20. Juni 2020 / 09:31 Uhr

Eintracht-Stürmer André Silva mit Traum-Quote nach Corona: Der Mann, den schon Ronaldo adelte

Eintracht-Stürmer André Silva mit Traum-Quote nach Corona: Der Mann, den schon Ronaldo adelte

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Frankfurt-Stürmer André Silva ist der beste Torschütze der Bundesliga seit Ende der Corona-Pause. Der SPORTBUZZER stellt den Portugiesen, der einst von Cristiano Ronaldo geadelt wurde, vor.
Frankfurt-Stürmer André Silva ist der beste Torschütze der Bundesliga seit Ende der Corona-Pause. Der SPORTBUZZER stellt den Portugiesen, der einst von Cristiano Ronaldo geadelt wurde, vor. © imago images/Jan Huebner/ULMER Pressebildagentur
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Mit sieben Toren in acht Spielen ist André Silva der beste Nach-Corona-Torschütze der Bundesliga. Der Portugiese, im Sommer per Leihe zu Eintracht Frankfurt gekommen, startete mäßig am Main – zeigt nun aber, was in ihm steckt. Der SPORTBUZZER blickt näher auf den Mann, dem auch Cristiano Ronaldo Großes zutraut.

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Spätestens seit seinem Doppelpack und Traumtor gegen Hertha BSC (4:1) am vergangenen Samstag ist er in der Bundesliga in aller Munde: André Silva. Der Stürmer von Eintracht Frankfurt war maßgeblich daran beteiligt, dass die Hessen das Spiel in Berlin nach Rückstand noch deutlich gewannen. Besonders das 2:1, eingeleitet durch ein sehenswertes Solo von Daichi Kamada und vollendet von Silva per Hacke, sorgte für Schlagzeilen. Und durch seinen zweiten Treffer gegen Hertha sowie ein weiteres Tor beim 2:1 gegen Schalke 04 am Mittwoch hat der Portugiese seine sehenswerte Nach-Corona-Bilanz noch ausgebaut. Mit sieben Treffern aus acht Spielen führt er diese inoffizielle Rangliste an – vor Top-Stars wie Robert Lewandowski und Kai Havertz (beide sechs).

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Diese Leistungsexplosion des Frankfurter Angreifers, der bis zur Corona-Pause kaum auf sich aufmerksam gemacht hatte, ist eine große Überraschung. Es war der letzte Deal von Fredi Bobic im vergangenen Sommer: Der Sportvorstand der SGE hatte den abwanderungswilligen Ante Rebic als letzten verbliebenen Spieler der Büffelherde am letzten Tag des Transferfensters an den AC Mailand abgegeben. Während Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) für insgesamt rund 100 Millionen Euro verkauft wurden, ging der Kroate per Leihe nach Italien – und im Tausch dafür kam der hierzulande eher unbekannte Silva an den Main.

Zweifler beäugten den Deal durchaus kritisch – dabei stehen beim portugiesischen Nationalspieler schon einige namhafte Klubs in der Vita. Er schaffte beim FC Porto den Sprung aus der Jugend zu den Profis, wo er im Jahr 2016 sogar als Portugals Spieler des Jahres ausgezeichnet wurde. In der Saison 2016/17 spielte er in der Champions League groß auf, erzielte in sechs Gruppenspielen vier Tore – und ging im Sommer 2017 für die beachtliche Ablöse von 38 Millionen Euro zum AC Mailand.

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Seinerzeit erhielt Silva das wohl größte Lob, das es für einen jungen Stürmer geben kann – es kam von Cristiano Ronaldo höchstpersönlich. "Wenn ich zurücktrete, wird Portugal in guten Händen sein, denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: André Silva", sagte der Weltstar. Doch womöglich schlug der Druck dem heute 24-Jährigen etwas auf die Beine – seine Laufbahn bekam bei Milan eine Delle. Zwar begann er stark, erzielte in der Qualifikation zur Europa League 2017/18 zwei Tore, im ersten Gruppenspiel gegen Austria Wien gelang ihm sogar ein Hattrick. In der Gruppenphase traf Silva insgesamt sechsmal – doch in der Liga hatte der Angreifer eine Ladehemmung, schoss in der gesamten Saison nur zwei Treffer.

Blitz-Start, dann Leistungsabfall in Sevilla

Im Sommer 2018 zog es ihn dann per Leihe zum FC Sevilla. Dort wiederholten sich die Ereignisse: ein Hattrick zum Liga-Auftakt der Saison 2018/19 in Spanien gegen Rayo Vallecano, insgesamt sieben Treffer in den ersten sieben Spielen – darunter ein Doppelpack binnen vier Minuten beim überraschenden 3:0 gegen Real Madrid. Doch im weiteren Saisonverlauf kamen nur zwei weitere Tore hinzu. Nach dem Leistungsabfall sah Sevilla letztlich von einer festen Verpflichtung ab.

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Beim AC Mailand war man ebenfalls nicht mehr überzeugt davon, dass Silva den Kader verstärkt – und so ergab sich der Leih-Tausch mit Rebic, der über zwei Jahre und damit bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 läuft. Doch während der technisch begabte und abschlussstarke, aber wenig sprintstarke Portugiese sonst als Schnellstarter bei seinen neuen Klubs überzeugte, mussten in Frankfurt viele Monate und eine Zwangspause kommen, ehe er voll einschlug. "André Silva hat in den letzten Wochen einfach unglaublich viel an sich gearbeitet. Er hat das Momentum für sich, dass er an den richtigen Momenten an der richtigen Stelle steht", sagte sein Trainer Adi Hütter zuletzt.

Weil Landsmann Goncalo Paciencia mit einer Verletzung aus der Corona-Pause kam, wurde für Silva der Platz in der Sturmspitze frei – und er schwebt seither auf Wolke sieben. In der Hinrunde hatte der Goalgetter noch mit einer Blessur zu kämpfen, die er sich bei der Nationalmannschaft zugezogen hatte. Für die hat er seit Herbst 2016 bereits 34 Partien bestritten und immerhin 15-mal getroffen. Hütter: "Er hatte einfach auch ein Tief. Das gehört alles dazu. Entscheidend ist, wie jemand zurückkommt." Und Silva zeigt sein Können derzeit eindrucksvoll.

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Ob die als Ronaldo-Nachfolger betitelte Frankfurter Leihgabe auch über den Sommer 2021 hinaus bei der Eintracht spielt, ist schwer abzusehen. Gerade der durch die Krise erlahmte Transfermarkt wird den Preis für Silva wohl senken – doch unter 20 Millionen Euro dürfte er nicht zu bekommen sein. Außerdem hat laut Bild ein Bundesligist, der im kommenden Jahr in der Champions League spielt, ein Auge auf ihn geworfen. Überhaupt: Nur ein fixer Tausch mit Rebic, der in Mailand vor der Corona-Pause richtig aufdrehte, scheint für die Eintracht stemmbar. Im Saison-Endspurt hat Silva seinen Wert allerdings deutlich unter Beweis gestellt. SGE-Coach Hütter erklärte: "Wie weit es bei ihm noch gehen kann, ist schwer zu sagen. Aber wenn er so spielt, sind wir alle sehr, sehr glücklich."