01. Juli 2022 / 21:26 Uhr

Transferfenster geöffnet: Wie René Adler Fußball-Profis per App zum neuen Klub verhelfen will

Transferfenster geöffnet: Wie René Adler Fußball-Profis per App zum neuen Klub verhelfen will

Fynn Engelbrecht-Greve
RedaktionsNetzwerk Deutschland
René Adler entwickelte eine App, um Spielern auf Klub-Suche zu helfen.
René Adler entwickelte eine App, um Spielern auf Klub-Suche zu helfen. © IMAGO/Nico Herbertz (Montage)
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Ex-Nationaltorhüter René Adler sieht für die Profis eine ungenügende Transparenz auf dem Transfermarkt. Auf der Suche nach einem neuen Klub soll den Spielern das Online-Portal 11TransFAIR zu mehr Selbstbestimmung verhelfen. Der 37-Jährige stellt sein Projekt gegenüber dem SPORTBUZZER vor.

Je besser die Kontakte des Beraters, desto höher die Chancen auf einen guten Vertrag. Dieser Grundsatz kommt ab jetzt auch wieder zum Tragen, seitdem das Transferfenster geöffnet ist und zahlreiche vertragslose Profifußballer einen neuen Klub suchen. Wer nicht auf eine entsprechende Interessenvertretung zurückgreifen kann, fällt schnell durchs Raster und steht in der neuen Saison ohne Arbeitgeber da. Ex-Profi René Adler will dieses System verändern.

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Der frühere Nationaltorwart will den Spielern zu mehr Selbstbestimmung auf dem Transfermarkt verhelfen. "Ich weiß, dass ich während meiner Karriere nicht von allen Möglichkeiten gewusst habe, die sich mir vielleicht geboten haben, und das ist gar nicht vorwurfsvoll gemeint. Auch ein Berater kann nicht zu jedem Klub auf dieser Welt den besten Kontakt haben", sagt er im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND). So gehe es vielen Profifußballern. "Die machen sich abhängig von Dritten und werden so zum Spielball des Systems."

Deswegen hat der 37-Jährige nach seiner aktiven Laufbahn gemeinsam mit seinem Freund Daniel Schollmeier das Start-up 11TransFAIR gegründet. Eine Matching-Plattform für Spieler und Klubs – ein bisschen wie eine Mischung aus einer Dating-App und einem Immobilienportal. "Um selbstbestimmt zu handeln, müsste ein Fußballer zum Hörer greifen und Kontakt zu Klubs aufnehmen. Aber das macht ja keiner", so Adler. "Außerdem fehlen dafür meist die entsprechenden Kontakte, um zu wissen, wo Bedarf besteht. Es gibt im Fußball keine Plattform wie zum Beispiel in der Immobilienbranche, wo ich einfach mal meine gewünschten Kriterien eingeben kann und dann sehe, was der Markt für mich hergibt."

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Und genau das ist der Grundgedanke: Fußballer und Klubs von der 1. bis zur 4. Liga legen fest, wonach sie suchen, und erhalten einen umfassenden Marktüberblick – zunächst anonym. So sieht etwa ein Spieler, welches Profil ein Verein gerade sucht. Mittels datenbasierten Algorithmen entsteht ein "Match" und nach der Entscheidung, die Anonymität aufzuheben, können Kontakte geknüpft werden und Transfergespräche beginnen.

Adler: "Keinesfalls der Feind der Berater"

Eine Kampfansage an die teilweise in Verruf geratene Beraterbranche soll die Plattform aber nicht sein. "Wir sind keinesfalls der Feind der Berater", stellt der gebürtige Leipziger klar. Er sieht seine Plattform vielmehr als ergänzendes Tool. Ziel sei nicht, dass ein Spieler fortan allein agieren und seine Verträge selbstständig aushandeln solle. "Es geht hauptsächlich darum, alle Möglichkeiten aufzuzeigen und Kontakte selbst herzustellen. Ist dieser erste Schritt dann getan, kann der Spieler ja selbst entscheiden, ob er einen Vertrauten – Anwalt, Vater, Mutter – als Unterstützung bei Gesprächen und Verhandlungen hinzuzieht oder es sich allein zutraut."

Adler und sein Team sind überzeugt, dass auch der Fußball-Transfermarkt wie viele andere Branchen digitalisiert werden kann: "Früher gab es auch nur Immobilienmakler und keiner konnte sich eine Online-Plattform vorstellen. Mittlerweile gibt es keinen Makler mehr, der ein größeres Netzwerk hat als die großen Online-Plattformen." Die Hoffnung der Gründer: mehr Transparenz schaffen in einem für viele undurchsichtigen Gebiet.

Jene Transparenz hätte sich Adler auch zu seiner aktiven Zeit gewünscht. "Ich habe einige Dinge aus Loyalität und Naivität blind an andere Personen abgegeben", erinnert er sich. Die größte Lehre seiner Karriere, die er bei Bayer Leverkusen, dem HSV und Mainz 05 verbrachte, sei die Erkenntnis, "dass man als Spieler selbst auf dem Driverseat sitzen sollte. Man muss zumindest die Möglichkeit haben, die Leute, die mit dir und für dich mit deinem Geld und deiner Karriere arbeiten, zu hinterfragen und zu überwachen."

Als Fußball-Profi werde man "in die Bequemlichkeit erzogen. Diese Bequemlichkeit ist auch ein Geschäftsmodell von vielen Personen, die davon profitieren können." Jeder könne natürlich selbst entscheiden, was er andere machen lässt, "aber dann darf man sich nicht beschweren, wenn sein Geld weg ist oder man sich mehr erhofft hat von seiner Karriere."

Aus Frust über den Verlauf seiner Karriere sei das Start-up jedoch nicht entstanden. "Ich werde einen Teufel tun und jemand anderem die Schuld dafür geben, dass ich nicht bei diesem oder jenem Klub gespielt habe. Aber ich hatte schlicht nicht die Möglichkeit, mal anonym den Markt zu checken oder ohne mediales Aufsehen Klubs darauf hinzuweisen, dass der Torwart René Adler gerade auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist." Gern hätte er noch mal im Ausland gespielt. "Jedoch gab es diese Möglichkeit nicht, ich weiß aber nicht, aus welchen Gründen." Diese Ungewissheit will er den heutigen Profis ersparen.

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