30. Juni 2018 / 12:49 Uhr

"Anfängerglück" beim Trampolinturnen: Ole Rottmann zu Gast beim VfL Grasdorf

"Anfängerglück" beim Trampolinturnen: Ole Rottmann zu Gast beim VfL Grasdorf

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ole Rottmann beim Trampolinturnen.
Ole Rottmann beim Trampolinturnen. © Dennis Michelmann
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Wie geht eine Eskimorolle? Was passiert beim Fechten? Für die Lokalsport-Serie Anfängerglück haben wir’s ausprobiert – dieses Mal Trampolinturnen beim VfL Grasdorf.

Auf dem Parkplatz übt ein Junge Fahrrad fahren. Sehr gekonnt sehen seine schlingernden Versuche vor der Laatzener Albert-Einstein-Schule nicht aus. Die umstehenden Autos, zu denen auch mein Wagen gehört, verfehlt er oft nur um Haaresbreite. Wird schon nichts passieren, und überhaupt habe ich ganz andere Sorgen. Schließlich steht meine erste Übungsstunde im Trampolinturnen bevor.

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Als ich die Sporthalle betrete, bin ich überrascht über das rege Treiben. Knapp 30 Turner des VfL Grasdorf sind anwesend, zeigen ihre Kunststücke auf fünf Trampolinen oder wärmen sich auf der Mattenbahn auf. „Wenn du nachher aufs Gerät willst, solltest du da mitmachen“, ruft mir Sabine Wiese zu. 

Die Abteilungsleiterin und langjährige Trainerin teilt mich direkt ein. Mehr schlecht als recht versuche ich, den Übungen des Vorturners Antonio Di Vincenzo zu folgen. Schon das stellt mich vor ernsthafte Probleme. Und noch habe ich festen Boden unter den Füßen. „Hast du morgen schon was vor?“, ruft Di Vincenzo feixend. Alle lachen. Ich auch, doch eher aus Höflichkeit.

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Sportbuzzer-Mitarbeiter Ole Rottmann beim Trampolinturnen

Ole Rottmann beim Trampolinturnen. Zur Galerie
Ole Rottmann beim Trampolinturnen. ©

„Manche Übungen kann ich auch nach acht Jahren noch nicht richtig“, raunt mir meine Mitstreiterin zur Linken zu. Sie hat es wohl beruhigend gemeint, doch bewirkt dieser Satz bei mir eher das Gegenteil. Eigentlich bin ich schon nach dem Auftaktprogramm fix und fertig. Geturnt habe ich schon seit der Grundschule nicht mehr. Mit einem mulmigen Gefühl schleiche ich schließlich zum Trampolin in Richtung Wiese. 

Die 59-Jährige erklärt mir kurz die Grundlagen: immer in der Mitte des Geräts springen, wo ein Quadrat mit einem Kreuz aufgebracht ist. Im Wettkampf gibt es Minuspunkte, wenn man diese Fläche verfehlt. HD-Wert nennt man das. Horizontal Displacement, horizontale Verschiebung. Ich kannte HD bislang nur von meinem Fernseher, und dort wäre ich jetzt auch lieber.

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Aber es ist zu spät. Ich erklimme das Gerät, Wiese packt mich gekonnt am Schlafittchen, sprich Trikotsaum („Damit du nicht direkt durch die Decke gehst“), und lässt mich an ihrer Hand meine ersten Hüpfversuche absolvieren. Es klappt überraschend gut. Meine Trainerin ist zufrieden, auch die umstehenden Turnerinnen nicken mir aufmunternd zu, als ich etwas unbeholfen wieder nach unten kraxele. „Geschafft. War ja doch gar nicht so schwer“, denke ich erleichtert. Doch weit gefehlt. 

Denn das war es noch lange nicht. „Moment, du kommst gleich wieder dran“, ruft man mir hinterher. „Wir gehen immer reihum aufs Gerät.“ „Ach so, na klar“, entgegne ich mit gespielter Selbstsicherheit.

Die Trainingsgruppe besteht aus Marie, Jana, Silke, Olga – und aus mir. Ich bin direkt voll integriert. Und muss mich auch als Gast an die Regeln halten. Als ich einmal in Gedanken meine Wasserflasche auf der Sicherheitsmatte abstelle, bekomme ich einen Rüffel. „Da nicht!“ Sorry.

Ole Rottmann beim Trampolinturnen.

Bei meinen nächsten Sprungversuchen lerne ich die Hocke, die Grätsche und das Hechten. Außerdem werde ich mit den unterschiedlichen Landungsarten vertraut gemacht und probiere sie direkt aus. Die Landungsbrücken waren mir bisher eher ein Begriff, doch nun komme ich schon nach wenigen Minuten auf dem Trampolin mehr oder weniger elegant auf Füßen, Po, Rücken und Bauch auf. Zweimal normal springen, dann folgt die Übung. „Immer auf drei. Damit ich auch weiß, wann ich dich fangen muss“, sagt Wiese schmunzelnd.


„Wir können ihn ja direkt zum Oldies-Cup anmelden“, ruft jemand im Scherz herüber. Ich muss unwillkürlich an den bebrillten und komplett talentfreien Skispringer Eddie Edwards denken, der es dennoch zu den Olympischen Winterspielen geschafft hat. Wobei auf mich nur das Zweite zutrifft, meine Sehhilfe habe ich vorsichtshalber abgenommen.

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„Diese Übung brauchen wir, um nachher den Salto zu turnen“, sagt Wiese. Ich schaue vorsichtshalber über meine Schulter, aber sie meint tatsächlich mich. Nach einer Stunde Trampolinerfahrung betrete ich das Gerät in Erwartung der ersten Komplettumdrehung meines Lebens. 

Wiese auf der linken und Trainerkollege Markus Todzi auf der rechten Seite bekommen mich tatsächlich herumgewirbelt. Grazil ist sicher anders, aber ich habe es geschafft. Zwei Rückwärtsrollen in der Luft folgen, ehe man mich wirklich entlässt.

Ich bin verblüfft, welche Fortschritte ich in so kurzer Zeit gemacht habe. Und wie viel Spaß mir diese Premiere bereitet hat. Den Oldies-Cup werden die Grasdorfer ohne mich schaffen müssen, aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Als ich erschöpft wieder zu meinem Auto gelange, liegt der Fahrradanfänger längst im Bett. Eine Schramme am Fahrzeug kann ich nicht entdecken. Auch der Junge hat einen guten HD-Wert erzielt.