28. Juni 2018 / 21:54 Uhr

"Anfängerglück": Ulrich Bock und Kollegen zu Gast beim Burgdorfer Golfclub

"Anfängerglück": Ulrich Bock und Kollegen zu Gast beim Burgdorfer Golfclub

Ulrich Bock
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Golftrainer Hans-Christian Vernekohl erklärt Sportbuzzer-Redakteur Ulrich Bock den Unterschied zwischen den Schlägern. 
Golftrainer Hans-Christian Vernekohl erklärt Sportbuzzer-Redakteur Ulrich Bock den Unterschied zwischen den Schlägern.  © Christian Purbs
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In unserer Lokalsport-Serie "Anfängerglück" probieren sich unsere Redakteure an Sportarten, mit denen sie noch nicht in Berührung gekommen sind. Da darf der anspruchsvolle Golfsport nicht fehlen. Die Kollegen schüren den Druck. Die Physik, die im wahrsten Sinne des Wortes mitschwingt, ist nicht allzu geläufig - aber am Ende des Tages steht eine wichtige Erkenntnis. 

Das wird schon nichts. Es ist ein gewiefter Schlachtplan in gerade einmal vier Worten, den ich mir für mein Debüt beim Golf zurechtgelegt habe. Wer ohne Erwartung an eine Sache herangeht, kann schließlich nicht enttäuscht werden. Immer locker durch die Hose atmen.

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Mit dieser flapsigen Einstellung geht es zum Burgdorfer Golfclub nach Ehlershausen. Mein Glück und Pech zugleich: Ich bin nicht allein, drei Kollegen sind mit von der Partie. Glück, weil wir mit großer Sicherheit ein paar nette und interessante Stunden miteinander verbringen werden. Pech, weil unter Sportredakteuren stets eine Portion Ehrgeiz mitspielt, wenn es in einen Wettstreit geht. Ohne Druck aufs Grün? Meine Strategie beginnt schon vor der Anfahrt zu bröckeln.

"Anfängerglück": Die Sportbuzzer-Redakteure Ulrich Bock, David Lidón und Christoph Hage schwingen den Golfschläger

Und die Brust wird auf der Anreise nicht breiter. „Ich mache das jetzt seit zehn Jahren und habe immer noch Tage, an denen überhaupt nichts klappt“, sagt der einzige Kollege mit Golf-Erfahrung. Ein Witz? Understatement? Wie auch immer, die Theorie beherrscht er. Eagle, Birdie, Bogey, die Berechnung des Handicaps – Unmengen an Informationen prasseln auf mich ein. Bernhard Langer, Tiger Woods, Caddie und Hole-in-one – mehr hätte ich über Golf kaum sagen können.

Hebelwirkung, Schwung, Kraft – ich verstehe nur Bahnhof

Doch beim Anfängerglück zählt einzig und allein die Praxis. Also: Auf geht’s! Trainer Hans-Christian Vernekohl und Klaus Danne, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Burgdorfer Golfclub, geleiten uns zur Driving Range, um Abschläge zu üben. Doch zunächst bleibt es theoretisch. Wie hält man den Schläger? Wie schwingt man ihn? Und was ist überhaupt der Unterschied zwischen all den Schlägern, die die beiden mitgebracht haben? Der sogenannte Driver für die weiten Distanzen ist federleicht, das hätte ich ganz anders erwartet.

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Vernekohl erläutert die unterschiedliche Beschaffenheit der Schläger geduldig. Hebelwirkung, Schwung, Kraft. Ich verstehe nur Bahnhof. Physik in der Oberstufe abgewählt – das hier ist offenkundig die Konsequenz. Egal, die Augen sind groß, als Vernekohl und Danne die Bälle spielend leicht in die wunderbare Weite befördern.

Alleine auf dem weiten Grün: Ulrich Bock hat der Ehrgeiz gepackt. 
Alleine auf dem weiten Grün: Ulrich Bock hat der Ehrgeiz gepackt.  © Purbs

Was mir liegt: Luftlöcher und Rasentreffer

Dann wird’s ernst für mich. Mit voller Konzentration versuche ich, die Finger so um den Schläger zu wickeln, wie es mir gezeigt wurde. Locker geht mir das nicht von der Hand. Aber nach einigen Versuchen entkrampft sich das Ganze. Dafür hapert es dann bei der Ausführung des Schwungs. Oder ich stehe zu weit vom Ball weg. Oder zu nah dran.

Oder die Arme sind nicht durchgestreckt. Irgendetwas ist eigentlich immer. Und doch gelingt mir bald mit meinem Eisen ein erster halbwegs ansehnlicher Schlag an die 100 Meter heran. „So einen will ich noch einmal schaffen“, lautet die Devise. Der Ehrgeiz ist spätestens jetzt geweckt – zumal sich die beiden anderen Anfänger nebenan ganz gut verkaufen. Aber mal treffe ich gar nichts außer Luft, dann malträtiere ich den Rasen. Das Zufallsprinzip spielt hier doch eine große Rolle.

"EINEN will ich noch einmal schaffen"

Auf eine der 18 Bahnen gehen wir nicht, aber schon der schnelle Blick auf Abschlag und Fairway von Bahn 1 erklärt, womit sich die sechs hauptberuflichen Greenkeeper beim Burgdorfer Golfclub täglich beschäftigen. 70 Hektar Gelände auf der herrlichen Anlage im Wald von Ehlershausen sind ihr Arbeitsplatz – und die tun es mir gerade an. Es ist wunderbar ruhig, wir bewegen uns an der frischen Luft. Zehn bis zwölf Kilometer lege man bei einer Runde über 18 Löcher zurück, erläutert Vernekohl. Nicht gehetzt, vielmehr auf die entspannte Tour. Und dann gilt es immer wieder aufs Neue Konzentration aufzubauen.

"Anfängerglück" im Burgdorfer Golfclub: Ulrich Bock und die pure Konzentration beim Schlag
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"Golf ist ein Spiel und soll Spaß machen"

Genau das ist nun auch meine Aufgabe. Auf dem Kurzplatz wird es ernst, Zeit zum Einlochen, zum Putten, wie die Golfer sagen. Sechs Bahnen gibt es auf dem vor zwei Jahren eröffneten Kurzplatz, wir bespielen zwei. In aller Kürze: Meist geraten meine Schläge deutlich zu lang. Oder ich treffe den Ball erst gar nicht. Das passiert meist, wenn ich nicht voll bei der Sache bin, Fragen stelle oder vermeintlich irreguläre Schläge der Kollegen moniere. Von der Platzreife bin ich weit entfernt. Auf meine abschließende Frage, wie ich mich geschlagen habe, antwortet Vernekohl: „Durchschnitt.“ Zuvor hatte der Trainer allerdings etwas anderes, viel Wichtigeres gesagt: „Golf ist ein Spiel und soll Spaß machen.“

Auch hier gilt: Übung macht den Meister

Und nach diesen zwei Stunden Golf zum Schnuppern lässt sich eines definitiv sagen: Es hat Spaß gemacht! Wieder vier Wörter, dieses Mal sind sie jedoch ehrlicher gewählt und nicht aus purem Selbstschutz. Ohne Druck und tiefenentspannt golfen? Das funktioniert zumindest bei Sportlern nicht. Sobald man den Schläger in seinen Händen hält, schwingt immer auch Ehrgeiz mit. Umso erfreulicher, dass sich beim Golf erste Erfolge rasch einstellen. Man muss dann aber dranbleiben. Dann wird das schon.

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