30. März 2021 / 19:45 Uhr

Ans Scheitern denken Wolfsburgs Fußballerinnen nicht

Ans Scheitern denken Wolfsburgs Fußballerinnen nicht

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Frust im Hinspiel: Wolfsburg war besser, Chelsea gewann 2:1.
Frust im Hinspiel: Wolfsburg war besser, Chelsea gewann 2:1. © (c) MTI/AP
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Ein 1:0-Sieg würde reichen - aber das ist nicht der einzige Grund, warum die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg trotz der Niederlage im Hinspiel gegen Chelsea optimistisch in die zweite Partie am Mittwoch gehen.

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Viertelfinal-Aus in der Champions League? Nach dem 1:2 in Hinspiel gehen die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg nicht unbedingt als Favorit ins Rückspiel am Mittwoch (14 Uhr, live auf Sport1 und Wölfe TV) gegen den FC Chelsea. Aber mit einem Scheitern beschäftigt sich beim vielfachen deutschen Meister niemand - sondern lieber mit den Wegen zum Weiterkommen.

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Trainer Stephan Lerch: "Ich kann mir unterschiedliche Szenarien vorstellen. Wenn wir ein frühes Tor erzielen, wäre das auf der einen Seite super, es gibt einen zusätzlichen Push und setzt Chelsea unter Druck." Aber: "Es kann auch sein, dass wir aus einer guten Defensive heraus das Spiel lange offenhalten und im zweiten Abschnitt des Spiels zuschlagen. Uns reicht auch in der 89. Minute das entscheidende Tor." Doch selbst dann wäre das noch ein viel zu gefährliches Ergebnis, deswegen heißt die Devise: "Wir wollen nicht nur verwalten - sondern nachlegen, wenn sich die Chancen ergeben."

Mut macht das Hinspiel, das wie die zweite Partie in Budapest stattfand. Denn da war der VfL die bessere Mannschaft, scheiterte an mangelnder Chancen-Verwertung, individuellen Fehlern und nicht zuletzt auch am Pech. "Wir haben einen tollen Auftritt hingelegt, waren spielbestimmend und haben uns viele Chancen herausgespielt", so VfL-Nationalspielerin Svenja Huth. "Wir haben es leider nur verpasst, uns dafür zu belohnen." Die 30-Jährige weiß: "Wir haben jetzt Halbzeit und noch 90 oder sogar 120 Minuten, um das Rückspiel zu gewinnen. Genau mit dieser Einstellung, dem Mut, der Leidenschaft und unserem Selbstvertrauen gehen wir in das Rückspiel - davon bin ich absolut überzeugt."

Erst Chelsea, dann steht am Sonntag im DFB-Pokal-Halbfinale der FC Bayern dem vermeintlich realistischsten Titelgewinn 2021 im Weg. Eine Woche der Entscheidung. Druck? Nein, findet Huth: "Wir gehen diese Woche mit viel Hoffnung und Mut an. Weil man genau in solchen Spielen über seine Grenzen hinauswachsen kann, als Einzelspielerin und als Mannschaft. Wir sind stark zusammen, das haben wir bereits mehrfach bewiesen. Und genau das gilt es, jetzt auf dem Platz umzusetzen."

Wichtig: Kapitänin Alexandra Popp, die beim 3:1-Erfolg gegen den SC Sand am vergangenen Wochenende aufgrund eines positiven Corona-Tests im familiären Umfeld passen musste, ist mit dabei. Lerch: "Sie ist momentan wirklich sehr gut drauf. Jeder weiß, wie wichtig sie als Führungsspielerin für uns ist. Sie stand solchen Situationen schon öfter gegenüber - diese Erfahrung kann sie mit reinbringen und andere können sich daran orientieren." Lena Oberdorf darf zwar aufgrund einer Gelb-Sperre nicht spielen, trat die Reise aber mit an. Lotta Cordes rückte in den Kader nach.

Gegner Chelsea, so VfL-Trainer Lerch, wird "wieder auf Fehler von uns setzen" und könne mit der eigenen Leistung im Hinspiel "eigentlich nicht zufrieden sein". Auch das mache Mut. Weil die erste Partie formal ein Chelsea-Heimspiel war, würde dem VfL in seinem neunten Viertelfinale (bei neun Teilnahmen!) ein 1:0 im Rückspiel reichen. Und: Diesmal ist der VfL das "Heimteam" - und ihre Heimspiele haben die Wolfsburgerinnen in dieser Saison alle gewonnen...

Chelsea-Trainerin Hayes: "Spielen auf Sieg"

Die Gegner aus London haben es nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel selbst in der Hand, doch auch Chelsea-Trainerin Emma Hayes weiß, dass noch nichts entschieden ist. "Unser Fokus und unsere Konzentration muss voll da sein, da ich noch viel mehr unerbittlichen Druck seitens der Wolfsburgerinnen erwarte", so die 44-Jährige. Nichtsdestotrotz "spielen wir voll auf Sieg. Ich schaue dabei nicht auf Heim- oder Auswärtsspiel. Wir hatten Zeit, unser Spiel vom letzten Mittwoch ausgiebig zu analysieren, und ich weiß, dass wir in der Lage sind, auf noch höherem Niveau zu spielen."

Mit Bethany England steht dazu eine weitere Offensivspielerin zur Verfügung, im Hinspiel musste sie wegen einer Kopfverletzung aussetzen. Wolfsburg, so Hayes, "stand bereits mehrfach im Finale der Champions League. Wir sind jetzt erst zur Hälfte durch, aber der VfL weiß, wie es ist, in so einer Position zu sein. Ich gehe davon aus, dass das Spiel und die Herausforderungen, vor die sie uns stellen, noch einmal viel größer als im Hinspiel sein werden."