwei Jahren Europapokal-Ausschluss und 30 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt - von der UEFA, die damit erstmals richtig hart gegen einen der ganz Großen durchgriff. Zum Ausschluss kam es aber nicht, weil der Verein von Startrainer Pep Guardiola Einspruch einlegte und vor dem Sportgerichtshof Cas damit Erfolg hatte. Die Sperre wurde aufgehoben, die Geldstrafe von 30 auf zehn Millionen Euro reduziert.

Die Sanktionierung spielt auch beim Nachfolgemodell eine wichtige Rolle. Geldstrafen haben gerade bei gut alimentierten Klubs oft nicht die gewünschte Wirkung. Das neue Modell verankert, dass Klubs aus der Champions League in die Europa oder Europa Conference League müssen. Das kommt für Weltvereine mit hohen Ansprüchen wie City oder Paris Saint-Germain finanziell, sportlich und imagetechnisch einem Desaster gleich.

Was sagt die Bundesliga?

Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn zeigte sich nach der Generalversammlung von Europas Klubvereinigung ECA in der Vorwoche mehr als zufrieden: Die Reform des Financial Fairplay sei "ein Meilenstein. Über viele Monate haben wir im ECA Board gemeinsam mit der UEFA dieses Modell ausgearbeitet. Ich freue mich, dass wir es nun auch so umsetzen."

Bei Sky sprach der frühere Welttorhüter von einer "Weiterentwicklung" des Systems und gab als Ziel für die kommenden Jahre aus: "Dass zumindest mal eine leichte Bremse reinkommt bei den Gehältern oder auch bei den Ablösesummen. Das sind schon große Veränderungen, die da stattfinden." Es werde bei den Treffen der ECA "nicht nur geredet und Kaffee getrunken", stellte Kahn klar.


Welche Forderungen wabern sonst noch herum?

Kahns Vorgänger Karl-Heinz Rummenigge rief im vergangenen Herbst mit Blick auf die finanzielle Schieflage vieler Klubs nach einer "Kurskorrektur" im europäischen Vereinsfußball. "Wir benötigen ein Financial Fairplay 3.0, das stringent und konsequent umgesetzt wird und das auch einen konkreten Strafenkatalog beinhaltet", sagte Rummenigge der Welt am Sonntag.

Konkret nannte der langjährige Bayern-Boss die klare Definition von Sanktionen. "Wenn ein Klub gegen Financial Fairplay verstößt, darf er nicht in einer Grauzone handeln, sondern muss ganz genau wissen, was ihn erwartet, bis hin zum Ausschluss aus der Champions League." Rummenigge hatte sich zudem für "festgelegte Spielergehälter" ausgesprochen.

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