18. Juni 2018 / 20:16 Uhr

"Anfängerglück" beim Bogenschießen: Christian Purbs zu Gast beim BSV Helstorf 

"Anfängerglück" beim Bogenschießen: Christian Purbs zu Gast beim BSV Helstorf 

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Stolz wie ein Indianer: Sportbuzzer-Redakteur Christian Purbs zeigt seine Zielgenauigkeit.
Stolz wie ein Indianer: Sportbuzzer-Redakteur Christian Purbs zeigt seine Zielgenauigkeit. © Picasa
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Wie geht eine Eskimorolle? Was passiert beim Korbball? Für die Lokalsport-Serie Anfängerglück haben wir’s ausprobiert – heute beim Bogensport auf der Anlage des BSV Helstorf. 

Auch für Arian Alexander Ryll ist es das erste Mal. Der Achtjährige steht auf der Anlage der Bogenschützen des BSV Helstorf mit Pfeil und Bogen neben mir und visiert die große Zielscheibe an, die zehn Meter entfernt aufgestellt ist. Ein Pfeil nach dem anderen landet in den goldenen und roten Kreisen. Ich frage nach, ob er auch wirklich Anfänger ist. Er nickt – und erhöht damit den Druck. „Ist doch ganz leicht.“

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Ist es nicht. Jedenfalls nicht für mich. Meine ersten Pfeile hier auf der Anlage hinter dem Schützenhaus in Helstorf sind vielmehr eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Grashüpfer und Käfer, meine zwei Treffer in den äußersten Kreis eine eher magere Ausbeute. Als Arian Alexander und ich unsere Pfeile einsammeln, er von der Scheibe, ich vom Boden, meine ich ein Grinsen im Gesicht des kleinen Schützen erkannt zu haben.

Anfängerglück beim Bogenschießen: Christian Purbs zu Gast beim BSV Helstorf (1)

Sicherheit wird großgeschrieben

Das hatte ich mir einfacher vorgestellt, schließlich habe ich in meiner Kindheit als Indianer mit Pfeil und Bogen so manches Bleichgesicht in die Flucht geschlagen. Und ich bin von Harald Kruse bestens auf meine ersten Versuche vorbereitet worden. Denn bevor ich meinen ersten Pfeil abschießen darf, gibt‘s vom 49-jährigen Spartenleiter eine theoretische Einführung, intensive Übungen mit dem Theraband sowie immer wieder Hinweise in Sachen Sicherheit. Denn die wird großgeschrieben beim BSV.

Mit dem Band üben wir das sogenannte Positions-Phasen-Modell, auf das die Helstorfer Bogenschützen sehr viel Wert legen. Macht Sinn, denn so bekommt man schnell ein Gefühl für die Bewegungsabläufe, die bei einem technischen Sport wie dem Bogenschießen sehr komplex sind. Für den Anfänger macht es Kruse einfach und reduziert die Anweisungen auf ein Minimum: „Gerader Stand. Ellbogen hoch. Hand unter das Kinn. Sehne an die Nase. Gerade nach hinten ziehen.“ Dann ist es soweit. Ich bekomme einen Anfängerbogen, Kruse hilft mir dabei, den Arm- und Fingerschutz anzulegen. Ich bin bereit, fühle mich gut. Bis Arian Alexander mir zeigt, dass man sich auch als Anfänger geschickt anstellen kann.

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Anfängerglück beim Bogenschießen: Christian Purbs zu Gast beim BSV Helstorf (2)

Auf der Suche nach dem Om

Einem weiteren Duell mit dem Achtjährigen gehe ich auch unter Berücksichtigung meines Selbstwertgefühls aus dem Weg. Ob ich nicht auf die andere Scheibe da hinten schießen kann, frage ich Kruse. Die steht zwar mit einer Entfernung von 18 Meter weiter weg und ist deutlich kleiner, aber das Risiko nehme ich in Kauf. Und mit jedem Pfeil wird es besser. Langsam werden die Abläufe harmonischer, je öfter es mir gelingt, möglichst konzentriert zu sein, desto besser ist das Ergebnis. Ob der Pfeil die Scheibe trifft oder nicht, merke ich bald schon unmittelbar, nachdem ich losgelassen habe. „Irgendwann hast du dein inneres Om gefunden“, sagt der stellvertretende Spartenleiter Sascha Wolf.

Für den Helstorfer ist Bogenschießen in der angenehm familiären Atmosphäre beim BSV, in dem von der Schüler C bis zu den Senioren geschossen wird, „auch Ausgleich von der Arbeit. Ich freue mich über jeden gelungenen Schuss und kann prima abschalten. Es ist faszinierend, wenn du loslässt und siehst, wie der Pfeil in 70 Metern Entfernung die kleine Scheibe trifft“, sagt der 43-Jährige.

Ob die Entfernung zur Scheibe 70, 50, 18 oder zehn Meter beträgt, der Ablauf sei immer der gleiche, sagt Spartenleiter Kruse. Lediglich der Winkel des Arms und die Einstellung des Visiers veränderten sich je nach Entfernung. „Das größte Problem ist der Kopf – den muss man frei machen“, sagt Kruse: „Bogenschießen ist 15 Prozent Kraft, 35 Prozent Technik – und 50 Prozent Kopf.“

Anfängerglück beim Bogenschießen: Christian Purbs zu Gast beim BSV Helstorf (3)

Mit 58 Prozent ins Schwarze

Vor meinem nächsten Schuss rechne ich kurz zusammen: Kraft: 8; Technik: 13; Kopf: 37 (die Sonne scheint, ich habe Spaß). Macht zusammen 58 Prozent. Das muss reichen. Die letzten vier Pfeile: Ich lasse los, der Pfeil schießt in Richtung Zielscheibe – und landet weit entfernt von der Scheibe unten links. „Wo hast du hingezielt?“, will Kruse wissen. „Unten links, also Volltreffer“, lautet meine Antwort. Für einen kurzen Moment ist der Helstorfer sprachlos, versucht es dann aber noch einmal mit einem letzten Tipp: „Brust raus, stolz wie ein Indianer!“ Das hilft: Die letzten drei Pfeile gehen in die Neun, Acht und Sechs. Was für ein Finish. Ich habe den Bogen raus.

Nach zwei Stunden bedanke ich mich bei meinen Gastgebern für den Einblick in ihren faszinierenden Sport. Und für ihre Geduld. Auch von Arian Alexander verabschiede ich mich. Mit einem Handschlag unter stolzen Indianern.

Neugierig geworden?

Wer Bogenschießen selbst einmal ausprobieren möchte, findet die Schützen auf dem Gelände des BSV Helstorf, Doktorweg in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Helstorf. Trainingszeiten im Sommer: mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr für Kinder und Anfänger sowie von 18.30 bis 20 Uhr für Erwachsene und Fortgeschrittene. Sonntags von 10 bis 13 Uhr für Erwachsene. Kontakt: Harald Kruse, Telefon (0 15 25) 3 36 55 65, und Sascha Wolf, Telefon (01 60) 1 53 92 36, oder per E- Mail an: Bogensparte.BSVHelstorf@gmail.com.


Auch andere Vereine aus der Region bieten für Interessierte Bogenschießen an. Eine Auswahl: BSC Garbsen, BSC Wunstorf, SV Eintracht Suttorf, Schützenverein Osterwald, VfL Grasdorf, Schützenclub Hohenbostel, SV Isernhagen N. B., Bogensport SV Ehlershausen.

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