22. November 2020 / 18:36 Uhr

Bodybuilderin Annett Urban: "Arnold Schwarzenegger war der Grund dafür"

Bodybuilderin Annett Urban: "Arnold Schwarzenegger war der Grund dafür"

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Annett Urban traf im März 1997 in Columbus Arnold Schwarzenegger. 
Annett Urban traf im März 1997 in Columbus Arnold Schwarzenegger. © Privat
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Bodybuilding: Kablowerin lernte 1997 den Hollywoodstar bei einer Meisterschaft in Columbus (Ohio) kennen.

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„Es juckt schon wieder sehr stark in den Händen, wieder einmal ein paar Gewichte zu stemmen. Ich werde demnächst sicherlich mit etwas Training beginnen“, sagt Annett Urban aus Kablow, die vor 20 Jahren zur Deutschen Elite bei den Frauen im Bodybuilding gehörte. Sie gewann in ihrer aktiven Zeit unter anderem 1999 und 2000 die Berliner Meisterschaft der IFBB (International Federation of Bodybuilding & Fitness), 1999 und 2000 die Bodybuilding-Meisterschaften von Sachsen-Anhalt und belegte bei den Deutschen Meisterschaften in der Open-Klasse den 4. Platz (1999 Filderstadt) und ein Jahr später Rang 7 in Germering

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Dabei hatte sie in ihrer Schulzeit, Urban besuchte die POS Heinrich Rau in Wildau, mit Bewegung nicht wirklich viel am Hut. „Ich war ein echter Sportmuffel“, erinnert sich die 51-Jährige. Nur durch einen großen Zufall entdeckte sie ihre große Liebe für den Bodybuilding-Sport. „Ich arbeitete seit 1995 im Fitnessstudio Atlantis hinter dem Tresen. Zwei Jahre später führte mich eine Auszeichnungsfahrt in die USA, wo ich in Columbus/Ohio die ,Arnold Classics’ besuchte“, erinnert sich die Kablowerin. „Bei diesen Bodybuilding-Meisterschaften lernte ich auch Schirmherr Arnold Schwarzenegger persönlich kennen, mit dem ich mich auch ein wenig über seine weltweit beliebte Sportveranstaltung unterhalten konnte. ,Arni’ war der Grund dafür, dass ich mich in den Bodybuilding-Sport verliebte, denn er schaffte es, in mir die Leidenschaft fürs Gewichtestemmen zu entfachen.“

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Nach ihrer Rückkehr schaffte es Urban, mit sehr viel Ausdauertraining erst einmal zwölf Kilogramm abzuspecken. „Anschließend startete ich mit dem Muskeltraining. Ich hatte zuvor noch nie eine Hantel in der Hand gehalten. Ich schaffte schnell 120 kg im Bankdrücken und 160 kg in der Kniebeuge. Meine Muskeln wuchsen jedenfalls echt schnell, sodass ich zwei Jahre später bereits in Berlin meinen ersten Titel gewann. Ich hatte danach Blut geleckt und bestätigte meine Leistung im selben Jahr bei den Titelkämpfen in Sachsen-Anhalt.“ Ihre guten Auftritte wurden 1999 noch mit dem vierten Rang bei den German Open belohnt.

Annett Urban im Jahr 2000 als Bodybuilderin. 
Annett Urban im Jahr 2000 als Bodybuilderin. © Privat

„Die Vorbereitungen auf die Wettkämpfe waren echt hart. Drei Monate zuvor startete ich immer mit einem Diätplan, den ich mir selbst aus Büchern erstellt habe. Ich durfte nur 1000 kcal pro Tag zu mir nehmen, keine Kohlenhydrate, Salz oder Zucker essen, dafür sehr viel Eiweiß. Beim Wettkampf wog ich jedes mal 64 kg und hatte nur vier Prozent Körperfett“, berichtet Urban, die nach nur zwei Jahren Wettkampfsport sich von diesem und dem Bodybuilding verabschiedet. Ausschlaggebend für diese Entschluss war ein Treffen vor den Deutschen Meisterschaften 2000 im bayrischen Germering. „Beim Warmmachen hinter der Bühne nahm mich ein Professor zur Seite und meinte zu mir:,Pass mal auf Mädel, wenn du weiterhin da oben mitmischen willst, dann musst du andere Sachen in Kauf nehmen.’ Diese Aussage führte dazu, dass ich nach dem siebten Platz bei der DM mit dem Abtrainieren begann“, berichtet Urban.

Unter ärztlicher Kontrolle benötige sie zwei Jahre, um 26 kg reine Muskelmasse verschwinden zu lassen. „Das war für mich schwerer als der Muskelaufbau“, sagt Urban. „Rückblickend auf meine relativ kurze Karriere im Bodybuilding bereue ich nichts. Ich habe gelernt, an meine Grenzen zu gehen und konnte diese Erfahrung auf mein bisheriges Leben übertragen. Beim Sport habe ich gemerkt, dass man alle Anstrengungen auch im Berufsleben meistern kann. Ich habe in beiden Bereichen immer Durchhaltungsvermögen bewiesen.“

Annett Urban vor dem Schloss in KW. Links im Hintergrund ist die Mühle zu sehen, neben der Urban ein Fitnessstudio für Frauen betrieb. 
Annett Urban vor dem Schloss in KW. Links im Hintergrund ist die Mühle zu sehen, neben der Urban ein Fitnessstudio für Frauen betrieb. © Oliver Schwandt

So erfüllte sie sich 2005 einen Traum vom eigenen Kursstudio für Frauen in Räumlichkeiten neben der Mühle in der Königs Wusterhausener Schlossstraße. „Das war ein kompletter Erfolg, die Resonanz der Damenwelt war unglaublich. Ich konnte gar nicht alle Frauen aufnehmen“, ärgert sie sich noch heute, dass sie nach zwei großen Wasserschäden ihr Studio aufgeben musste. In einem Haus in der Luckenwalder Straße konnte sie einen neuen Mietvertrag für ihr Studio unterschreiben. „Kurz vor der Fertigstellung der von mir konzipierten Räume hatte ich zu Hause einen Unfall, bei dem ich mir meinen rechten Fuß zertrümmerte. Aus diesem Grund musste ich das neue Studio aufgeben. Zum Glück fand ich mit der Tanzschule Rothe einen Nachmieter, der meinen Vertrag übernommen hatte. Bis heute habe ich es nicht geschafft, mir die Räumlichkeiten anzugucken, denn an diesem Projekt hing mein ganzes Herz“, sagt Urban, die seit 2014 in der Zeesener Physiotherapie Medical Fit als Fitnesstrainerin tätig ist. Heutzutage ist Annett Urbans große Leidenschaft das Fotografieren von verlassenen Orten, Bunkern, Portraits und Familien. Seit 2019 betreut sie zudem bei Facebook die Fotoseite „KW & Umgebung – damals & und heute“. Urbans Bilder können Interessierte auch im Internet unter www.format13.de begutachten.