24. Juni 2020 / 06:00 Uhr

Anker-Präsident Gerd Allmendinger: „Kinder- und Jugendarbeit ist das Fundament des Vereins"

Anker-Präsident Gerd Allmendinger: „Kinder- und Jugendarbeit ist das Fundament des Vereins"

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Gerd Allmendinger will beim FC Anker Wismar einiges bewegen. 
Gerd Allmendinger will beim FC Anker Wismar einiges bewegen.  © Verein
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Der 56-jährige Unternehmen will in Wismar die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen verbessern. Neben dem Herren-Verbandsliga-Team will Allmendinger auch den Frauenfußball fördern.

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Wismar. Gerd Allmendinger sprüht vor Tatendrang. Der 56-Jährige wurde Anfang der vergangenen Woche zum neuen Präsidenten des FC Anker Wismar gewählt. Der Boss eines Wismarer Unternehmens, das Softwareprodukte zur Zeiterfassung, Nachweisführung und Kontrolle entwickelt, will beim Fußball-Verbandsligisten etwas bewegen. Welche Ziele Allmendinger beim FC Anker langfristig erreichen will und warum die Coronakrise maßgeblich seine Präsidentschaftskandidatur ausgelöst hat, verrät er im Interview mit dem SPORTBUZZER.

Seit wann sind Sie beim FC Anker Wismar engagiert?
Auf der Mitgliederversammlung Ende November 2019 habe ich mich ins Präsidium wählen lassen. Seitdem war ich einer von mehreren Vizepräsidenten und habe mir das Geschehen im Verein rund ein halbes Jahr intensiv angeschaut.

Warum haben Sie sich dann entschieden, für den Vereinsvorsitz zu kandidieren?
Nach den sechs Monaten kamen für mich nur zwei Optionen in Frage. Entweder ich schmeiße wieder hin oder ich nehme das Ruder selbst in die Hand. Mein Vorgänger Thomas Ahlvers konnte sein Amt aufgrund seiner beruflicher Situation nicht mit voller Kraft ausüben. Gerade in dieser schwierigen Zeit innerhalb der Corona-Pandemie braucht der FC Anker einen Präsidenten, der mit vollem Enthusiasmus dabei ist.

Sind Sie als Chef eines erfolgreichen Unternehmens nicht auch zeitlich eng eingespannt?
Am Anfang des Jahres konnte ich es mir noch nicht wirklich vorstellen, der Präsident des FC Anker Wismar zu werden. Noch im März vor der Coronakrise war ich als Geschäftsmann in der Woche durchschnittlich vier Tage im Flieger oder im Auto unterwegs. Die Pandemie hat dann der ganzen Gesellschaft große Probleme aufgezeigt. Das hat auch bei mir dafür gesorgt, dass ich meinen Tag fortan anders und besser organisiert habe. Viele Geschäftsreisen fallen weg und wir führen mittlerweile deutlich mehr Telefon- sowie Videokonferenzen durch und klären weitere Dinge verstärkt über das Internet.

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Welche Dinge sind Ihnen während ihrer Beobachtungszeit als Vizepräsident im Verein aufgefallen?
Es gab einige Strukturen innerhalb des Klubs, die mir nicht gefallen haben. Anstatt miteinander, wurde mehr übereinander geredet. Dadurch hat sich ein Eigenleben entwickelt, im Verein war keine klare Struktur zu erkennen. Mir ist es wichtig, dass von oben bis nach unten, klare Entscheidungen getroffen werden. Ich habe mich in den vergangenen Wochen mit vielen Vereinsmitgliedern unterhalten und mir auch ihre Standpunkte angehört. Aus den Gesprächen habe ich viel mitgenommen und mir Ziele gesetzt, die ich erreichen möchte.

Welche Ziele sind das?
Zunächst einmal will ich betonen, dass das langfristige Ziele sind, die ich mir gesteckt habe. Daher will ich das Amt des Präsidenten auch die nächsten vier Jahre ausüben. Die Kinder- und Jugendarbeit ist das Fundament des Vereins. Das hat oberste Priorität. Hier wollen wir in Zukunft mehr mit den anderen Klubs in Wismar zusammenarbeiten. Spielgemeinschaften im Nachwuchs schließe ich dabei nicht aus. Unsere ersten Herrenmannschaft als Leuchtturm des FC Anker, kann nur so gut sein, wie der Verein im Nachwuchsbereich. Unser Trainer Christiano Dinalo Adigo und das Verbandsliga-Team haben mit wenigen Mitteln in der vergangenen Saison einen tollen Job gemacht und den Titel geholt. Mittelfristig sehe ich unsere ersten Männer wieder oberhalb der Verbandsliga. Ein weiterer Punkt, der mir sehr an Herzen liegt, ist es den Frauenfußball in Wismar und Umgebung voranzubringen. Bei den Fußballerinnen wollen wir zukünftig zu den Besten im Land zählen.

Woher kommt ihre Fußball-Leidenschaft?
Ich bin gebürtiger Wismarer und habe früher in der Goethestraße gewohnt, unweit das Jahnsportplatzes. Als Kind habe ich fast jedes Training der ersten TSG Wismar gesehen und bin deren Ballholer gewesen. Später bin ich in die Kinder-Knaben-Jugend gekommen und haben für die BSG Post Wismar gespielt. 1978 bin ich zur Sportschule Rostock gewechselt und habe dort Kanurennsport jahrelang als Leistungssport gemacht. Bei der großen Dichte im DDR-Spitzensport hat es für mich leider nicht gereicht und ich hörte 1981 auf. Danach kamen die beruflichen und familiären Entwicklungen in meinem Leben.

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Sie sind seit Jahren auch Sponsor beim FC Hansa...
Genau. Ich habe mit meiner Firma als Mikrosponsor vor fünf Jahren angefangen. Mittlerweile ist unser Unternehmen ein Premiumsponsor beim FC Hansa. Wir haben eine Vip-Loge und eine große Werbebande auf dem Spielfeld im Ostseestadion. Zudem sind wir Ärmelsponsor auf dem Hansa-Trikot und haben uns im Umfeld des Vereins viel engagiert.

Wie kam der Kontakt zum FC Anker Wismar zustande?
Vom FC Anker sind einige Personen auf unser Engagement beim FC Hansa aufmerksam geworden. Ich wurde angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könnte, mich in Wismar zu engagieren. Für mich stand dann auch nur zur Debatte, dass ich mich voll in den Verein einbringe oder es komplett sein lasse.

„Wenn wir es nicht schaffen, schwarze Zahlen zu schreiben, verlieren wir als FC Anker unsere Existenzberechtigung."

Wo wollen Sie den FC Anker Wismar zum Ende ihrer Amtszeit sehen?
Die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins ist das allerwichtigste, um langfristig erfolgreich arbeiten zu können. Wenn wir es nicht schaffen, schwarze Zahlen zu schreiben, verlieren wir als FC Anker unsere Existenzberechtigung. Es wird uns nicht mehr gelingen, wie vor mehreren Jahren einen Großsponsor zu gewinnen, der einfach mal einen großen fünfstelligen Betrag investiert. Deswegen habe ich ein Konzept erarbeitet, das das Sponsoring auf mehrere Schultern verteilt. In Zukunft wollen wir auch mehr von unserer Nachwuchsarbeit profitieren. Dadurch, dass wir zur neuen Saison vier Eigengewächse in die ersten Herrenmannschaft hochziehen werden, haben wir den richtigen Weg eingeschlagen.

Sie haben ja auch eine Kooperation mit dem FC Hansa laufen. Inwiefern soll sich das zukünftig auszahlen?
Unser Ziel wird es sein, die besten Talente aus unserer Region in Wismar zu bündeln. Wir wollen sie bei ihrer Entwicklung begleiten und eine der Adressen für gute Jugendarbeit im Land werden. Es wäre ein großer Erfolg, wenn junge Fußballer aus unserem Umfeld später ins Nachwuchsleistungszentrum des FC Hansa wechseln.

Wie wollen Sie den Frauenfußball im Verein voranbringen?
Auch hier geht es nur gemeinsam. Wir wollen mit den Vereinen aus Nordwestmecklenburg zusammen etwas bewegen, die eine Frauenfußball-Mannschaft haben. Wir werden ein Konzept erarbeiten, wie wir mehr Fußballerinnen in Wismar und Umgebung auf uns aufmerksam machen. Da haben wir noch ganz viel Luft nach oben.