07. Mai 2019 / 20:39 Uhr

Anwälte, Gerichte, Vorwürfe: Recken liegen mit Arena-Chef Papenburg im Streit

Anwälte, Gerichte, Vorwürfe: Recken liegen mit Arena-Chef Papenburg im Streit

Carsten Bergmann und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Günter Papenburg (rechts) und die Recken um Geschäftsführer Eike Korsen könnten sich doch noch außergerichtlich einigen.
Günter Papenburg (rechts) und die Recken um Geschäftsführer Eike Korsen könnten sich doch noch außergerichtlich einigen. © Florian Petrow/Nancy Heusel/Rainer Dröse
Anzeige

Kommen sie nochmal zusammen? Zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und Günter Papenburg, dem Chef der Tui-Arena, gibt es mächtig Ärger. Es geht um verlorenes Vertrauen, ausbleibende Zahlungen sowie fehlende Einblicke in Geschäftsunterlagen. Papenburg droht sogar mit dem Rückzug. Vorwürfe kommen von beiden Seiten - eine Einigung muss nun per Gericht erfolgen.

Anzeige
Anzeige

Es sollte eine märchenhafte Zusammenarbeit werden, aktuell gibt’s nur Drama. Als die Recken vor zwei Jahren ihren Teilumzug in die eindrucksvolle Tui-Arena mit ihren 10 000 Plätzen verkündeten, waren daran potenzielle Millionenzahlungen von Arena-Eigner Günter Papenburg gekoppelt.

Beim Hallenwechsel ging’s um mehr Zuschauer, mehr Sponsoren – und mit den Extraeinnahmen auch um mehr sportlichen Erfolg, um in die erweiterte Spitze der Handball-Bundesliga vorzustoßen. Doch nach SPORTBUZZER-Informationen ist bisher nur ein winzig kleiner Teil des eingeplanten Papenburg-Geldes tatsächlich geflossen.

Der erfolgreiche Bauunternehmer fühlt sich hintergangen, hält die Zahlungen zurück. Die Recken fühlen sich ihrerseits unfair behandelt. Nach einem neuen Vorstoß droht jetzt das endgültige Ende der Zusammenarbeit – Papenburg droht mit Ausstieg!

Das sind die nächsten Spiele der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2019/20

<b>17. Spieltag:</b> HC Erlangen (H, Tui-Arena), Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19 Uhr Zur Galerie
17. Spieltag: HC Erlangen (H, Tui-Arena), Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19 Uhr ©
Anzeige

Papenburg: Recken legen nicht alle Zahlen offen

Wie viel Geld der Unternehmer genau zahlen muss, ist auch an Umsätze, Einnahmen und Ausgaben der Recken gekoppelt. Je mehr Geld reinkommt, umso weniger muss der 79-Jährige überweisen. Für das erste Jahr sind etwa 380 000 Euro offen, für das zweite wohl die volle Million. Ein immens großer Anteil an den 6,5 Millionen Euro Jahresetat, mit dem die Hannover-Handballer planen.

Die Recken aber, so der Vorwurf des Unternehmers, legen nicht alle nötigen Unterlagen und Finanzzahlen offen. „Die Eintrittspreise wurden erhöht, die Dauerkarten wurden teurer, die Sponsoren zahlen mehr, die Zuschauerzahlen haben sich entwickelt – unseren Hochrechnungen zufolge haben die Recken sogar mehr als die 6,5 Millionen Euro erreicht”, sagt Papenburg und betont: „Dann müssen wir auch kein Geld zahlen, das wollen wir prüfen.”

„Die Vertrauensbasis ist zerstört worden”

Recken-Geschäftsführer Eike Korsen kann die Vorwürfe nicht verstehen. „Wir haben kein Interesse daran, ein falsches Spiel zu treiben. Wir wollen an der strategischen Partnerschaft festhalten.“ Und: „Wir bleiben weiter im Dialog, weil wir ein gemeinsames Interesse haben.“

Ein großer Teil der Kommunikation läuft mittlerweile aber über Anwälte, Gerichte sind eingeschaltet. „Es ist kein Vertrauen mehr da. Ich habe eine Art Bürgschaft zugesagt und bekomme dennoch keinen Einblick“, sagt Papenburg. „Die Vertrauensbasis ist zerstört worden.”

Royaler Besuch beim Recken-Nachwuchs: Bilder vom Besuch des ehemaligen spanischen Königs

Spaniens ehemaliger König Juan Carlos ist mit seiner Frau Sophia und den Töchtern Elena und Cristina zum Handballspiel des Enkels gekommen. Der 18-Jährige Pablo Urdangarin spielt bei den A-Junioren der TSV Hannover-Burgdorf und stand am Sonnabend mit seiner Mannschaft im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft. Von links: Juan Carlos, Sophia von Griechenland, Cristina von Spanien, Großmutter Claire Liebaert Coutain, Elena von Spanien. Zur Galerie
Spaniens ehemaliger König Juan Carlos ist mit seiner Frau Sophia und den Töchtern Elena und Cristina zum Handballspiel des Enkels gekommen. Der 18-Jährige Pablo Urdangarin spielt bei den A-Junioren der TSV Hannover-Burgdorf und stand am Sonnabend mit seiner Mannschaft im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft. Von links: Juan Carlos, Sophia von Griechenland, Cristina von Spanien, Großmutter Claire Liebaert Coutain, Elena von Spanien. ©

„Wir sind auch weiterhin wettbewerbsfähig"

Weil Recken-Hauptsponsor Bernd Gessert (CP-Pharma) mit einem Darlehen aushalf, ist die finanzielle Zukunft der Recken zumindest erst einmal gesichert. Korsen betont: „Wir sind auch weiterhin wettbewerbsfähig.“ Doch „dass das Geld bisher nicht geflossen ist, erleichtert uns unsere tägliche Arbeit natürlich nicht“. Für höhere Ziele ist die Luft wohl raus. Die Bundesliga-Lizenz gab es zuletzt trotzdem ohne Auflagen. Ein Problem weniger.

Streitigkeiten könnten endgültig eskalieren

Wegen der neuen Heimspiel-Regelung der Recken in der Tui-Arena könnten die Streitigkeiten ums Geld aber endgültig eskalieren. Nach SPORTBUZZER-Informationen droht Papenburg damit, den Rahmenvertrag aus Januar 2017 aufzukündigen – wenn die Recken nicht alle ihre Heimspiele in seiner riesigen Arena austragen. Hintergrund: Seit dem Teilzeitwechsel hatten Hannovers Handballer 13 von 17 Heimpartien in der Arena ausgetragen, im Vertrag zwischen Papenburg und den Recken ist sogar die Rede davon, alle Spiele dort auszutragen. Allerdings je nach Verfügbarkeit der Multifunktionshalle.

Mehr zu den Recken

Papenburg droht mit Rückzug

Für den nun gestarteten Dauerkartenverkauf der neuen Saison werben die Recken mit noch zwölf Spielen in der Arena. Deshalb ist Papenburg mächtig sauer. Weil die Recken ihm auch weiter nicht die geforderten Finanzunterlagen zeigen würden und weniger Spiele in seiner Arena planen, sei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit kaum mehr möglich.

Besonders die Zusammenarbeit mit dem neuen Geschäftsführer Korsen (seit Saisonbeginn Recken-Chef) sei nicht ansatzweise so gut wie mit Vorgänger Benjamin Chatton, heißt es aus dem Papenburg-Umfeld. Chatton hatte den Deal mit dem Millionär vor gut zwei Jahren eingefädelt. Weil sich die Handballer aber nach Einschätzung der Papenburg-Seite nicht an den Rahmenvertrag halten würden, droht der Baulöwe mit Rückzug – ohne, dass er zahlt.

„Der Verein muss auch bezahlen“

Obendrauf fordert Papenburg noch Geld für die Arena-Nutzung von den Recken, also Miete und Nebenkosten. Er betont zwar: „Natürlich sollen die Recken in der Arena weiterspielen, das steht außer Frage.“ Er sagt aber auch: „Der Verein muss auch bezahlen.“ Wenn einer Geld zu bekommen habe, „dann sind wir das“.

Streit wird vor Gericht ausgetragen

Das sehen die Recken ganz anders. Korsen: „Wenn jetzt an den Stellschrauben beim Mietvertrag versucht wird, höhere Einnahmen für sich zu generieren – zu unserem Nachteil –, und auf der anderen Seite die finanzielle Unterstützung nicht in dem Maße angekommen ist, wie es aus unserer Sicht gerechtfertigt wäre, muss man irgendwann auch mal das Stoppsignal senden.“ Deshalb das Gerichtsverfahren. Der erste Termin vorm Landgericht Verden blieb allerdings ohne Erfolg.

Eine Einigung, auch außerhalb von Gerichten, ist zwar theoretisch möglich – aber sie wird praktisch nicht leichter. Papenburg: „Wenn wir alles geprüft haben und eine Differenz feststellen, dann bezahlen wir das auch.” Bis dahin geht der Streit weiter.

Mitmachen: #GABFAF-Adventskalender

Bundesliga-Tickets, Fußballschuhe, signierte Trikots und vieles mehr: Trage Dich hier ein und gewinne einen der 24 Preise. (mehr Infos)




Klicke hier Weiter und dann auf der nächsten Seite Absenden - und Du hast die Chance auf jeden der 24 Preise.

ANZEIGE: 50% auf alle JAKO Artikel! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN