20. März 2020 / 20:18 Uhr

Verschiebt Olympia: Andreas Toba äußert sich mit klaren Worten

Verschiebt Olympia: Andreas Toba äußert sich mit klaren Worten

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Andreas Toba fordert Klarheit wegen Olympia.
Andreas Toba fordert Klarheit wegen Olympia. © Amy Sanderson
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Es sollte sein Olympia werden. Der "Held von Rio de Janeiro" Andreas Toba hat geschuftet, wie die anderen Sportler auch - für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Nach der Ausbreitung des Coronavirus weiß niemand, ob sie stattfinden werden. Nun meldet sich Deutschlands Turnhoffnung in den sozialen Medien zu Wort - mit einer ganz klaren Botschaft.

Ausnahmesituation erfordern Ausnahmeentscheidungen – Andreas Toba, Deutschlands bester Turner und größte Olympiahoffnung, fordert angesichts der Corona-Krise endlich Klarheit. „Ist aktuell der richtige Zeitpunkt, an Olympische Spiele zu denken, wenn Menschen überall auf der Welt um ihr Leben kämpfen?“, fragt der 29-Jährige. Seine Botschaft: Verschiebt die Olympischen Spiele!

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Es sind eindringliche Worte des Turnstars aus Hannover. Wohl kaum ein anderer Sportler schuftete in den vergangenen vier Jahren so hart für Tokio 2020. Andreas Toba ging in Brasilien in die olympische Geschichte als „Hero de Janeiro“ ein. Nach nur wenigen Sekunden im Wettkampf riss ihm das Kreuzband, er brachte seine Übungen dennoch mit Tränen in den Augen zu Ende und verhalf der Mannschaft ins Mehrkampffinale.

In Tokio nun sollte alles anders werden. Besser. Aus seiner schweren Verletzung zog Toba Tag für Tag Motivation, sich im Training zu quälen, seinen Alltag dem großen Ziel unterzuordnen. Fast vier Jahre lang. Bis zu dem Moment, als das Corona-Virus begann, die Menschen überall auf der Welt vor historische Herausforderungen zu stellen.

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Handball trifft Turnen: Bilder vom gemeinsamen Training von Recke Vincent Büchner und Andreas Toba

Gemeinsames Training von Recke Vincent Büchner und Andreas Toba Zur Galerie
Gemeinsames Training von Recke Vincent Büchner und Andreas Toba ©

„Die Werte des Sports wie Fairness, Teamgeist und Respekt können wir in der aktuellen Krise nicht aufrechterhalten. Zu groß sind die internationalen Unterschiede, was die Trainingsmöglichkeiten anbelangt“, sagt Toba. Er selbst darf zweimal täglich in den Olympiastützpunkt, unter strengen Auflagen. Maximal drei Turner sind gleichzeitig in der Halle, die Sportler müssen sich aus dem Weg gehen. Wie lange das geht? Unklar. Für Topathleten wie Toba ein unhaltbarer Zustand zwischen der weiteren Verschärfung der Corona-Pandemie und den beharrlichen Reaktionen des Internationalen Olympische Komitees.

Ein Spiel mit der Zeit

IOC-Präsident Thomas Bach wehrt sich weiter vehement gegen jegliche Art von Spekulationen zu einer Verlegung. Der „New York Times“ sagte er: „Natürlich bedenken wir verschiedene Szenarien, aber im Gegensatz zu vielen anderen Sportverbänden oder Profiligen“ sei der IOC noch viereinhalb Monate entfernt von den Spielen. Der 66-jährige Präsident spielt auf Zeit. Zeit, die Toba und auch die Athleten rund um den Globus nicht hätten. „Liebes IOC, bitte erlöst die weltweite Sportgemeinschaft vom Druck, alles für den Traum zu geben, auch wenn es in der aktuellen Situation unmöglich ist. Verschiebt die Spiele bis zu einem (Termin), an dem die Olympischen Werte wieder ausnahmslos gelebt werden können“, schreibt Toba bei Instagram. Sein Post wird von zahlreichen Spitzenathleten geteilt.

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Warten auf Informationen

Unter anderem auch von Hannovers Top-Judoka Igor Wandtke. Der 29-Jährige weiß ebenfalls nicht, wie es weitergeht. Kurzfristig wurden deutsche Judokas aus dem Trainingslager auf Lanzarote gestern nach Hause geflogen. Ursprünglich war geplant, die Elitekämpfer von der Außenwelt abgeschottet in Kienbaum trainieren zu lassen. Für alle möglichen Corona-Szenarien wurden Pläne entwickelt. Das war Wandtkes Kenntnisstand vor dem Abflug von den Kanaren. Nach der Landung in Düsseldorf war alles hinfällig. Kienbaum wurde gecancelt. Der Judoka wartet nun in Hannover auf weitere Informationen.

"Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet."

Tobas Meinung zu einer Olympiaverschiebung teilt Wandtke vollumfänglich. Und doch hat er – wie die anderen Olympioniken – keine Wahl. „Ich werde so lange trainieren, bis das IOC etwas anderes sagt“, erklärt der gebürtige Lübecker. „Ich habe mein ganzes Leben darauf hingearbeitet.“ Hinter ihm liegen intensive Vorbereitungswochen. Tag für Tag ändert sich die Ausgangslage.

Er weiß: Eine Verschiebung der Olympischen Spiele erscheint aus vielerlei Hinsicht schwierig. Und doch muss er sich vorerst weiter auf den Sport konzentrieren. „Am liebsten wäre es mir, wenn ich mit meinen Liebsten diese Krise gemeinsam aussitzen könnte“, sagt Wandtke. Kann er aber nicht.

Es geht um die Gemeinschaft

Ebenso wie Andreas Toba. Das Wohlergehen der Gemeinschaft, sagt der Turner, stehe doch über allem. Es gehe nicht um Einzelschicksale, es gehe um das große Ganze. „Wieso lässt sich eine Europameisterschaft im Fußball verschieben, aber nicht die Olympische Spielen?“ Er habe es sich sehr lange und reiflich überlegt, ob er mit dieser Meinung nach außen trete. Er fürchtete die Reaktionen. Nun erfährt er breite Unterstützung. Seine Botschaft: „Wir sind eine starke Gemeinschaft, respektieren wir die Ratschläge der Experten, bleiben wir zu Hause und freuen wir uns auf eine gesunde und erfolgreiche Zukunft.“ Ohne Olympische Spiele im Juli 2020. Ausnahmesituationen erfordern eben Ausnahmeentscheidungen.