25. Januar 2020 / 08:03 Uhr

Abfahrer Andreas Sander über das legendäre Hahnenkammrennen in Kitzbühel: "Wie eine kleine WM"

Abfahrer Andreas Sander über das legendäre Hahnenkammrennen in Kitzbühel: "Wie eine kleine WM"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Andreas Sander war im Training der beste Deutsche auf der legendären Streif in Kitzbühel.
Andreas Sander war im Training der beste Deutsche auf der legendären Streif in Kitzbühel. © imago images/Eibner Europa
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Das Hahnenkammrennen wird in diesem Jahr zum 80. Mal ausgetragen. Einer, der die Strecke inzwischen gut kennt, ist der deutsche Abfahrer Andreas Sander. Im Interview spricht er über den Mythos Kitzbühel und seinen Teamkollegen Thomas Dreßen.

Der deutsche Abfahrer Andreas Sander kam in dieser Saison in den Abfahrten noch nicht so richtig klar. In Kitzbühel soll sich das für den Ennepetaler ändern. In den Trainings war er zwei Mal der beste Deutsche, auch beim Super-G am Freitag war er als Achter bester DSV-Starter. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über den Mythos Hahnenkammrennen, den deutschen Star Thomas Dreßen und die Favoriten auf der Streif.

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SPORTBUZZER: Andreas Sander, in beiden Abfahrtstrainings waren Sie der schnellste Deutsche und waren beide Male vorn dabei. Macht Sie das zu einem Mitfavoriten für das Hahnenkammrennen am Samstag?

Andreas Sander (30): Nein, überhaupt nicht. Die Trainings darf ich nicht überbewerten, weil jeder noch einmal etwas probiert – ich auch. Meine Startzeit am Samstag wird sich durch die veränderten Startintervalle und die TV-Pausen auch nach hinten verschieben, dadurch wird es auf der Strecke dunkler für mich, wenn ich mit der Nummer 33 starte. Der 26. Platz ist in der bisherigen Abfahrtssaison mein bestes Ergebnis – hier peile ich die Top 15 an. Wenn ich einen Traumlauf erwische, kann viel passieren. Wichtig ist für mich, die Leistung im Rennen auch umzusetzen.

Warum hat das in der bisherigen Saison nicht geklappt – hier aber?

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Ich habe mich hier sofort pudelwohl gefühlt. Ich habe auch in den vergangenen Wochen gut trainiert, konnte in den Rennen aber keinen Zahn mehr zulegen. Ich bin guter Dinge, dass das hier in Kitzbühel sich ändert. Hier muss ich angreifen, hier muss ich Herr der Lage sein. Das ist mir in den vergangenen Jahren ganz gut gelungen und ich hoffe, dass es wieder so sein wird.

Sander und Dreßen erklären: Das sind die Schlüsselstellen des Hahnenkammrennens

Andreas Sander und Thomas Dreßen analysieren die schwerste Abfahrt der Saison auf der Streif Zur Galerie
Andreas Sander und Thomas Dreßen analysieren die schwerste Abfahrt der Saison auf der Streif ©

Kitzbühel gilt als spektakulärstes Rennen der Saison. Was macht die Streif aus?

Du musst von der ersten Sekunde an voll da sein. Wir beschleunigen innerhalb von ein paar Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde, nach sieben Sekunden kommt die Mausefalle. Die schmeißt einen ab, wenn man nicht aufpasst. Die ersten Fahrsekunden sind extrem fordernd, wie nirgendwo anders. Dadurch sind am Start alle etwas ruhiger, drumherum ist allerdings mehr los. Der Mythos Kitzbühel ist legendär und den muss man aufnehmen. Kitzbühel ist für uns wie eine kleine WM. Die Strecke ist sehr anspruchsvoll.

Welche ist die Schlüsselstelle?

Auf jeden Fall die Ausfahrt des Steilhangs. Von oben weg ist es eine Konzentrationsfrage, dann muss man aus dem Steilhang die Geschwindigkeit für das flache Stück mitnehmen. Die vermeintlich leichten Kurven darf niemand unterschätzen, weil man dort viel Zeit verlieren kann. Ab dem Hausberg wird es unten noch einmal richtig schwierig. Aus der Traverse muss man richtig Schwung mitnehmen für den Steilhang.

Haben Sie noch Angst vor manchen Stellen – speziell vor der Mausefalle?


Ordentlicher Respekt ist definitiv da, weil man dort gut hinkommen muss. Der Sprung geht weit, es ist steil. Man darf es nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber Angst ist nicht da.

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Die Wintersport-Saison 2019/20 ist in vollem Gange. Der SPORTBUZZER präsentiert die Gesichter des deutschen Wintersports in der Galerie. ©

Ist der erfahrene Abfahrer speziell auf der Streif bevorteilt?

Das heißt es immer, aber Thomas Dreßen hat in seinem zweiten Jahr hier in Kitzbühel vor zwei Jahren direkt gewonnen. Ich bin jetzt 22-mal in meiner Karriere hier heruntergefahren. Solche Strecken wie die Streif kann man nirgendwo trainieren. Das macht es hier so speziell. Je mehr Erfahrung man hier hat, desto besser steckt man Fehler weg, desto cooler fährt man die Streif herunter, man lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen.

"Thomas Dreßen ist etwas Besonderes"

Wie ist dann der Sieg von Thomas Dreßen vor zwei Jahren zu erklären?

Er fährt extrem gut Ski, das wusste man vorher. Er ist eine coole Socke und kann im Rennen so viel zulegen, wie kein anderer. Ihm ist egal, was am Tag vorher war. Er kann schlechte Trainings einfach wegstecken und gibt im Rennen Vollgas. Diese Eigenschaft haben nur wenige Abfahrer. Er fährt extrem sauber, kommt daher mit den technischen Teilen einer Abfahrt sehr gut klar, er hat Gewicht. Er bringt alles mit für einen guten Abfahrer. Es ist sicherlich schwieriger,das in der Abfahrt immer herunterzubringen. Aber er ist für den Abfahrtssport etwas Besonderes.

Der große Favorit Dominik Paris hat sich das Kreuzband im Training gerissen. Ist das Feld dadurch enger?

Beat Feuz ist für mich nun der absolute Topfavorit. Er und Paris liegen sehr eng beieinander. Aber Kitzbühel ist speziell. Es ist oft jemand vorn dabei, den man nicht erwartet hätte. Johann Clarey hatte zwei starke Trainings, Matthias Meyer ist stark unterwegs. Feuz will aber unbedingt hier gewinnen. Die Frage ist, ob ihn das hemmt oder beflügelt.

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