26. September 2019 / 10:24 Uhr

Neue Anti-Doping-Regeln: Äthiopien kann sich keine vollständigen Kontrollen leisten

Neue Anti-Doping-Regeln: Äthiopien kann sich keine vollständigen Kontrollen leisten

Felix Lill
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Doping-Beauftragter Mekonnen Yidersal sieht die Entwicklung der Kontrollen in Äthiopien positiv - doch es fehlt das Geld, alle Sportler regelmäßig zu überprüfen.
Doping-Beauftragter Mekonnen Yidersal sieht die Entwicklung der Kontrollen in Äthiopien positiv - doch es fehlt das Geld, alle Sportler regelmäßig zu überprüfen. © Getty Images / Felix Lill / Montage
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Die neuen Anti-Doping-Regeln greifen bei der Leichtathletik-WM in Doha zum ersten Mal. Für vier Nationen haben sich die Kontrollen stark verschärft. Der SPORTBUZZER hat mit dem Leiter der Anti-Doping-Agentur in Äthiopien gesprochen, der beim Thema Doping keine Toleranz zeigen möchte. 

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In der Brust von Mekonnen Yidersal dürften dieser Tage zwei Herzen schlagen. Das eine pocht stärker bei Siegen seiner Nation, die so berühmt ist für Goldmedaillen im Laufsport. Das andere müsste rasen, wenn seine Landsleute des Dopings überführt werden. Dann nämlich haben auch er und seine Leute einen gründlichen Job gemacht. „Ich versuche es aber nicht so zwiespältig zu sehen“, sagt der 36-jährige, der die Anti-Doping-Agentur von Äthiopien anführt. „Ich finde, wenn wir keine positiven Fälle sehen, haben wir unsere Aufgabe auch erfüllt.“ Schließlich sei dann gar nicht erst gedopt worden.

Wenn am Freitag die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha beginnen, gehören die Läufer aus Äthiopien wieder zu den Favoriten. Dabei ist es diesmal besonders ungewiss, ob sie ihrer Rolle gerecht werden können. Es ist die erste WM, bei der neue Anti-Doping-Regeln greifen, durch die illegale Leistungssteigerungen stärker unterbunden werden sollen. Nach dem Skandal um systematisches Doping insbesondere in Russland beschloss der Leichtathletikweltverband IAAF vergangenes Jahr, dass fortan nicht mehr nur die Athleten, sondern auch die nationalen Verbände in die Pflicht genommen werden.

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM in Doha

Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. Zur Galerie
Das sind die deutschen Medaillengewinner der Leichtathletik-WM: Unter anderen Christina Schwanitz, Konstanze Klostermann und Malaika Mihambo holten Edelmetall. ©
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Bei der jüngsten WM belegte Äthiopien Platz acht im Medaillenspiegel

Das Büro von Yidersal liegt am Rande von Addis Abeba. Auf seinem Laptop klebt ein Sticker mit dem Spruch „Say No! To Doping“. Der oberste Dopingjäger des Landes sitzt auf einem Sofa und will sich zuversichtlich zeigen: „Mit den neuen Regeln wurden alle Länder in Risikogruppen eingeteilt, je nach deren Erfolgen. Weil wir so viel gewinnen, sind wir in der obersten Gruppe.“ Die neue Strenge sei ja auf eine Weise auch ein Kompliment.

Bei der jüngsten WM belegte Äthiopien Platz acht im Medaillenspiegel, kein anderes der ärmsten Länder der Welt schnitt so stark ab. Die zwei Gold- und drei Silbermedaillen wurden alle in Laufwettbewerben längerer Distanzen gewonnen. Auch bei Olympischen Spielen holt Äthiopien vor allem in diesen Disziplinen, die als besonders dopinganfällig gelten, viele Medaillen. Ebenfalls zur „Kategorie A“ für Dopingrisiko gehören Kenia, Weißrussland und die Ukraine. Die Verbände aus diesen Ländern müssen nun häufiger Dopingtests außerhalb der Wettkampfzeiten dokumentieren – durchgeführt von der nationalen Anti-Doping-Agentur.

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Die Regeländerung der IAAF wurde weitgehend begrüßt, weil nun nicht mehr bloß ein Athlet verantwortlich ist, wenn ein Test positiv ausfällt. Allerdings ist auch die Frage, wie sehr gerade arme Länder die neuen Regeln umsetzen können. Die Vereinten Nationen ordnen Äthiopien in die Gruppe der am niedrigsten entwickelten Länder der Welt ein. Trotz hohen Wirtschaftswachstums liegt das durchschnittliche Monatseinkommen nur bei rund 60 Euro. In den zehn Monaten vor einer WM oder Olympia müssen pro Athlet nun mindestens drei Dopingtests durchgeführt werden. Je nach Testart, sagt Yidersal, kostet eine Dopingprüfung 100 bis 400 Euro.

„Für 2019 haben wir ein Budget von 10 Millionen Birr (rund 300 000 Euro) und 43 Dopingprüfer für das ganze Land. Damit können wir unmöglich alle unsere Athleten testen.“ Aber in den letzten eineinhalb Jahren habe man über 1000 Tests durchgeführt, die Ergebnisse seien erfreulich. Auf der Website der Anti-Doping-Agentur sind „nur“ 13 Athleten gelistet, die gesperrt wurden, nachdem deren Tests positiv ausgefallen waren. „Unsere Prüfer gehen auch zu Nachwuchsturnieren und machen überall auf die Risiken von Doping aufmerksam. Wir haben null Toleranz.“

Doping-Beauftragter Mekonnen Yidersal zu den Maßnahmen in Äthiopien: "Wir haben null Toleranz."

Yidersal ist sicher: „Die internationalen Institutionen des Sports vertrauen uns, die ganze äthiopische Gesellschaft ist gegen Doping.“ Aber wie potent kann die nationale Agentur sein, wenn sie ihr Budget doch von der äthiopischen Regierung bekommt, die Interesse an äthiopischen Medaillen hat? Yidersal gibt zu: „Es wäre schon besser, wenn wir unser Budget von internationalen Geldern bekämen. Aber wir sind auch froh, dass sich die Regierung unserer Arbeit verpflichtet fühlt.“ Denn schließlich sei man verpflichtet zum Hin- und nicht zum Wegsehen.

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