20. Dezember 2020 / 11:38 Uhr

Andreas Möller blieb der große Wurf verwehrt

Andreas Möller blieb der große Wurf verwehrt

Michael Felke
Kieler Nachrichten
In der Saison 1984/85 wurde der VfB Kiel mit dieser Mannschaft Vizemeister der Landesliga Nord. Hinten v. l.: Ligaobmann Harri Bock, Jürgen Sievers, Holger Geschonke, Gerd Sonnenberg, Dieter Bollow, Thorsten Gutzeit, Andreas Möller, Trainer Hartmut Appel - vorne v. l.: Peter Lietz, Jens-Peter Modi, Michael Gutzeit, Thorsten Trippler, Bernd Brexendorf, Frank Linde und Jens Friske.
In der Saison 1984/85 wurde der VfB Kiel mit dieser Mannschaft Vizemeister der Landesliga Nord. Hinten v. l.: Ligaobmann Harri Bock, Jürgen Sievers, Holger Geschonke, Gerd Sonnenberg, Dieter Bollow, Thorsten Gutzeit, Andreas Möller, Trainer Hartmut Appel - vorne v. l.: Peter Lietz, Jens-Peter Modi, Michael Gutzeit, Thorsten Trippler, Bernd Brexendorf, Frank Linde und Jens Friske. © Volker Rebehn
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Der Sportbuzzer blickt zurück auf die Karrieren regionaler Fußballgrößen. Heute richtet sich unser Fokus auf Andreas Möller, Trainer des Verbandsligisten Preetzer TSV.

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Tolle Erfolge und bittere Niederlagen. Seine Karriere beinhaltete viele Höhen und einige Tiefen. Der große Wurf blieb ihm jedoch verwehrt: Der Sprung in die 2. Bundesliga. Die größte Chance, mit den Profis zu kicken, hatte Andreas Möller in der Saison 1992/1993. Am letzten Spieltag wurde die sicher geglaubte Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur zweiten Liga aus der Hand gegeben. Nicht nur eine Enttäuschung, sondern der absolute Tiefpunkt, der zu allem Überfluss noch von gruseligen Momenten begleitet wurde.

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Mit einer Enttäuschung begann auch die Karriere des heute 54-jährigen. Als siebenjähriger Steppke hatte „Andi“, wie ihn seine Freunde nennen, nur einen Wunsch: Im Verein Fußball spielen. „Ich wollte mich beim SC Comet anmelden. Doch es hieß, die hätten zu viele Jungs. Wenn überhaupt könne ich vielleicht auf der Bank sitzen. Aber das würde keinen Sinn machen. Das war kein schönes Gefühl, zumal ich nicht einmal zeigen durfte, was ich drauf hatte. Beim SV Ellerbek bin ich dann aber untergekommen. Und gleich im ersten Spiel spielten wir gegen Comet. Da haben wir 4:2 gewonnen, und ich habe sogar zwei Tore gemacht“, schildert Möller augenzwinkernd.

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Ab der C-Jugend trug der Mittelfeldspieler dann die Farben des VfB Kiel und gewann mit der A-Jugend den SHFV-Pokal, ehe im Pokal des Norddeutschen Fußballverbandes im Finale gegen Werder Bremen (1:3, 2:1) die Endstation erreicht war. Nur ein Jahr später startete Andreas Möller dann bei den Herren voll durch. Mit zehn Punkten Vorsprung wurden die Kicker von der Waldwiese 1986 Landesligameister und stiegen in die damalige Verbandsliga, die höchste Klasse in Schleswig-Holstein, auf. Mit an Bord waren neben dem damals 20-jährigen Möller auch Spieltrainer Bernd „Brexe“ Brexendorf, „Jenner“ Friske, Dieter Bollow und auch der spätere Holstein-Trainer Thorsten Gutzeit. Zwei Mal klopften die Kieler sogar an die Tür zur Amateur-Oberliga. Doch in den beiden Aufstiegsrunden 1989 (zweiter Platz von vier Teams) und 1991 (Vierter) reichte es jeweils nicht.

Auch eine Klasse höher spielte Andreas Möller um den Aufstieg mit. Nachdem er 1991 zusammen mit Jenner Friske zur KSV Holstein gewechselt war, hatten die Störche in der Saison 1992/1993 die Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga vor Augen. Doch bevor sich die Fans auf Kickers Offenbach, SSV Ulm und 1860 München freuen konnten, musste Holstein am letzten Spieltag noch unbedingt beim vom Abstieg bedrohten SV Lurup gewinnen. „1500 Kieler Fans waren mitgereist. Der Erwartungsdruck war enorm. Es war beinahe so, als wenn wir mit einem Rucksack herumgelaufen sind“, erinnert sich Möller, der mit seiner Mannschaft schnell mit 0:3 zurücklag. Holstein konnte zwar auf 2:3 verkürzen. Doch mehr sprang nicht heraus. Die KSV fiel auf Platz fünf zurück. Norderstedt wurde Zweiter und rückte statt Holstein in die Aufstiegsrunde. „Die Enttäuschung und der Frust saßen tief. Da liefen beim einen oder anderen schon die Tränen“, schildert der Mittelfeldspieler. Die Mannschaft um Frank „Willi“ Wüllner, Frank Wolf und Andre Bistram, die 33 Spiele eine „tolle Saison gespielt hatte“, brachte sich mit dem einmaligen Blackout um den verdienten Lohn. Gruselig wurde es dann sogar, als die anfängliche Euphorie der Fans bei einigen in wüste Beschimpfungen umschlug und schließlich darin mündete, dass der Mannschaftsbus in Kiel von der Polizei abgeschirmt werden musste und Trainer Brexendorf massiv bedroht wurde. „Kein schönes Spiel mit einem üblen Ausgang. In doppelter Hinsicht. So etwas vergisst man nicht. Aber es bleiben auch viele schöne Dinge haften“, erklärt Möller, der heute den Preetzer TSV trainiert und den Aufstieg in die Landesliga anstrebt.

Beinahe romantisch erinnert sich der Betriebswirt, der auch als Talent-Scout für Bayer 04 Leverkusen im Einsatz ist, an die Platzverhältnisse beim VfB Kiel in den 90er Jahren. „Wir haben damals auf dem Sandplatz oberhalb des Stadions trainiert. Damit wir eine einigermaßen ebene Fläche hatten, mussten wir den Platz vor jedem Training glatt ziehen. Dazu stand ein Trecker bereit, der aber nie ansprang. Den mussten wir dann mit der gesamten Mannschaft auf eine kleine Anhöhe schieben, während unser Torwart Thorsten Trippler am Steuer saß. Und dann mit Schwung runter. Es passierte schon mal, dass wir den Trecker trotz aller Anstrengungen nicht zum Laufen brachten. Dann sprang „Brexe“ mit seinem Passat ein. Der hatte nämlich eine Anhängerkupplung“, erinnert sich Andreas Möller auch mit ein wenig Wehmut. Trotz bescheidener Verhältnisse waren diese Erlebnisse prägend für jeden einzelnen Spieler und förderten das im Mannschaftssport so wichtige „Wir-Gefühl“, ohne das ein Team nur selten erfolgreich sein kann. Und eine erfolgreiche Karriere, die hatte Andreas Möller, auch wenn ihm der große Wurf verwehrt blieb.

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