29. Mai 2022 / 06:43 Uhr

Applaus, Stolz und Zuversicht: Liverpool-Trainer Klopp gibt sich nach Final-Pleite gegen Real Madrid trotzig

Applaus, Stolz und Zuversicht: Liverpool-Trainer Klopp gibt sich nach Final-Pleite gegen Real Madrid trotzig

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp gab sich nach der Pleite gegen Real Madrid trotzig.
Liverpool-Trainer Jürgen Klopp gab sich nach der Pleite gegen Real Madrid trotzig. © IMAGO/ANP (Montage)
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Die Niederlage des FC Liverpool im Champions-League-Finale war für den englischen Top-Klub nur schwer zu begreifen. Die "Reds" waren dem siegreichen Kontrahenten Real Madrid über weite Strecken der Partie überlegen. Am Ende stand dennoch der zweite Titel-Dämpfer binnen einer Woche. Trainer Jürgen Klopp gab sich trotzig.

Jürgen Klopp applaudierte den wenigen Fans des FC Liverpool, die noch im Stade de France verblieben waren nach dem Champions-League-Finale, und er klopfte sich auf die Brust – dorthin, wo sein Herz sitzt. Es waren Gesten des Trotzes. Der Trainer wollte ausdrücken, dass die Liverpool-Familie seiner Meinung nach allen Grund hat, zufrieden mit sich zu sein, trotz der 0:1-Niederlage gegen Real Madrid. Und trotz der Tatsache, dass Liverpool von den vier Titeln in einer Saison, die noch bis vor einer Woche möglich gewesen waren, nur zwei gewonnen hat, nämlich den Ligapokal und den FA-Cup. In der Premier League hatte sich Liverpool am letzten Spieltag mit der Vizemeisterschaft hinter Manchester City abfinden müssen. Im Endspiel der Königsklasse scheiterte Klopps Mannschaft an Real-Torwart Thibaut Courtois.

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Liverpool hat eine beeindruckende Saison hingelegt – das war Klopp wichtiger als der Umstand, dass sie mit zwei Enttäuschungen zu Ende gegangen war. “Ich habe meinen Jungs gesagt, dass ich den Stolz fühle, aber ich war der einzige in unserer Kabine, dem es so ging”, berichtete der Trainer. Direkt nach dem Finale war er offenbar schneller bei der Trauerbewältigung als seine Spieler. Klopp wollte der Mannschaft keine Vorwürfe machen und verwies darauf, dass Liverpool in der Meisterschaft nur einen Punkt hinter Manchester City gelandet und das Champions-League-Finale durch nur ein Tor verloren hatte.

"In den beiden Wettbewerben, die wir nicht gewonnen haben, waren kleinste Unterschiede entscheidend", sagte Klopp. An diesem Sonntag hält der Verein in Liverpool eine Pokalparade ab, und der Trainer will, dass Spieler und Fans sie genießen – unabhängig von den Ereignissen am letzten Premier-League-Spieltag und im Stade de France: "Selbst, wenn niemand auf dem Planeten den Sinn dieser Parade versteht, werden wir sie trotzdem machen."

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Mangelhafte Chancenverwertung macht den Unterschied

Wie so oft in dieser Champions-League-Saison war Real Madrid im Finale die spielerisch unterlegene Mannschaft. Bei Torschuss-Versuchen stand es am Ende 23:3 aus Sicht des FC Liverpool, bei Schüssen, die tatsächlich auf das Ziel gingen, hieß es 6:1. Doch der Unterschied war wie so oft, dass die Spanier vor dem Tor konsequent waren und zum Siegtreffer durch Vinícius Júnior kamen, während Liverpool Chancen verschwendete. Sadio Mané scheiterte in der ersten Hälfte am sensationell parierenden Courtois, Salah in der zweiten, und das gleich zweimal. "Sie haben getroffen, wir nicht. Das ist der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage", sagte Klopp.

Am Ende der Saison steht für Liverpool allerdings auch eine erschreckende Zahl: drei. In drei Finals trat die Mannschaft an und erzielte dabei keinen einzigen regulären Treffer. Die Endspiele im Ligapokal und im FA-Cup gegen den FC Chelsea endeten jeweils 0:0 und wurden im Elfmeterschießen gewonnen.

Es wurde gegen Real nichts mit der Revanche für das 1:3 im Finale vor vier Jahren, zu der Mohamed Salah offen aufgerufen hatte. Er musste 2018 nach einem Foul von Sergio Ramos früh das Feld verlassen und war besonders motiviert vor dem Wiedersehen. Doch anstatt mit dem Gefühl der Wiedergutmachung verließ er Paris als Pechvogel wegen seiner vergebenen Chancen. Klopp ist aber überzeugt, dass Liverpool bald die nächste Gelegenheit auf den zweiten Champions-League-Titel unter seiner Leitung nach 2019 bekommt. Die Entwicklung der Mannschaft und eine Spielzeit, in der bis kurz vor Schluss vier Titel möglich waren, stimmen ihn zuversichtlich, dass Liverpool bald wieder im Endspiel stehen wird. "Wo ist es im kommenden Jahr? In Istanbul? Bucht schonmal das Hotel", sagte er. Trotz – das war der Modus des Trainers nach der Niederlage in Paris.