11. Februar 2020 / 15:52 Uhr

Anreise mit dem ÖPNV: Auf der Suche nach der richtigen Verbindung

Anreise mit dem ÖPNV: Auf der Suche nach der richtigen Verbindung

Frank Neßler und Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Gerne mit Bus und Bahn unterwegs: Die Leichtathleten Ole Pilz, Paul Tucholski und Maximilian Riesner (v. l.) vom RSV Mellensee.
Gerne mit Bus und Bahn unterwegs: Die Leichtathleten Ole Pilz, Paul Tucholski und Maximilian Riesner (v. l.) vom RSV Mellensee. © Lars Sittig
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Dahme-Fläming-Region: Nicht alle Sportstätten sind gut mit Bus und Bahn erreichbar, manch eine Arena aber ist gut angebunden. 

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Sie hatten ihren Platz im hinteren Teil des Busses gefunden, in einer Vierersitzgruppe des Plusbus 715. Unschwer als Sportler des RSV Mellensee zu erkennen an ihren grünen Trainingsanzügen und den Sporttaschen: Paul Tucholski, Ole Pilz und Maximilian Riesner hatten Mitte Dezember für die Rückfahrt vom Adventssportfest in Potsdam in die Heimat Bus und Bahn als Transportmittel gewählt. „Wir nutzen den Bus, weil die Verbindung gut und schnell ist. Und klar machen wir das auch gerne, um etwas für den Klimaschutz zu tun“, sagte Paul Tucholski vor Kurzem, als er mit seinen beiden Vereinskameraden aus der Leichtathletik-Abteilung mit Medaillen und Urkunden dekoriert vom Wettkampf zurückkehrte.

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Per Bus. Wieder einmal – der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) war alles andere als eine Not- oder Verlegenheitslösung. „Wir fahren gern mit dem ÖPNV zu Wettkämpfen und auch manchmal zum Training, sofern eine gute Verbindung vorhanden ist. Dazu benutzen wir öfter als ganze Mannschaft die Bahn und auch in kleineren Gruppen den Bus, um zu verhindern, dass jeder mit Auto fahren muss“, berichtet Paul Tucholski. „Selbst beim Training in Mellensee fährt nicht jeder einzeln, sondern es werden Fahrgemeinschaften gebildet, um sowohl die Eltern als auch die Umwelt zu entlasten. Im Sommer fahren auch mehrere mit Fahrrad zum Training.“

Es ist nicht immer so einfach, eine geeignete Verbindung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs für die Wettkampfanreise zu finden, manch eine Sportstätte ist nicht gut angebunden. Aber: Es gibt auch exzellent erreichbare Arenen (siehe Infokasten). „Man sollte zumindest immer eine Alternative zum Auto prüfen“, sagt Paul Tucholski, „und die dann auch nutzen. Klar dauert das in der Regel etwas länger, aber man reist erstens entspannter und etwas mehr Zeit für Umweltschutz nehmen wir gerne in Kauf. Die Zeit, die wir investieren, opfern wir ja nicht sinnlos sondern für einen guten, wichtigen Zweck.“ Rund 90 Minuten hatte Tucholski vom Luftschiffhafen bis zur Endhaltestelle in der Goethestraße in Dabendorf am Sonnabendnachmittag benötigt (Straßenbahn und Bus) – für diese Tour berechnet der Routenplaner an einem Samstagnachmittag 40 bis 60 Minuten.

In Bildern: Die Damen der Red Dragons siegen gegen Wolfenbüttel mit 64:56.

Die Damen der Red Dragons (weiße Trikots) siegen gegen Wolfenbüttel mit 64:56. Zur Galerie
Die Damen der Red Dragons (weiße Trikots) siegen gegen Wolfenbüttel mit 64:56. © Oliver Schwandt

Ein Nachteil, wenn der Zug ausfallen und ein Team zu spät den Spielort erreichen sollte, entsteht nicht gegenüber der Anreise mit dem Auto. Ingo Widiger, der stellvertretender Vorsitzende des FLB-Spielausschusses: „Egal, ob Mannschaften mit Bus, Bahn oder Pkw anreisen, es gilt immer, dass der Gastverein im Falle einer Verspätung, den Grund dafür der spielleitenden Stelle nachweisen muss.“ Trotzdem: Manch ein Wettkampfort ist nicht einfach zu erreichen und auch der Kostenfaktor spielt eine Rolle. Manch einer hatte zwar zuletzt den Vorsatz, mit der Bahn anzureisen – scheiterte jedoch schließlich an den Verbindungen.

„Wir hatten das wirklich fest vorgehabt und wollten zum Punktspiel der Damen in der Handball-Verbandsliga Nord nach Neuruppin mit dem Zug fahren“, berichtet Abteilungsleiterin Nadine Schley vom SV Blau-Weiß Dahlewitz, „allerdings liegt die Halle weit entfernt vom Bahnhof. Wir haben deshalb auch in Erwägung gezogen, vom Bahnhof bis zum Spielort mit Großraumtaxis zu fahren – aber auch das war schwierig und am Ende wären wir wegen der späten Anstoßzeit um 18 Uhr sehr schlecht zurückgekommen.“

Es lohnt sich, Alternativen zum Auto zu prüfen

Bei einer Überprüfung der Beförderungsmöglichkeiten aber eröffnet sich manch eine Alternative zur reflexartigen Frage: „wer fährt?“ Diese Erfahrung hat auch Jens Wichitil, Floorball-Abteilungsleiter beim TSV Rangsdorf, gemacht: „Wir sind in den vergangenen Jahren mit einer größeren Gruppe regelmäßig zum Schulcup gefahren, das hat gut funktioniert“, berichtet er, „einmal mussten wir auf den Zug warten, aber es passiert ja auch mit dem Auto, dass es mal länger dauert. Die Aufsicht ist im ÖPNV zwar etwas schwieriger, aber das bekommt man auch problemlos hin. Man muss da umdenken. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinsollten, aber wir werden das in Angriff nehmen. Immerhin haben wir unsere Plastikbecher bei Heimspielen gegen Mehrwegbecher ausgetauscht.“

Auch Frank Henschel, seit vielen Jahren Trainer der Leichtathleten des RSV, nutzt mit den Trainingsgruppen Bus und Bahn. „In den Weihnachts- und Winterferien waren wir mit dem ÖPNV in Potsdam. Klar ist das auch eine Zeit- und Kostenfrage, es waren aber Ferien und wir haben ein Ticket genutzt, bei dem ein Erwachsener drei Kinder gratis mitnehmen kann.“ In Dahlewitz will man das Vorhaben, mit der Bahn zu einem Spiel zu reisen, aber nicht aufgeben. „Wir haben das weiter auf den Schirm“, sagt Nadine Schley.