26. August 2019 / 09:16 Uhr

Angelique Kerber und Alexander Zverev bei den US-Open: Die Suche nach der Wende

Angelique Kerber und Alexander Zverev bei den US-Open: Die Suche nach der Wende

Petra Philippsen
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deutsche Hoffnungsträger bei den US Open: Angelique Kerber und Alexander Zverev. 
Deutsche Hoffnungsträger bei den US Open: Angelique Kerber und Alexander Zverev.  © imago images / ZUMA Press
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Vor dem Start der US Open im Tennis machen die deutschen Starter Angelique Kerber und Alexander Zverev wenig Hoffnung auf Erfolge.

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Die Frisur sitzt, die wallende blonde Mähne schimmert in seidigem Glanz. Angelique Kerbers Augen aber, die glänzen nicht, als sie davon erzählt, wie bei den US Open nun alles besser für sie werden soll. An jenem Ort, wo ja 2011 mit dem Halbfinaleinzug alles für sie anfing und sie 2016 dann sogar das Turnier gewann und die Nummer eins wurde.

„In New York spüre ich die Energie und will versuchen, mich an 2016 zu erinnern.“ Sie erzählt das alles, doch mit Leben vermag sie ihre Worte aktuell nicht zu füllen. Vielmehr scheinen es Mantrasätze zu sein, die sie sich wie als Mutmacher wieder und wieder vorsagt, um sich von dem zu überzeugen, was sie selbst gar nicht glaubt: Alles wird gut in New York. Schön wär’s, aber ihr Mojo ist nicht mehr da, ihr Tennisglück ist ihr abhandengekommen.

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Kerber postete ein Bild von sich, wie sie abends durch die Häuserschluchten von Manhattan spaziert, und zitiert dabei den Refrain von Alica Keys’ Hymne an New York „Empire State of Mind“: „In diesen Straßen wirst du dich wie neu fühlen, die Lichter werden dich inspirieren.“ Kerber möchte sich nur allzu gern neu erfinden nach einer Saison, die bisher komplett zum Vergessen ist – ohne Titel, in der Weltrangliste auf Rang 14 abgerutscht. Und nach der Trennung von Trainer Rainer Schüttler könnte sie ein wegweisendes Licht gut gebrauchen.

Mehr noch, da es ihre heutige Erstrundengegnerin, die französische Top-50-Spielerin Kristina Mladenovic, durchaus in sich hat. Doch mit Beginn der US Open ist bei Kerber einzig neu, dass sie jetzt Werbung für ein Anti-Schuppen-Shampoo macht. Sinnigerweise heißt die Kampagne „Reine Kopfsache“ – treffender hätte man das Kernproblem der 31 Jahre alten Norddeutschen kaum auf den Punkt bringen können.

Doch Kerber ist vor dem letzten Grand-Slam-Turnier der Saison nicht allein auf der Suche nach ihrem alten Tennis-Mojo. Auch Alexander Zverev reiste mit schwachen Ergebnissen, Zweifeln und weit entfernt von seiner Bestform nach New York. Für den 22-jährigen Hamburger kam nach dem Achtelfinale bei den Australian Open und dem Viertelfinale bei den French Open mit dem Erstrundenaus in Wimbledon und der Trennung von Trainer Ivan Lendl der vorläufige Tiefpunkt einer bislang eher dürftigen Saison. Aber die Nummer sieben der Welt meinte danach trotzig, dass „in New York mein Durchbruch kommt“.

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Die großen Erfolge auf Grand-Slam-Ebene sind für Alexander Zverev (*20.04.1997) bislang noch ausgeblieben, auf der ATP-Tour hat der Deutsche aber schon für jede Menge Furore gesorgt. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt seine bisherige Karriere in Bildern. Zur Galerie
Die großen Erfolge auf Grand-Slam-Ebene sind für Alexander Zverev (*20.04.1997) bislang noch ausgeblieben, auf der ATP-Tour hat der Deutsche aber schon für jede Menge Furore gesorgt. Der SPORTBUZZER zeigt seine bisherige Karriere in Bildern. ©
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Darauf wartet die Tenniswelt und auch er selbst immer ungeduldiger seit seinem rasanten Aufstieg vor drei Jahren. Doch bisher wollte Zverev bei den Grand Slams immer zu viel. Stets passte irgendetwas nicht, und das ist bei Majors fatal. „Das erste Mal seit Jahren werde ich nicht als Favorit gehandelt“, meinte Zverev nun erleichtert, „das ist neu für mich und nimmt sehr viel Druck von mir.“

Kerber ist es auch lieber, wenn niemand auf sie schaut und sie bei einem Grand Slam in Ruhe gelassen wird. Dass für sie aber in Wimbledon als Titelverteidigerin gleich in Runde zwei Schluss war, hatte Kerber getroffen. Einmal mehr muss sie sich durch ein Seuchenjahr kämpfen, vieles erinnert dabei an 2017.

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Angelique Kerber ist die vielleicht beste deutsche Tennis-Spielerin. Die Kielerin gewann bereits mehrere Grand Slams und hält sich seit Jahren in der Weltspitze des Tennis. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeichnet die Stationen ihrer Karriere nach. Zur Galerie
Angelique Kerber ist die vielleicht beste deutsche Tennis-Spielerin. Die Kielerin gewann bereits mehrere Grand Slams und hält sich seit Jahren in der Weltspitze des Tennis. Der SPORTBUZZER zeichnet die Stationen ihrer Karriere nach. ©

Der US-Altmeister John McEnroe mutmaßte bei Eurosport, dass „Kerber etwas ihre Motivation verloren hat“. So wirkt Kerber allerdings schnell: negative Körpersprache, Selbstbeschimpfung und immer ist das Glas eher halb leer als halb voll, wenn es bei ihr nicht läuft. Da fällt es schwer, sich herauszuziehen. Zverev tickt da sehr ähnlich. „Er muss seine mentale Einstellung verbessern“, meinte die amerikanische Tennisikone Chris Evert: „Er ist zu negativ, zu emotional und das beeinflusst sein Spiel.“

Hinzu kommt, dass Zverev zuletzt zu passiv und viel zu weit hinter der Grundlinie spielte. „Ich muss mein Spiel wiederfinden“, sagte er sehr selbstkritisch, „sonst macht es keinen Sinn.“

Dass sich das Chaos um den Rechtsstreit mit seinem Ex-Manager Patricio Apey offenbar geklärt hat und Zverev nun zu Roger Federers Agentur Team 8 gewechselt ist, könnte ihm den Fokus aufs Wesentliche zurückbringen: Tennis. Auch Kerber will bei den US Open endlich auch wieder auf dem Court glänzen – und das nicht nur mit ihren Haaren.

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