20. Juni 2021 / 11:59 Uhr

André Wendt: Comeback auf der Hühnerfarm

André Wendt: Comeback auf der Hühnerfarm

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Zurück im Tor: André Wendt hat beim VfB Trebbin den Kampf um den Platz zwischen den Pfosten aufgenommen.
Zurück im Tor: André Wendt hat beim VfB Trebbin den Kampf um den Platz zwischen den Pfosten aufgenommen. © Foto: Julius Frick
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Landesliga: Schlussmann kehrt nach einer langen Pause beim VfB Trebbin ins Tor zurück.

Als die Gespräche liefen, hatte es André Wendt in den Fingern gejuckt, was für einen Torhüter nicht schlechteste Voraussetzung für ein Comeback ist. „Ich habe bei den Treffen gemerkt, dass ich richtig Lust habe, noch mal anzugreifen nach zweieinhalb Jahren Pause“, sagt der 30-Jährige, der vor Kurzem in den Kader des VfB Trebbin, seines Heimatvereins, zurückgekehrt ist. Wendt hatte früher unter anderem für den Ludwigsfelder FC und den FSV Luckenwalde in der Oberliga zwischen den Pfosten gestanden. Beim Fußball-Landesligisten aus der Clauertstadt wird er auf die Konkurrenten Kilian Boy und Pascal Walther treffen. Eine nicht ganz alltägliche Fußnote der Geschichte: Der 19 Jahre alt Boy absolviert derzeit in Wendts Autofirma, die in einer ehemaligen Hühnerfarm angesiedelt ist, zur beruflichen Orientierung ein Praktikum. Demnächst will er eine Ausbildung zum Automobilkaufmann beginnen. Unabhängig davon gibt es einige Parallelen zwischen den beiden Trebbiner Keepern.

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Beide genossen eine exzellente Ausbildung bei guten Fußballadressen der Region Berlin-Brandenburg – Wendt an der Sportschule in Cottbus und dann beim 1. FC Union, Boy beim SV Babelsberg 03. Beide pausierten aus persönlichen oder beruflichen Gründen. Wendt, weil er sich mit seiner Firma selbstständig gemacht hatte, Boy, um ein halbes Jahr lang Abstand zu gewinnen. Boy hatte seine sportliche Karriere beim MSV Zossen gestartet, nach dem Umzug seiner Eltern nach Potsdam setzte er seine Laufbahn bei den Kickers 94 in der Landeshauptstadt fort. 2015 wechselte er zum SV Babelsberg, sammelte Erfahrungen in der Nachwuchsregionalliga und spielte in der Landesauswahl, 2019 folgte der Schritt zum damals von Volker Löbenberg trainierten LFC. Im vergangenen Sommer unterschrieb er beim VfB Trebbin, wo er mit Toni Erne und Pascal Walther (26, seit 2010 mit einem Jahr Unterbrechung im Verein) das Trio für die letzte Verteidigungslinie bildete. Erne, früher auch lange Zeit beim Ludwigsfelder FC aktiv, hat aber eine Babypause eingelegt, nachdem er zum zweiten Mal Vater geworden ist.

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Das Karussell begann sich zu drehen und setzte Gespräche und das Comeback auf der Hühnerfarm in Gang. „Nachdem Toni Erne eine Pause eingelegt hat, gab es externe Gespräche“, berichtet Volker Löbenberg, „während dieser Zeit haben Kevin Banicke und Nils Schröder mit André Wendt gesprochen und er hat nach seiner Pause wieder Interesse bekundet. Es gab ein konstruktives Gespräch und wir haben uns dann geeinigt.“ Mit jetzt drei Torhütern hoffe man auf einen „gesunden Konkurrenzkampf“, meint Volker Löbenberg. „André hatte durch seine Firma in der Vergangenheit wenig Zeit, die Situation hat sich aber geändert und er kann regelmäßig trainieren“, sagt der Coach.

2018 hatte sich Wendt, der beim VfB mit dem Fußballspielen begonnen hatte, als Firmengründer selbstständig gemacht und sich auf den beruflichen Weg fokussiert. „Es blieb mir auch gar nichts anderes übrig“, sagt der gebürtige Ludwigsfelder, „das war ein heftiges Programm, es blieb gar keine Zeit für Fußball. Da man das gesamte Risiko selbst trägt, kam Aufgeben nicht in Frage. Aus dem Fußball habe ich mitgenommen, dran zu bleiben und so lange weiter zu machen, bis man erreicht hat, was man sich vornimmt.“

Karrierestationen waren der Ludwigsfelder FC und Union Berlin

Inzwischen hat sich das berufliche Pensum entspannt, Wendt kann auf dem Fußballplatz wieder die Handschuhe überstreifen, so wie er das seit seiner Kindheit getan hat: Von Trebbin war er nach Luckenwalde gewechselt, dann zur Kaderschmiede in der Lausitz, wo er in die Landesauswahl berufen wurde, anschließend folgte ein Engagement bei den „Eisernen“ in Köpenick. Der Sprung in den Profibereich gelang jedoch nicht. „Ich verlor nach anfänglich starken Monaten den Fokus zum Sport. Andere Sachen waren dann im Alter von 16 bis 17 Jahren wichtiger“, räumt Wendt rückblickend selbstkritisch ein. Immerhin: Für den Ludwigsfelder FC (2009 bis 2011, acht Partien) und den FSV 63 (2013/14, drei) stand er elfmal in der NOFV Oberliga Nord auf dem Feld. 2014 kehrte er nach seiner sportlichen Rundreise zum Verein für Ballspiele nach Trebbin zurück.

Auch Kilian Boy will die Nummer eins beim VfB werden.
Auch Kilian Boy will die Nummer eins beim VfB werden. © privat

Boy hat ehrgeizige Ziele: Er will nicht nur die Nummer eins werden beim VfB, sondern in den kommenden Jahren in Sphären vordringen, die oberhalb der Landesliga liegen. „Ich würde mich gerne Richtung Oberliga orientieren“, sagt er, „in diesem Bereich würde ich gerne irgendwann spielen.“ Wendt bescheinigt seinem Konkurrenten eine Menge Potenzial: „Ich denke, dass Kilian ein Riesentalent hat und er mit der richtigen Programmierung auch mehr Erfolg haben wird, als ich es hatte. Dafür bekommt er auch jeden Tag auf Arbeit den nötigen Input. Wenn Kilian dran bleibt und jeden Tag dazu lernt, dann wird sich auch zwangsläufig der Erfolg einstellen. Erste Früchte sieht man bereits schon.“