02. August 2021 / 16:08 Uhr

Antrag abgelehnt: TeBe Berlins Aktion für Opfer rechter Gewalt untersagt

Antrag abgelehnt: TeBe Berlins Aktion für Opfer rechter Gewalt untersagt

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
TeBe
Die Berliner Mannschaft tragen die speziellen Aufwärm-Shirts. © TB Berlin
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Der Regionalligist TeBe Berlin wollte beim Spiel gegen den FSV Union Fürstenwalde per Trikotwerbung einen Opferfonds rechter Gewalt unterstützen. Dadurch geriet der Verein in Konflikt mit dem Nordostdeutschen Fußball-Verband, welcher letztendlich ein Verbot aussprach.

Leipzig. Als vor wenigen Wochen die UEFA nachprüfte, ob es rechtens sei, dass der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde tragen darf oder eine regenbogenfarbene Euro-Spielstätten-Beleuchtung gleich ganz verbot, gab es kurzfristig eine Debatte um den Stellenwert von Fußball in der Gesellschaft, seinen Einfluss auf Demokratie und seinen Einsatz gegen Rassismus und Homophobie. Eine wichtige Diskussion, die nicht nur zu Großereignissen geführt werden sollte. Aktuell wird mit der Saison 2021/22 der Drei-Stufen-Plan vom Deutschen Fußballbund eingeführt, der rassistische Diskriminierung auf und neben dem Platz regelt.

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Als der Regionalligist Tennis Borussia Berlin nun zum zweiten Spieltag gegen den FSV Union Fürstenwalde mit der Aufschrift „CURA – Opferfonds Rechte Gewalt“ auflaufen wollte, scheiterte dies am Verbot durch den Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV).

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CURA geht auf eine Initiative von Ursula Kinkel, Ehefrau des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel zurück. Sie initiierte 1993 nach den Brandanschlägen auf Asylbewerberheime in Mölln und Hoyerswerda die Aktion Cura, um Opfern schnell und unbürokratisch zu helfen. Seit 2004 betreut die Amadeu Antonio Stiftung das Projekt, das neben der Unterstützung auch auf „Hassgewalt als gesellschaftliches Problem“ hinweist und Übergriffe dokumentiert.

Nicht nachvollziehbar

„Wir hatten schon letzte Woche beantragt, so lange mit CURA auf der Brust auflaufen zu dürfen, bis wir einen neuen Hauptsponsor haben. Der Antrag wurde abgelehnt mit Verweis auf Paragraf 25, Absatz 8 der Spielordnung, die politische Botschaften verbietet“, erklärt Tobias Schulze von TeBe gegenüber dem SPORTBUZZER vergangene Woche. In der Spielordnung Paragraf 25 Allgemeinverbindliche Vorschriften über die Beschaffenheit und Ausgestaltung der Spielkleidung besagt Punkt 8: „Die Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen wird nicht genehmigt.“

Was dies im Zusammenhang mit CURA und der Unterstützung von Opfern rechter Gewalt bedeutet, erklärte der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz, der den im Urlaub befindlichen NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs vertritt, gegenüber rbb durch die Nennung „rechte Gewalt“. Auch wenn er dann doch noch etwas zurück rudert und erklärt, dass jede Initiative gegen Gewalt grundsätzlich zu begrüßen sei.

„Wir können das nicht nachvollziehen, da wir gesellschaftliches Engagement und die Unterstützung gemeinnütziger Organisationen nicht als politische Aussage verstehen. Wir sehen es auch nicht als unausgewogen an, sich bei so einer Aktion für einen speziellen Opferfonds zu entscheiden“, so TeBe am Donnerstag. Vielmehr versteht der Regionalligist die Wahl von CURA auch im Zusammenhang mit der eigenen Vereinsgeschichte – wie „Verfolgung und Ermordung früherer jüdischer TeBe-Mitglieder im Nationalsozialismus.“ An diesen Abschnitt in der deutschen Geschichte erinnert auch der Fußball alljährlich innerhalb der Aktion “Nie wieder!“ rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.


Probleme mit Antrag

Auf den zweiten Antrag – als Sondergenehmigung nur am zweiten Spieltag gegen Fürstenwalde mit dem CURA-Schriftzug aufzulaufen – erhielt der Verein nun eine schriftliche Begründung des NOFV. Der Verband bezieht sich auf Paragraf 25, Punkt 8 und argumentiert, dass "im konkreten Fall ist eine politische Aussage zu erkennen." Gleichzeitig hält der NOFV fest, dass er für "Vielfalt und Toleranz" eintritt und gegen "rassistische, verfassungs- und fremdenfeindliche Bestrebungen sowie anderen diskriminierende oder menschenverachtende Verhaltensweisen". Doch bei all diesen Bekenntnissen steht die Werbung für CURA allerdings gegen die "politische und konfessionelle Neutralität des Sportverbandes."

Der NOFV hat laut Schreiben vor allem ein Problem damit, dass der Schriftzug und damit die Stiftung "eine Eingliederung von Personen in spezielle Gruppen" vornimmt. Ein viel größeres Problem besteht ganz offensichtlich darin, dass sich die Amadeu Antonio Stiftung "nur für gruppenbezogene Menschenfreundlichkeiten" einsetzt und sich ganz offensichtlich nicht "mit den Opfern aller anderen - auch politisch motivierten - Gewalttaten" auseinandersetzt. Sorge bereitet ihm zudem, "dass sich eine bestimmte Gruppe von Personen durch die Werbung provoziert fühlen könnte."

Mit anderen Worten: Die Angst des NOFV vor Rechten in Stadien wiegt bei der Entscheidung mehr als sich an der eigenen Spielordnung zu orientieren. Dort ist im Punkt 4 nachzulesen: „Die Werbung darf nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral verstoßen.“