13. Oktober 2021 / 20:01 Uhr

Otto und Casjens gehören zur deutschen Aerobic-Elite

Otto und Casjens gehören zur deutschen Aerobic-Elite

Josina Kelz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Charlene Casjens
Gelenkig: Charlene Casjens zeigt eine Aerobic-Pose. © Debbie Jayne Kinsey
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Sie wurden vorzeitig in den Bundeskader und das Elite-Team berufen: damit gehören die Hannoveranerinnen Anina Otto und Charlene Casjens vom TKH offiziell zu den zehn besten deutschen Aerobic-Sportlerinnen.

Mit Aerobic, wie es die meisten aus dem Fitnessstudio kennen, hat das hier nicht viel zu tun. Das wird deutlich, als Anina Otto (15) zum Spagat ansetzt (und Minuten in ihm verharrt) und Charlene Casjens (22) eine weitere Verrenkung präsentiert. Allein vom Zuschauen tut das weh. „Wettkampf-Aerobic ist zu einem hochanspruchsvollen Leistungssport geworden, mit dem Fitnesskurs hat das nicht mehr viel gemein. Auch wenn sich der Wettkampfsport daraus entwickelt hat“, klärt Trainerin Stefanie Otto (46) auf, während im TKH-Kursraum gleich nebenan ironischerweise klassisches Steppaerobic läuft.

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Wettkampf-Aerobic – das liegt irgendwo zwischen Rhythmischer Sportgymnastik, Akrobatik, Turnen und Tanzen. „Es ist so komplex, dass es schwierig ist zu erklären, was wir eigentlich machen“, versucht es Casjens. „Aber genau das macht den Reiz aus: Es ist abwechslungsreich und anspruchsvoll, man kann sich stetig steigern“, ergänzt Otto, die mit ihren 15 Jahren schon zur deutschen Aerobic-Elite gehört.

Anina Otto
Anina Otto im perfekten Spagat © Debbie Jayne Kinsey

Buchstäblich. Die Hannoveranerin gehört seit 2017 zum Nationalkader, jeden November steht mit dem Bundeskader-Test die Qualifizierung an. Dieses Jahr hat sie aufgrund ihrer Ergebnisse bei der EM und deutschen Meisterschaft nicht nur ihr Ticket schon sicher, sondern viel mehr: Ab kommenden Jahr gibt es erstmals zusätzlich ein Eliteteam. Wer dabei ist, gehört zu den zehn besten Aerobic-Sportlerinnen Deutschlands. Otto zählt schon fest dazu – genauso wie Casjens. Sie gehört zur Altersklasse 18 plus, Otto zur Altersklasse 15 bis 17.

Otto und Casjens sind Hannovers Aerobic-Stars

Beide sind die einzigen Hannoveranerinnen, die im September bei der EM angetreten sind, beide konnten gute Ergebnisse erzielen. „Für Deutschland jedenfalls. Wir sind nicht die beste Nation, was Aerobic betrifft“, sagt Casjens mit einem Zwinkern. „Deshalb müssen wir hier immer erklären, was wir tun.“ In osteuropäischen Ländern sieht das anders aus, dort ist der Sport populär. Obwohl die Aerobic-Bewegung in den 80ern durch Jane Fonda in Amerika ausgebrochen ist – „ja, der Hype ist irgendwie rübergewandert. Aber warum das so ist: keine Ahnung“, sagt die Trainerin und lacht.

Sie selbst hat den Sport in den 90ern für sich entdeckt. In ihrer Heimat Verden (Aller) gab es einen Kurs. Als sie für ihr Pädagogikstudium nach Hannover zog, suchte sie sich hier einen Verein und fand ihn beim TKH. „Irgendwann sagte man zu mir: Du kannst doch gut mit Kindern, bau doch eine Jugendsparte auf.“ Das war im Jahr 2000. Mittlerweile ist die Jugendsparte erfolgreich, ein ganzes Trainerteam im Einsatz – und Otto hat zwei eigene Töchter, die mittlerweile jugendlich sind und mittrainieren.

Von links: Charlene Casjens, Stefanie Otto, Anina Otto
Charlene Casjens (links) und Anina Otto (rechts) mit Trainerin Stefanie Otto © Debbie Jayne Kinsey

Bei der Erziehung habe sie immer darauf geachtet: „Ist es wirklich der Wille meiner Töchter, Aerobic zu machen, oder machen sie es nur wegen mir?“ Anina und und die jüngere Tochter Marieka (14) können sie beruhigen. „Ja, irgendwann habe ich selber gemerkt: Sie sind genauso verrückt wie ich – wahrscheinlich mittlerweile noch schlimmer.“


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Für den Mann muss das Zusammenleben mit drei aerobicverrückten Frauen speziell sein. „Stimmt“, sagt die Frau und lacht. „Wenn wir drei vom Training nach Hause kommen und alle zusammen essen, muss er öfter sagen: Können wir jetzt bitte mal über was anderes reden?“ Anina und Marieka kichern. „Wir turnen auch gerne mal um den Tisch oder auf dem Küchenboden – oder fangen einfach mitten im Gespräch an.“

So leben Casjens und Otto

Casjens trainiert meistens allein. Vor drei Jahren ist sie für ihr Jurastudium nach Bremen gezogen, hier darf sie die Halle im Bundesstützpunkt für Rhythmische Sportgymnastik nutzen, um zu trainieren. Am Wochenende kommt sie zurück in die Heimat, um mit Stefanie Otto zu trainieren. Und dann sind da noch die gemeinsamen Wettkämpfe.

Ein Leben zwischen Schule, Studium (und Nebenjob in der Kanzlei) und Pendeln für die Sportlerinnen; ein Leben zwischen Hauptjob, Mutter, Ehefrau und Trainerin sein und Haushalt für die Trainerin. „Charlenes und meine Leidenschaften würden wahrscheinlich für drei Leben reichen“, resümiert Stefanie Otto – und lacht.