08. Dezember 2019 / 17:55 Uhr

Anker Wismar II bricht Spiel bei Dynamo Schwerin ab

Anker Wismar II bricht Spiel bei Dynamo Schwerin ab

Peter Preuß
Ostsee-Zeitung
Anker-Spieler Kamara Abu Bakarr (M.)  wird von Schiedsrichter Marvin Tennes vom Platz gestellt.
Anker-Spieler Kamara Abu Bakarr (M.) wird von Schiedsrichter Marvin Tennes vom Platz gestellt. © Dietmar Albrecht
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Das Spiel in der Landesliga West zwischen der gastgebenden SG Dynamo Schwerin gegen die Reserve des FC Anker Wismar wurde von den Gästen eigenmächtig abgebrochen worden sein. Es soll rassistische Äußerungen gegen zwei dunkelhäutige FCA-Akteure gegeben haben.

Die Reserve des Verbandsligisten FC Anker Wismar hat seit Beginn der neuen Saison in der Fußball-Landesliga West nicht nur ein personelles Problem, sondern muss sich jetzt auch vor dem Sportgericht des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern verantworten. Während der Partie bei der SG Dynamo Schwerin gegen den FC Anker II im Sportpark Paulshöhe sollen zwei dunkelhäutige Spieler des Wismarer Fußballvereins von einem Zuschauer rassistisch beleidigt worden sein. Das alles passierte in der 65. Minute, nachdem die Hansestädter bereits mit 0:6 zurücklagen.

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Zur Halbzeit führten die Gastgeber bereits mit 4:0. Anker hatte gegen die Landeshauptstädter nur zehn Spieler im Aufgebot. Plötzlich nahm sich der Anker-Spieler Kamara Abu Bakarr wütend den Ball und warf ihn in Richtung eines Zuschauers („Opa“), von dem er mit üblen Worten wegen seiner Herkunft beschimpft worden sein soll. Daraufhin zeigte ihm Schiedsrichter Marvin Tennes die Rote Karte und stellte den Wismarer vom Platz. Dagegen protestierte Ebenezer Miah beim Unparteiischen, erhielt auch prompt die Gelb-Rote Karte und flog auch vom Platz. Auch Miah hatte sich wegen der Rufe von den Rängen bei Tennes beklagt und sein Trikot ausgezogen. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel und versuchte, die Wismarer zu beruhigen. Kurz darauf riet Anker-Kapitän Aram Jeghiazarjan seinen Mitspielern, das Spielfeld zu verlassen und die Partie abzubrechen.

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Malchows Torjäger Tobias Täge bei einer Trinkpause. ©

„Wir können als Mannschaft nicht weitermachen. Wenn hier zwei Leute von uns rassistisch beleidigt werden, dann stehen wir da nicht mehr zur Verfügung“, sagte der Anker-Kapitän. Welche Worte letztendlich gefallen sein sollen, ist widersprüchlich. Ein Schweriner Zuschauer sagte gegenüber dem NDR 1 Radio MV: „Irgendeiner hat gesagt, er soll aufhören zu foulen, und dann ist er ausgerastet.“ Auf einer Mikrofon-Aufnahme, die der NDR im Radio ausgestrahlt hatte, sind die Worte „Schwarze Sau“ deutlich zu hören. Dieser Mitschnitt wurde nach NDR-Angaben nach der Roten Karte gemacht.


Torsten Koop, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Landesverband, der unter den Zuschauern war, sagte gegenüber dem NDR: „Es kann nicht sein, dass eine Mannschaft selbstständig ein Spiel abbricht.“ Der Fall kommt jetzt vor das Sportgericht.

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Philipp Unversucht, Leiter der Geschäftsstelle des FC Anker und Kapitän des Verbandsliga-Teams, zeigte sich nach diesem Vorfall schockiert. „Das ist harter Tobak. Was in Schwerin passiert ist, darf sich nicht wiederholen. Doch jetzt müssen wir abwarten, was das Sportgericht entscheidet“, so Unversucht. Und weiter: „Die Schweriner Verantwortlichen und die Spieler der Mannschaft haben sich sportlich fair und professionell gegenüber unseren Spielern und dem Verein verhalten. Unabhängig, welche Worte von Zuschauern gefallen sind, Rassismus hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen.“