26. Juli 2021 / 19:44 Uhr

Toba und Dauser erklären: Deshalb blieb den deutschen Turnern im Finale nur eine Nebenrolle

Toba und Dauser erklären: Deshalb blieb den deutschen Turnern im Finale nur eine Nebenrolle

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Andreas Toba und seine Mannschaftskollegen gaben alles - am Ende reichte es für die deutschen Turner aber nur für Rang 8.
Andreas Toba und seine Mannschaftskollegen gaben alles - am Ende reichte es für die deutschen Turner aber nur für Rang 8. © Getty
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Während die Athleten aus Russland, Japan und China die Medaillen unter sich ausmachten, verpassten Deutschlands Turner Edelmetall im Mehrkampf als Gesamt-Achte letztlich klar. Bei Andreas Toba, Lukas Dauser & Co. überwiegt die Freude über die Endkampf-Teilnahme.

Deutschlands Turner hatten ihre letzten Übungen am Pauschenpferd beendet, schauten ans andere Ende des Ariake Gymnastics Center. Dahin, wo an Reck und Boden die Entscheidung im Mannschaftsmehrkampf fallen würde. Begleitet von Jubelschreien seiner Gefährten hatte Daiki Hashimoto mit einer Klasseflugshow und 15,100 Punkten für Japan vorgelegt. Doch würde das reichen, um die vor dem letzten Gerät führende russische Mannschaft, die als Team des Russischen Olympischen Komitees (ROC) startet, noch abzufangen?

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Welt- und Europameister Nikita Nagornyy hatte am Boden alles rausgehauen. Mit einer Weltklasseübung. Nach langem Warten leuchteten dann die Punkte für den Russen auf: 14,666 – die beste Bodenübung des Abends. Das russische Team holte mit hauchdünnem Vorsprung Olympiagold. Das hatte es zuletzt 1996 in Atlanta gegeben. In diesem Jahrhundert war es bisher zumeist eine Auseinandersetzung unter Asiaten: China oder Japan. Vor fünf Jahren hatten die Japaner gewonnen. Diesmal blieb ihnen Silber – und für China Bronze.

Die Deutschen konnten nicht an die starke Quali anknüpfen

Und die Deutschen? Lukas Dauser (Unterhaching), Andreas Toba (Hannover), Nils Dunkel (Erfurt) und Philipp Herder (Berlin) konnten nicht an den starken Auftritt in der Qualifikation anknüpfen und landeten auf Platz acht. Toba wollte das nicht als Misserfolg werten: "Dass wir es überhaupt ins Mannschaftsfinale geschafft haben, das war schon ein Erfolg. Das hatte uns niemand zugetraut. Wenn wir das vor den Spielen gesagt hätten, hätten uns die meisten ausgelacht.“ Dass es im Teamfinale schwierig werden würde, vorn mitzuhalten, sei klar gewesen. "Wir haben aber bis zum Schluss gefightet. Ja, es sind Fehler passiert. Wir haben im Finale nicht unsere beste Leistung gezeigt, aber ich bin in jedem Fall stolz, wir haben uns gut geschlagen.“

Die deutschen Geräteartisten begannen an den Ringen durchwachsen. Das setzte sich am Barren und am Reck fort. Dann patzte Nils Dunkel am Barren. "Wir haben gut angefangen, das war als Team in Ordnung", sagte Dauser. Schließlich folgte der Boden. Vor fünf Jahren in Rio de Janeiro hatte sich Toba das Kreuzband gerissen, bekam damals den Titel "Hero de Janeiro“, weil er mit Verletzung am Pferd noch Punkte eingesammelt hatte. Diesmal blieb er unverletzt, landete jedoch wie Herder und Dauser auf dem Hosenboden. "Das war irgendwie der Hammer. Da hat es uns eiskalt erwischt", sagte Dauser. Ein Grund: die zu kurze Regeneration. "Die anderen hatten deutlich mehr Zeit. Die Belastung ist extrem hoch."

"Nach der Quali ist die Anspannung abgefallen"

Weitaus gravierender: Der Kopf turnte diesmal nicht mit. Denn für die deutsche Riege war der eigentliche Hauptwettkampf die Qualifikation. "Wir sind mit dem klaren Ziel reingegangen, in der Quali unseren besten Wettkampf zu zeigen. Das haben wir auch“, sagte Toba. Dauser ergänzte: "Nach der Quali ist die Anspannung abgefallen. Dann merkst du, was dir wehtut. Dann musst du am nächsten Tag schon wieder fit sein. Das ist uns zum Verhängnis geworden.“ Nichtsdestotrotz sei er zufrieden und nicht enttäuscht: "Darauf können wir aufbauen.“

Für den Unterhachinger und für Herder ging es aus der Arena direkt in die Eistonne im deutschen Quartier des Olympischen Dorfes. Denn während für Toba und Dunkel die Spiele in Tokio beendet sind und der Rückflug ansteht, ist das Duo am Mittwoch wieder gefordert – im Einzelfinale des Mehrkampfs: Dauser als 16. und Herder als 21. des Vorkampfs. Schließlich fiebert der EM-Dritte Dauser dem Sonntagfinale an seinem Spezialgerät Barren entgegen. Das Wort Medaille nimmt er nicht in den Mund. "Ich will meine beste Übung zeigen", sagt er dazu. Und dafür wird er morgens mit beiden Beinen gleichzeitig aufstehen. Das macht er immer so an Wettkampftagen. Es ist sein morgendliches Ritual, damit er nicht mit dem falschen Bein aufsteht.