27. September 2019 / 18:02 Uhr

Angelina Gensrich und die jungen Wilden sind in „Angriffslaune“

Angelina Gensrich und die jungen Wilden sind in „Angriffslaune“

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Angelina Gensrich und Alexander Stendel (vorne) aus Peine tanzten sich mit der Standard-Formation des Braunschweiger Tanz-Sport-Club auf Platz vier bei der WM in Moskau.
Angelina Gensrich und Alexander Stendel (vorne) aus Peine tanzten sich mit der Standard-Formation des Braunschweiger Tanz-Sport-Club auf Platz vier bei der WM in Moskau. © Fotos: Privat
Anzeige

Das war gar nicht geplant: Das Stederdorfer Tanz-Talent Angelina Gensrich ist für die Weltmeisterschaft in Moskau in der Braunschweiger Standard-Formation eingesprungen. Mit einem neu formierten Team von jungen Wilden überraschte sie trotz kurzer Vorbereitung mit Platz 4 – nur 0,08 Punkte fehlten zu Bronze.

Anzeige

Schon zwischendurch erklangen die „Bravo“-Rufe, am Ende schwenkten die Fans begeistert die Deutschland-Flagge: Das Stederdorfer Tanz-Talent Angelina Gensrich und ihr Peiner Partner Alexander Stendel haben in Moskau bei der Weltmeisterschaft der Standard-Formationen mit dem Team des Braunschweiger TSC für eine Überraschung gesorgt – nur um 0,08 Punkte schrammten sie an Bronze vorbei. Mit allem hatte Trainer-Haudegen Rüdiger Knaack gerechnet, aber nicht, dass es sein neu formiertes Team mit den jungen Wilden auf Anhieb auf Platz vier schaffen würde. „Er war sehr zufrieden mit uns, schließlich waren unter den 16 Tänzern gleich sechs, die zuvor noch nie Formation getanzt hatten“, berichtete Angelina Gensrich stolz. Mit 16 war sie die jüngste Tänzerin im Team – und wenige Wochen zuvor hätte sie sich nicht einmal träumen lassen, dass sie mal in einer Formation mitwirbeln würde. Doch es kam anders.

Anzeige

Formations-Trainer Knaack machte dem Peiner Nachwuchs-Ass den Mannschafts-Wettbewerb schmackhaft. „Eigentlich habe ich mich da nicht gesehen“, gibt die Stederdorferin zu, doch sie habe mit ihrem Bremer Trainer Roberto Albanese gesprochen. Und der aus der RTL-Show Let’s Dance bekannte Tänzer und Verbandstrainer fand auch, dass es eine gute Idee sei. Also wagte sich Angelina Gensrich ins Abenteuer mit der neuformierten Riege des BTSC, in der der jüngste Tänzer gerade einmal 15 Jahre alt war.

In Rekordzeit formte Knaack aus den Neulingen und den Erfahrenen eine Formation, die tatsächlich um die WM-Medaillen mittanzen konnte. „Eigentlich ein Wunder“, staunte auch ein Facebook-Nutzer auf der Seite des BTSC. „So jung, allererstes Turnier und gleich das Finale der Weltmeisterschaft.“ Der Sprung vom Paar- zum Formationstanz ist nämlich nicht ohne – „Die Abstände müssen passen, es kommt nicht nur auf Technik an, auch auf die Wirkung von Bildern wird geachtet“, beschreibt Angelina Gensrich. Da ist Millimeter-Arbeit auf dem Parkett gefragt.

In der letzten Woche vor der WM trainierte die Riege jeden Tag, teilweise fünf Stunden. Das Abschluss-Training verfolgte sogar IGS-Schulleiterin Ulla Pleye. Nicht nur darüber freute sich ihre Schülerin Angelina Gensrich riesig. Sie war auch begeistert davon, mit dem Peiner Formations-Ass und früheren deutschen Jugendmeister Alexander Stendel ein Paar bilden zu dürfen. Mit seiner ganzen Erfahrung nahm er ihr die Aufregung.

Und trotzdem: Die erste Probe in der Moskauer-Megasport-Arena, in der ansonsten die Eishockey-Stars von ZSKA Moskau übers Eis flitzen, ging gründlich schief. Es gab ein Kabinen-Donnerwetter, doch das fruchtete. Als es vor rund 5000 Zuschauer um die Wurst ging, lieferten die Braunschweiger ab. Mutig, ausdrucksstark, bildgewaltig: Die „Light&Darkness“-Show des BTSC beeindruckte die Richter, sie werteten die jungen Wilden hinter den russischen Top-Teams Vera Tyumen und Duet Perm sowie Bundesliga-Rivale Tanzsportteam Göttingen auf Platz vier.

Angelina Gensrich hat der Ausflug ins Formationstanzen gefallen – obwohl die Bronze-Medaille haarscharf verpasst wurde. Denn: „Das Miteinander ist im Formationstanz größer, der Konkurrenz-Gedanke ist nicht ganz so ausgeprägt, es gibt kein Gezicke, kein Generve“, stellte sie erfreut fest.

Deshalb will sie auch zunächst einmal so lange dabei bleiben, bis sie wieder einen geeigneten Tänzer fürs Paartanzen nach der Trennung vom Magdeburger Philipp Vovk gefunden hat. Im November steigt die Deutsche Meisterschaft in Hamburg. „Wir sind in Angriffslaune“, sagt Angelina Gensrich. Und nächstes Jahr steht ein attraktives Heimspiel an – Braunschweig darf die WM austragen. „Das klingt auch ziemlich verlockend“, sagt die 16-Jährige.