27. März 2019 / 15:14 Uhr

Anja und Jasmina Hartmann: Ein starkes Team

Anja und Jasmina Hartmann: Ein starkes Team

Nastassja Nadolska
Weser-Kurier
Trainerinnen Anja und Jasmina Hartmann
Seit sechs Jahren sind Mutter Anja (re) und Tochter Jasmina Hartmann (li) für die Kreisauswahl-Juniorinnen aus Diepholz zuständig. © Jonas Kako
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Seit sechs Jahren trainiert das Mutter-Tochter-Duo die Diepholzer Kreisauswahl-Juniorinnen gemeinsam / Anja Hartmann: "Fußball ist nicht nur ein reiner Sport, es geht um viel mehr"

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Wenn es um den Mädchen- und Frauenfußball im Landkreis Diepholz geht, hat sie den Überblick: Anja Hartmann ist seit 28 Jahren Kreisauswahltrainerin und kennt jede junge Dame in der Region mit Talent. Über die Jahre hat sie viele Fußballerinnen ganz nach oben gebracht, unter anderem Lena Petermann, die mittlerweile für den 1. FFC Turbine Potsdam und die Deutsche Nationalmannschaft spielt. Eine Entwicklung, die die langjährige Trainerin stolz macht: „Es ist eine Bestätigung für meine Arbeit“, sagt die Schwarmerin, die seit 2013 mit ihrer Tochter Jasmina ein Trainergespann bildet.

Über die Jahre haben sich die Kreisauswahl-Juniorinnen aus Diepholz gegen die anderen Kreise im nordöstlichen Bereich Niedersachsens bewährt. Und auch der Jahrgang 2007/2008 sorgte mit seinen Leistungen für großes Staunen. Bei der D-Juniorinnen-Stützpunktsichtung Nordost Anfang Dezember in Bothel platzierte sich der Kreis Diepholz auf Rang eins. „Wir haben von Beginn an Akzente gesetzt und waren hellwach. Mit unserer schnellen Spielweise und den vielen Direktpässen haben wir die Gegner in Verlegenheit gebracht“, sagt Anja nicht ohne Stolz. Gleichzeitig wurden acht von neun Spielerinnen auf dem Turnier für die Niedersachsenauswahl gesichtet. „So viele waren es bisher noch nie“, freut sich die erfahrene Trainerin über die positive Bilanz. Der erfolgreiche Abschluss ihres Teams komme nicht von ungefähr. Vor der Stützpunktsichtung nahm die Mannschaft um das Mutter-Tochter-Gespann an einem Blitzturnier teil. Dort spielte sie unter anderem gegen Juniorenmannschaften. „Die Mädchen mussten über ihre Grenzen hinausgehen. Die Bewährungsprobe haben sie gut überstanden“, berichtet Hartmann.

Zu den Gesichteten gehören unter anderem die elfjährige Celina Schöning vom TSV Barrien und die zehnjährige Maria Wiese vom TSV Weyhe-Lahausen, die sich über die Nominierung sehr freuten. „Ich war schon ziemlich glücklich“, sagt Celina etwas schüchtern. Ihre Mannschaftskameradin Maria war vor dem Turnier etwas unsicher: „Ich hatte Angst, weil ich keinen kannte. Danach ging es aber ganz schnell weg.“ Das zeigte sich auch auf dem Papier: „Maria war unser Torgarant und hat mit ihren fünf Treffern erheblich zum Erfolg beigetragen“, betont Anja.

Die Arbeit der erfahrenen Kreisauswahltrainerin hat sich über die Jahre bei ihren Kollegen herumgesprochen. „Ich werde ständig von anderen Trainern gefragt, warum das bei uns so gut läuft und warum wir fast immer so weit oben stehen“, berichtet Hartmann und verrät gleichzeitig ihr Geheimnis: „Wir legen einen großen Wert auf das Gemeinschaftsgefühl. Uns ist es wichtig, auch außerhalb des Fußballs etwas zu machen. Wahrscheinlich liegt es daran“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Sie und ihre Tochter Jasmina gehörten nicht zu den Trainern, die ihren Schützlingen Druck machen. „Das wäre der falsche Weg“, weiß Tochter Jasmina, die in der Vergangenheit selbst auf dem Feld stand und unter anderem für Werder Bremen und die Bremer Landesauswahl auflief. Aufgrund einer Verletzung musste sie aufhören, schloss sich kurz danach aber ihrer Mutter an. Seit sechs Jahren trainieren sie gemeinsam die Nachwuchskickerinnen der Region und bisher gab es keine großartigen Unstimmigkeiten. „Wir harmonieren gut miteinander. Ich bin nicht unbedingt ein einfacher Charakter. Ich habe viele Ideen im Kopf und bin die treibende Kraft. Ich brauche aber auch jemanden, der mich in die richtige Bahn lenkt, was Jasmina ganz gut macht“, erzählt die Mutter, die auch zwischenzeitlich als Stützpunkttrainerin aktiv war. Im Laufe der Zeit habe sich die Förderung des Frauenfußballs im Kreis Diepholz und in ganz Deutschland in eine gute Richtung entwickelt. „Damals kannte keiner die Kreisauswahl. Dazu gab es keine wirkliche Struktur. Die Spielerinnen mussten wir immer über Umwege kontaktieren“, erzählt Anja. Mittlerweile unterscheide sich die Trainingsförderung im Mädchen- und Jungenbereich nur noch minimal. Dreimal im Monat kommen die Spielerinnen und Trainerinnen zusammen. Dabei bildet der Schwerpunkt im Training die technische Ausbildung.

„Wenn die Mädchen für den Stützpunkt gesichtet werden, müssen sie bei den Turnieren in Barsinghausen für die Niedersachsenauswahl technisch versiert sein und ein sehr gutes Spielverständnis haben“, erläutert Anja. Aber nicht nur das spiele eine Rolle. „Man muss da tatsächlich auch mit viel Liebe und Leidenschaft an die Sache rangehen. Der Fußball ist nicht nur ein reiner Sport. Es geht dabei um viel mehr“, weiß sie.

In den kommenden Wochen müssen die Schützlinge des Mutter-Tochter-Gespanns noch einmal alles geben. Am 28. April wartet dann das letzte große Vergleichssichtungsturnier des Bereichs Nord-Ost auf die Spielerinnen. „Es ist die letzte Chance für die, die bisher noch nicht auf sich aufmerksam machen konnten, in den Stützpunkt zu kommen“, sagt die erfahrene Trainerin, die ab dem 5. Mai nach dem Sparkassen-Cup beim TuS St. Hülfe-Heede die nächsten potenziellen Talente des Jahrgangs 2010 sichten wird. In diesem Turnier werden die Mädchen gemeinsam mit den Jungs spielen. „Wir erhoffen uns dadurch, dass wir alle Mädchen sehen, die sich bei den Jungs durchsetzen“, sind sich Anja und Jasmina einig.

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