12. Januar 2021 / 18:36 Uhr

Anstatt gegen die Bayern zu spielen musste Timo Bruns auf den Abschleppdienst warten

Anstatt gegen die Bayern zu spielen musste Timo Bruns auf den Abschleppdienst warten

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Mit Haken und Ösen: Nicht ganz regelgerecht setzt sich der Meiendorfer Helge Mau in dieser Szene (hinten) gegen Holsteins Timo Bruns durch.
Mit Haken und Ösen: Nicht ganz regelgerecht setzt sich der Meiendorfer Helge Mau in dieser Szene (hinten) gegen Holsteins Timo Bruns durch. © Tamo Schwarz
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Der Sportbuzzer blickt zurück auf die Karrieren regionaler Fußballgrößen. Heute richtet sich unser Fokus auf den ehemaligen Holstein-Spieler Timo Bruns, der momentan das Traineramt bei der SpVg Eidertal Molfsee ausübt.

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Garantierter Platz in der Startelf. Gegner: Der FC Bayern München. Holstein-Coach Hans-Werner Moors hatte ihn nominiert. Für den damals 21-jährigen Timo Bruns die Gelegenheit, sich mit den ganz Großen im internationalen Fußball messen zu können. Als Timo als kleiner Junge beim NDTSV Holsatia zu kicken begann, ahnte er nicht, dass er einmal diese Chance bekommen würde.

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Mit fünf begann er, dem runden Leder hinterher zu laufen und spielte in der D- und C-Jugend von Holsatia noch mit einem Kumpel zusammen, dessen Name später einmal im Kieler Raum bekannt werden sollte: Fiete Sykora. „Mit Fiete habe ich so lange zusammengespielt, bis er nach Rostock umgezogen ist. In der A-Jugend bin ich dann zum TSV Klausdorf gewechselt. Das war für mich ein großer Sprung. Da ging es gegen die starken Mannschaften aus dem Lübecker Raum“, erinnert sich der heute 39-jährige auch daran, dass ihn sein Jugend-Trainer Jörg Ahrens im ersten Herrenjahr mit zum Bezirksoberligisten TuS Gaarden nahm. „Das war für mich der nächste große Schritt. Von der Jugend gleich in die Bezirksoberliga“, so Bruns, dessen rasante Entwicklung nicht verborgen blieb. Holstein Kiel wurde auf den 1.80 Meter großen Mittelfeldspieler aufmerksam und unterbreitete das Angebot, für die zweite Mannschaft in der Oberliga zu spielen. „Das war schon verrückt. Da saß Holstein Manager Horst Kratzert zusammen mit mir bei meinen Eltern. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich war so stolz darauf, als Kieler Jung bei Holstein spielen zu dürfen“, erinnert sich Timo Bruns auch an die erfolgreiche Zeit danach. Ein Höhepunkt war der Gewinn der Oberligameisterschaft 2004 zusammen mit Danilo Blank und Güner Kopuk, Ligaspieler, die nach Verletzungen zunächst in der Zweiten aufgebaut werden sollten.

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Zu den in Aussicht gestellten und erhofften Einsätzen in der Ersten kam es allerdings nur selten. „Ich habe zwar bei der Liga mittrainiert, aber den Sprung nie geschafft. Mehr als ein paar Einsätze bekam ich nicht. Aber an einen kann ich mich genau erinnern. 2003 im letzten Punktspiel beim VfL Osnabrück stand ich endlich mal in der Startelf. Für uns ging es zwar um nichts mehr, aber Osnabrück musste gewinnen, um in die Zweite Bundesliga aufzusteigen. Das war schon eine irre Atmosphäre. 17000 Zuschauer an der Bremer Brücke. Da war richtig was los. Da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut, auch wenn wir 2:0 verloren haben“, gibt der Familienvater von zwei Kindern zu.

Vor dem ultimativen Höhepunkt stand Timo Bruns nur wenige Wochen später. Für das Freundschaftsspiel am 25. Juli 2003 gegen den FC Bayern München wurde der 21-jährige erneut für die Startelf nominiert. 13000 Zuschauer waren gekommen um das Kräftemessen ihrer Kieler Elf mit Michael Ballack, Mehmet Scholl, Claudio Pizarro oder Giovanne Elber zu sehen. Doch Timo Bruns stand bei der 2:6-Niederlage nicht auf dem Platz. Was war geschehen?

„Zwei Freunde aus Hannover wollten das Spiel auch gucken, und ich habe mich angeboten, die aus Hamburg vom Bahnhof abzuholen. Auf dem Rückweg qualmte auf einmal die Motorhaube. Nichts ging mehr. Stundenlang haben wir auf den Abschleppdienst gewartet und lange in der Werkstatt gesessen. Die Stunden vergingen. Schließlich traf ich zur zweiten Halbzeit im Stadion ein, und habe die letzten Minuten des Spiels im Stadioneingang sehen können“, ist Bruns überhaupt nicht stolz auf seinen Einfall. Jugendliche Unbekümmertheit, die bitter bestraft wurde. Dabei handelte der Gebäudemanager ansonsten überlegt. Als Holstein Kiel den Wolfsburger Carsten Fischer für die Position von Bruns verpflichtete, sah der inzwischen 22-jährige für sich keine Zukunft mehr bei den Störchen und wechselte zur FT Eider Büdelsdorf. Eine richtige Entscheidung, da sich der Blondschopf nun intensiver um seine Ausbildung kümmern konnte.

Doch nur zwei Jahre später kehrte Timo Bruns zu Holstein zurück. Wieder mit der Aussicht, Ligaspieler zu werden. Doch erneut gab es nur wenige Einsätze. Allerdings sind ihm diese Spiele in Erinnerung geblieben. Da war das 3:5 in Wuppertal, in dem es der Defensivakteur mit Bundesligaspieler Fatmir Vata zu tun bekam. Oder aber das Heimspiel gegen Braunschweig (1:1) als sein Kontrahent Karim Bellarabi auch zu unlauteren Mitteln griff, um bestehen zu können. „Ich war wohl der einzige, der noch nebenbei gearbeitet hat. Vielleicht hätte ich mich mal ein, zwei Jahre ganz auf den Fußball konzentrieren und alles auf die Fußball-Karte setzen sollen. Vielleicht hätte ich es dann ja geschafft“, überlegt Timo Bruns, der 2010 bei Holstein keinen neuen Vertrag mehr erhielt und über den FC Sylt, ETSV Weiche Flensburg zum TSV Altenholz kam und dort seine aktive Karriere nach einem Kreuzbandriss beendete. Heute steht Timo Bruns an der Seitenlinie und coacht den Landesligisten SpVg Eidertal/Molfsee.