02. Dezember 2018 / 09:39 Uhr

André Schürrle: BVB-Fans waren „nicht wirklich auf meiner Seite“

André Schürrle: BVB-Fans waren „nicht wirklich auf meiner Seite“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
André Schürrle spielt seit Saisonbeginn für den Premier-League-Aufsteiger Fulham, Chelseas Lokalrivalen. 
André Schürrle spielt seit Saisonbeginn für den Premier-League-Aufsteiger Fulham, Chelseas Lokalrivalen.  © Getty
Anzeige

Sein Klub Fulham spielte am Sonntag bei André Schürrles Ex-Verein Chelsea, den der Weltmeister im Februar 2015 verlassen hatte. Der Deutsche fehlte zwar angeschlagen, sprach zuvor aber in einem Interview über die Hintergründe seiner Abschiede von Chelsea und dem BVB.

Anzeige

Für André Schürrle stand an diesem Wochenende ein ganz besonderes Spiel auf dem Programm. Mit Premier-League-Schlusslicht Fulham sollte der Weltmeister am Sonntag beim großen Lokalrivalen FC Chelsea gastieren – im Südwesten Londons heißt es Derbyzeit! Doch kurz vor dem Anpfiff die Meldung: Schürrle muss verletzungsbedingt passen. Für den 28-Jährigen wäre es die Heimkehr an die alte Wirkungsstätte gewesen, nach fast vier Jahren Abstinenz. Von 2013 bis 2015 nämlich war der Offensivspieler an der Stamford Bridge aktiv, damals noch für seinen heutigen Gegner Chelsea.

Anzeige

In einem Interview mit football.london erklärte Schürrle nun, warum er im Februar 2015 den Schritt zurück in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg wagte – und auch, warum er Borussia Dortmund überraschend im Sommer 2018 wieder für Englands Spitzenliga verließ. Dabei findet der Offensivspieler auch kritische Worte über die Rolle der BVB-Fans und die aus seiner Sicht zu krasse Erwartungshaltung ihm gegenüber.

Diese Deutschen spielen in der Premier League

Leroy Sané, Moritz Leitner und Mesut Özil gehören zum deutschen Premier-League-Kontingent. Doch welche ihrer Landsleute sind noch in Englands Oberhaus am Ball? Zur Galerie
Leroy Sané, Moritz Leitner und Mesut Özil gehören zum deutschen Premier-League-Kontingent. Doch welche ihrer Landsleute sind noch in Englands Oberhaus am Ball? ©

Kurios: Eine Salmonelleninfektion war die Ursache für den Wechsel nach Wolfsburg. „Ich war ziemlich krank“, sagte Schürrle. „Ich wurde sehr schwach, war für drei Wochen raus. Als ich zurückkehrte, hatte ich nicht wirklich die Möglichkeit unter Beweis zu stellen, dass ich wieder bei 100 Prozent bin.“ Als Wolfsburg an ihn herantrat, war die Sache für Schürrle klar. „Als ich die Chance dazu hatte, ließ er (Trainer José Mourinho, d. Red.) mich gehen.“



Salmonelleninfektion durch ein Hühnchen – Schürrle: „Die esse ich seitdem nicht mehr“

Die Infektion hatte Schürrle sich bei der Nationalmannschaftsreise nach Polen im Oktober 2014 durch ein kontaminiertes Hühnchen geholt. „Seitdem esse ich kein Hühnchen mehr“, sagte der 57-malige Nationalspieler, der im WM-Finale die Vorlage für das entscheidende Tor von Mario Götze gab. „Man sieht ja, wie dünn ich bin, und wenn ich dann drei, vier, fünf Kilogramm verliere, dauert es sehr lange, bis man die Kraft wieder gewinnt. Es hat sehr lange gedauert.“ Zu lange für Mourinho, der Schürrle nach der WM auch wegen der Erkrankung kaum noch einsetzte.

Mehr zum Thema

Dabei hatte der frischgebackene Weltmeister sich für die Saison 2014/2015 viel vorgenommen – auch wenn die Zeit nach der magischen Nacht von Rio de Janeiro ihm in den Knochen steckte. „Es ist wirklich hart, was ich zu dem Zeitpunkt nicht erwartet hatte. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, war es echt schwer, wieder in die Saison zu kommen. Du gewinnst die WM, du schaust auf den Kalender und hast zweieinhalb Wochen Pause. Danach musst du wieder zehn Monate durchspielen – das ist nicht einfach. Aber wenn du gerade die WM gewinnst, fliegst du nur und sagst dir, dass du es schaffen kannst.“ Mourinho gab ihm zunächst ein Versprechen auf Spielzeit. „Er sagte zu mir: ‚Das ist dein Jahr, du startest das erste Spiel‘ - das hat er mir am ersten Tag nach meiner Rückkehr gesagt.“

Comeback in der Premier League: In England noch eine Rechnung offen?

So kam es auch – Schürrle spielte gegen Burnley und traf. Doch dann setzten ihn die Salmonellen außer Gefecht. Schürrle: „In einem Klub wie Chelsea gibt es so viele Topspieler. In meinem ersten Jahr war ich wirklich froh mit meiner Rolle als Joker, ich hatte ganz gute Statistiken, ich hatte Tore, wichtige Tore noch dazu und das Vertrauen des Trainers. Aber im zweiten Jahr war es echt schwierig.“ Also entschied er sich für die Bundesliga – zunächst für den VfL Wolfsburg, später für Borussia Dortmund. Aber das Gefühl, in England noch eine Rechnung offen zu haben, blieb. So kehrte Schürrle zurück. Im Sommer unterschrieb er beim Stadtteilrivalen Chelseas, dem kleineren Klub FC Fulham, der gerade wieder in die Premier League aufgestiegen war.

Auch wenn die Londoner zurzeit auf dem letzten Platz stehen und sogar schon einen Trainerwechsel hinter sich haben (Ex-Meistertrainer Claudio Ranieri übernahm von Slavisa Jokanovic) – Schürrle genießt das Leben an der Themse, schoss bereits fünf Saisontore, traf zuletzt beim wichtigen Sieg gegen den FC Southampton. Er ist nicht mehr der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte wie beim BVB, sondern als Leihspieler ein Schnäppchen für Fulham. Nicht zum ersten Mal verdeutlicht Schürrle die Probleme, die er beim BVB nach seinem Empfinden erlebte.

Hummels, Haaland und Bellingham: Das sind die Rekordtransfers des BVB

Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  Zur Galerie
Mats Hummels, Erling Haaland und Jude Bellingham (v.l.) gehören zu den teuersten Transfers in der BVB-Geschichte. Wie viel Geld die Dortmunder für sie ausgaben, erfahrt ihr in unserer Galerie.  ©

Wechsel zu Fulham war „auch eine Erleichterung“

„Die Last beim BVB lag nicht so schwer auf meinen Schultern, wie viele vielleicht dachten. Aber ich hatte auch mit Verletzungen zu kämpfen. Als ich dorthin kam, war ich sechs Wochen raus, dann vier. Das ist die Hauptsache. Die Medien waren nicht wirklich auf meiner Seite, die Fans auch nicht. Sie wollten mehr von mir sehen, weil ich so teuer war. Jetzt ist alles anders – ich spiele hier auf Leihbasis. Ich bin nur hier, um Fußball zu spielen, und die Menschen sehen, dass ich alles gebe. Und ich habe das Gefühl, dass auch sie mir etwas zurückgeben. Sie sagen nicht: ‚Okay, er hat so oder so viel gekostet, er muss mehr Tore schießen.‘ Als ich hierher kam, war es für mich auch eine Erleichterung.“


Hier abstimmen: Wer wird Meister in England?

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!