13. September 2019 / 11:28 Uhr

Ansgar Brinkmann im Interview: "In welchem Mannschaftsteil ist 96 stark?"

Ansgar Brinkmann im Interview: "In welchem Mannschaftsteil ist 96 stark?"

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der weiße Brasilianer mit Bielefelder Vergangenheit: Ansgar Brinkmann blickt nicht nur auf das Spiel zwischen Hannover 96 und dem DSC Arminia, sondern auch auf seinen Ruf, das RTL-Dschungelcamp und seinen Kofferraum-Inhalt.
Der "weiße Brasilianer" mit Bielefelder Vergangenheit: Ansgar Brinkmann blickt nicht nur auf das Spiel zwischen Hannover 96 und dem DSC Arminia, sondern auch auf seinen Ruf, das RTL-Dschungelcamp und seinen Kofferraum-Inhalt. © imago/onemorepicture/Montage
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Wenn der Name Ansgar Brinkmann fällt, wissen Fußball-Nostalgiker, es handelt sich um den lebhaften "weißen Brasilianer", der das Herz auf der Zunge trägt. Auch dieses Interview beweist das. Was RTL mit seinem Dschungelcamp-Abschied zu tun hat, warum Hannover 96 ein Jan Simak fehlt und wie er selbst seinen Ruf als Feierbiest instruierte, das er doch eigentlich gar nicht ist, erzählte er dem SPORTBUZZER.

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Sie nannten ihn den „weißen Brasilianer“. Wie auch immer. Ansgar Brinkmann (50) wurde in einer Umfrage des Magazins „11 Freunde“ neben Paul Breitner, Günter Netzer und Mehmet Scholl zu den echten Typen des deutschen Fußballs gewählt. Er zählt zu den Spielern mit den meisten Vereinswechseln in Deutschland – kein Wunder, dass er auch für den nächsten 96-Gegner Arminia Bielefeld (2001 bis 2003) spielte. Ein Interview. 

Herr Brinkmann, an was erinnern Sie sich, wenn Sie an Hannover gegen Bielefeld denken?

Ich erinnere mich vor allem an Spiele gegen Jan Simak und Co., es war eine richtig gute Truppe, die ihr damals in Hannover am Start hattet. Und die ist ja dann auch aufgestiegen. Ich weiß von den Bielefeldern, dass Hannover immer was Besonderes ist – auch aufgrund der Entfernung.

Sie sind Bielefelder geblieben.

Bielefeld ist meine Wahlheimat, ich habe eine Bielefelder Freundin. Ich fühle mich da sauwohl. Die Stadt ist mir sehr wohlgesonnen – und das beruht ja auf Gegenseitigkeit. Ich bin bei jedem Heimspiel – und am Samstag komme ich auch nach Hannover.

Wie ist die Arminia einzuschätzen?

Wir haben richtig gute Jungs am Start, waren in der vergangenen Saison die beste Rückrundenmannschaft. Wir sind jetzt auch ganz ordentlich gestartet – und ich traue es der Mannschaft zu, dass sie bis zum Schluss um die ersten drei Plätze mitspielt. Wir haben eine gute Mischung mit jungen Leuten, die noch weiter wollen. Das macht richtig Spaß.

Und 96?

Euer Trainer war ja mal mein Co-Trainer bei Tennis Borussia Berlin unter Winfried Schäfer – das war eine geile Zeit … (lacht) Mirko Slomka hat damals auch schon einen guten Job gemacht, also mehr gemacht als Winnie Schäfer – also eigentlich hat Slomka den Job gemacht. Aber ich schweife ab. Jetzt hat er ja wieder den Job in Hannover, wahrscheinlich, weil er da ein gutes Netzwerk hat. Er hat gute Jungs – mit denen müsst ihr schon um die ersten zwei, drei, vier Plätze spielen. Was für Bielefeld gilt, gilt auch für Hannover.

Die torreichsten Spiele von Hannover 96 seit der Jahrtausendwende:

Deutliche Niederlage, hoher Sieg oder ein packendes Unentschieden: Hannover 96 hat in diesem Jahrhundert schon viel erlebt. Wir haben die torreichsten Spiele der Roten seit der Jahrtausendwende zusammengetragen.  Zur Galerie
Deutliche Niederlage, hoher Sieg oder ein packendes Unentschieden: Hannover 96 hat in diesem Jahrhundert schon viel erlebt. Wir haben die torreichsten Spiele der Roten seit der Jahrtausendwende zusammengetragen.  ©
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Wie stark ist die 2. Liga?

Die 2. Liga ist schon seit Jahren stark. Dass Hamburg und Köln mit einem Top-Etat runterkommen und mal so eben durchmarschieren, das ist vorbei. Die 2. Liga ist gefährlich. Ich kenne keinen Klub, wo du mal eben hinfährst, gar nichts zeigen musst und trotzdem 1:0 gewinnst.

Sie haben immer was gezeigt. Bei Ihrer ersten Profistation 1987 in Osnabrück soll Ihr Trainer Rolf Schafstall gesagt haben: „Der Ansgar spielt nicht typisch deutsch, sondern eigentlich wie ein Brasilianer.“ Der „weiße Brasilianer“ war geboren.

Keine Ahnung, wer das war, Rolf Schafstall, die Journalisten … Ich sage Ihnen: Ich war einfach der Beste.

Sie wurden auch „Trinkmann“ genannt.

Das ist ja totaler Schwachsinn. Fragen Sie bei allen Vereinen nach, in denen ich gespielt habe, meine Mitspieler von damals werden Ihnen bestätigen, dass ich zu den zwei, drei Spielern gezählt habe, die am wenigsten getrunken haben. Ich habe bis heute keine Zigarette geraucht, nicht einen Zug auf Lunge. Die einzigen Drogen, die ich gesehen habe, waren die bei „Miami Vice“ im Fernsehen. Ich habe nie die ganze Nacht gezockt. Sicherlich war ich nicht einfach. Ich habe zwei-, dreimal im Jahr gefeiert, dann hat es auch jeder mitgekommen, dann war ich auch kurz vor den 20-Uhr-Nachrichten.

Legendär ist die Ansage auf Ihrem Anrufbeantworter: „Bin bis 5 Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen.“

Das ist ja das Problem, wenn sie 19 oder 20 Jahre alt sind. Da hat die BILD bei mir angerufen – und dann ist der Anrufbeantworter rangegangen. Natürlich hat das alles befeuert, ich habe schon dazu beigetragen, dass die Leute denken, der feiert nur. Wenn das so gewesen wäre, hätte ich nicht 20 Jahre in diesem Beruf durchgehalten. Ich bin durch und durch Sportler, ich komme aus einer sportbegeisterten Familie.

Ansgar Brinkmann - seine besten Sprüche

Ansgar Brinkmann ist für seine Sprüche bekannt. Zur Galerie
Ansgar Brinkmann ist für seine Sprüche bekannt. ©

Beim Bielefelder Lokalsender Radio Bielefeld prägten Sie die Floskel „Das braucht kein Mensch“.

Ich habe das sehr früh gesagt. Ich bin auch nachts durch die Gegend gecruist, habe mir ’ne eiskalte Coke an der Tanke geholt und Mitspieler angerufen. Dann habe ich gesagt: „Wenn ich du wäre, wäre ich gerne ich“ – und einfach aufgelegt. Das hat Monate gedauert, bis die mal gemerkt haben, wer das war. Da habe ich richtig Ärger bekommen.

„Wenn ich du wäre, wäre ich gerne ich“ ist auch der Titel Ihres Buches.

Ich weiß gar nicht, wann mir das eingefallen ist. Aber ein bisschen kreativ bin ich ja auch unterwegs.

Sie waren auch im Dschungelcamp. Warum sind Sie da freiwillig wieder rausgegangen?

Bei mir fragen alle Formate seit zehn Jahren an – und ich habe alles abgesagt. Dann hat der Calli Calmund mal zu mir gesagt: Du erlebst doch gern was, dann geh mal ins Dschungelcamp. Ich kann Ihnen sagen: Ich möchte keine Sekunde missen, es war ein Erlebnis. Aber um die Frage zu beantworten … Wie war die Frage noch mal?

Warum sind Sie da freiwillig raus?

Man kommt da ja immer in so einen Interviewraum, dann sagen die: Ansgar mach dies, Ansgar mach das, geh auf Natascha Ochsenknecht los und so. Da habe ich zu RTL gesagt: Leute, hört auf, mich zu therapieren. Nach dem vierten oder fünften Mal habe ich dann gesagt, ich gehe nach Hause. Die haben gesagt, wir ziehen dir 70 000 Euro ab, da habe ich gesagt: Mein Gott: Dann habe ich ja nur noch 100 000. (lacht) Ob ich jemanden gut oder schlecht finde, das entscheide immer noch ich und nicht RTL. Deshalb bin ich gegangen.

Fußballer im Dschungelcamp: Von Ailton bis Thorsten Legat

Thomas Hässler hat berühmte Vorgänger im Dschungelcamp Zur Galerie
Thomas Hässler hat berühmte Vorgänger im Dschungelcamp © imago

Im Dschungelcamp muss man zur Strafe Lieblingssachen abgeben. Bei Ihnen ist das Ihr Longboard, das haben Sie auch bei sich im Kofferraum liegen, wie Ihr Whatsapp-Profilfoto zeigt.

Ich habe mein Longboard immer dabei, das macht Spaß, so durch die Gegend zu cruisen. Andere sammeln Briefmarken, ich sammele Straßen. Einfach Zeit haben, Luft holen und cruisen.

In Ihrem Kofferraum befindet sich auch noch ein Fußball und eine Flasche Johnnie-Walker-Whisky, ist das richtig?

Jack Daniels. (lacht) Ja, hin und wieder, zwei-, dreimal im Jahr, bin ich nicht berechenbar.

Warum sind Sie eigentlich nie Nationalspieler geworden?

Wir hatten mal mit der Niederrhein-Auswahl ein Spiel gegen die deutsche U21 mit Berti Vogts als Trainer. Ich hatte einen guten Tag, habe den Pfosten getroffen, Dribblings gemacht, ein Tor vorbereitet. Und Berti Vogts ruft mich zu sich rüber, sagt: „Ansgar, gutes Spiel von dir, und ich würde dich auch gern beim nächsten Mal einladen. Aber wir haben kein Spiel mehr.“ Ganz ehrlich: Warum ruft der mich rüber? Ist der wahnsinnig? Ich sage heute noch: Der DFB hat angefangen mit dem Scheiß. Aber später lag es auch ein bisschen an mir.

Und wie geht’s am Samstag in Hannover aus?

Ich schaue viel 2. Liga, bin voll im Thema. Aber 96? Wo sind die stark, in welchem Mannschaftsteil? Oder individuell? Du brauchst diese spezielle Mischung in der 2. Liga. Du hast nicht viel Zeit, den Ball anzunehmen, das ist immer noch so. Du brauchst auch ein paar Jungs, die nicht nur kicken, sondern auch dagegenhalten können. Der HSV hat es im ersten Jahr nur mit Fußball probiert. Hannover hat diese Mischung anscheinend noch nicht gefunden. Ich weiß jetzt auch nicht, ob Aogo der Heilsbringer ist. Seine Frau war bei „Volle Kanne“ im Frühstücksfernsehen, das war sehr sympathisch. Ich sehe bei euch keinen Simak, ich sehe bei euch keinen aggressiven Sechser, ich sehe bei euch keine zwei, drei auf dem Platz, die mal sechs, sieben Spiele in die richtige Richtung kippen können, das sind 21 Punkte. Dann entscheidet sich, ob du oben dabei bist oder zwischen Platz sechs und zwölf.

Nicht selten ging es in der Vergangenheit nochmal rund in den letzten Tagen oder Stunden vor Ende der Transferperiode. Eine kleine Übersicht über die Last-Minute-Hours-Days-Transfers der vergangenen Jahre.

Fredi Bobic (Mitte) wurde von Manager Ricardo Moar (rechts) und Trainer Ralf Rangnick im September 2002 nach drei Spielen und null Punkten vom Aufsteiger als Neuzugang präsentiert. Der Plan mit dem von Borussia Dortmund verpflichteten Mann ging auf - Bobic schoss 14 Tore und hatte maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt. Zur Galerie
Fredi Bobic (Mitte) wurde von Manager Ricardo Moar (rechts) und Trainer Ralf Rangnick im September 2002 nach drei Spielen und null Punkten vom Aufsteiger als Neuzugang präsentiert. Der Plan mit dem von Borussia Dortmund verpflichteten Mann ging auf - Bobic schoss 14 Tore und hatte maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt. ©

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