17. Juli 2020 / 15:06 Uhr

Emotionale und deutliche Worte: So begründet André Schürrle sein Karriereende

Emotionale und deutliche Worte: So begründet André Schürrle sein Karriereende

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielte schon früher mit dem Gedanken, aufzuhören: Andre Schürrle.
Spielte schon früher mit dem Gedanken, aufzuhören: Andre Schürrle. © Christof Koepsel/Getty Images
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André Schürrle beendet seine Karriere mit nur 29 Jahren. Das teilte er dem "Spiegel" mit, der am Freitag darüber berichtete. Schürrle erklärt, dass er sich nicht mehr verstellen und sich nun auf andere Dinge konzentrieren wolle.

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Die Frage war: Türkei, China, Italien – oder doch wieder die Bundesliga? Als André Schürrle unter der Woche seinen Vertrag bei Borussia Dortmund auflöste, gingen die meisten Fans und Experten davon aus, dass er seine Karriere fortsetzen wird. Am Freitag überraschte der Weltmeister von 2014 mit einem Statement: "Ich höre auf", teilte er dem Spiegel mit.

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"Die Entscheidung ist lange in mir gereift", sagt er. "Ich brauche keinen Beifall mehr." Schürrle erklärt in dem Bericht des Spiegels, wie er sich schon lange die Frage stellte, ob er im Fußball überhaupt noch richtig aufgehoben sei. Sieben Monate begleitete das Nachrichtenmagazin den Profi, der mit 18 Jahren sein Debüt in der Bundesliga gab und seinen Vereinen während seiner Laufbahn fast 100 Millionen Euro an Transfererlösen in die Kassen spülte.

Schürrle und BVB lösen Vertrag auf

Unter der Woche teilte Borussia Dortmund mit, dass man sich mit Schürrle auf eine "einvernehmliche Aufhebung" des eigentlich noch bis zum 30. Juni 2021 gültigen Vertrages verständigt habe. Die Vertragsauflösung war das Ende einer eher freudlosen Liaison: Schürrle war im Juli 2016 für satte 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg nach Dortmund gekommen, konnte die Erwartungen jedoch nicht erfüllen, wurde zweimal verliehen.

Die Karriere von André Schürrle in Bildern

Gefeierter Bruchweg Boy in Mainz, Weltmeister 2014, Premier-League-Absteiger mit Fulham - der SPORTBUZZER blickt auf die Karriere von André Schürrle. Zur Galerie
Gefeierter "Bruchweg Boy" in Mainz, Weltmeister 2014, Premier-League-Absteiger mit Fulham - der SPORTBUZZER blickt auf die Karriere von André Schürrle. © imago

Für Schürrle war es keine einfache Zeit, wie er nun selbst sagte. Schließlich sei der Fußball ein System, in dem "nur die Leistung auf dem Platz zählt, in dem Verletzlichkeit und Schwäche zu keinem Zeitpunkt existieren dürfen". Über die Jahre seien "die Tiefen immer tiefer und die Höhepunkte immer weniger" geworden, erklärte er dem Spiegel. "Man muss ja immer eine gewisse Rolle spielen, um in dem Business zu überleben, sonst verlierst du deinen Job und bekommst auch keinen neuen mehr."

Schürrle gibt zu: Schon früh Gedanken über Karriereende

Er habe sich schon länger nicht mehr wohlgefühlt als Profi, gab er zu. "Was viel zu kurz kommt, ist, dass man als Spieler gefragt wird, was man braucht, um Leistung zu bringen", sagte er. Zudem habe er sich "sehr lange nur als Fußballer gesehen", nicht als Mensch. Erst seine heutige Frau habe in ihm etwas verändert. Anfang 2017 habe er sich bereits die Frage gestellt, ob er seine Karriere beenden wolle. Damals traute er sich diesen Schritt noch nicht. "Diese gesellschaftliche Erwartungshaltung hat schon gedrückt, dass man bis Mitte dreißig ja eigentlich nicht aufhören kann", erklärte Schürrle.

Seine beste Zeit als Profi erlebte er nach eigener Aussage während der WM 2014. Im Finale gab er die Vorlage zum entscheidenen Tor durch Mario Götze. Danach sei er aber immer wieder in tiefe Löcher gefallen. Beim FC Chelsea kam er immer seltener zum Einsatz, machte sich zu viele Gedanken und war zudem verletzt. "Ich habe mich drei, vier Wochen pushen können, aber dann bin ich in das tiefste Loch gefallen, das es gibt", gestand er nun. "Ich wollte nicht mehr Fußball spielen. Ich war völlig am Ende."