13. November 2019 / 07:30 Uhr

ARD-Sportchef Axel Balkausky über DAZN, Sky und den Kampf um die Sportrechte

ARD-Sportchef Axel Balkausky über DAZN, Sky und den Kampf um die Sportrechte

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
ARD-Sportchef Axel Balkausky erklärt die Strategie der Öffentlich-Rechtlichen im Kampf mit DAZN, Sky und Co.
ARD-Sportchef Axel Balkausky erklärt die Strategie der Öffentlich-Rechtlichen im Kampf mit DAZN, Sky und Co. © Getty Images
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ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärt im SPORTBUZZER-Interview die Position der öffentlich-rechtlichen TV-Sender im Ringen um Sportrechte, die Konkurrenz zu Sky und DAZN sowie einen möglichen Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Fußballs.

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SPORTBUZZER: Herr Balkausky, Ende Oktober hat die UEFA bekanntgegeben, dass der Telekom-Streamingdienst Magenta die EM-Übertragungsrechte 2024 erworben hat. Wie wird die ARD darauf reagieren?

Axel Balkausky (57): Wir sind weiterhin daran interessiert, Spiele von der UEFA EURO 2024 im Ersten zu zeigen, und werden sicherlich entsprechende Gespräche über Sublizenzen mit der Telekom führen.

Die EM 2024 wird Stand jetzt also nicht im Free-TV zu sehen sein, abgesehen von der im Rundfunkstaatsvertrag festgelegten Regelung. Das ZDF hat seit Sommer 2018 keine Champions-League-Partie mehr im Programm. Der Spitzenfußball scheint mehr und mehr aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu verschwinden. Liegt es daran, wie ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann jüngst betonte, dass schlicht nicht jeder Preis bezahlt werden kann?

Ja, das ist grundsätzlich so. Wir haben klar umrissene Etats, die wir für Sportrechte aufwenden können. Diese Etats sind in den vergangenen Jahren gleichgeblieben. Damit müssen wir die Kosten für Fußball-Großereignisse, Bundesliga, Olympia, Leichtathletik und viele weitere Rechte finanzieren. Dann gibt es eine Schmerzgrenze, ab der die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr mitbieten können. Wir werden niemals, das haben wir auch bei Olympia gezeigt, mehr zahlen als wir zu zahlen bereit sind und was wir zahlen können. Dort sind klare Grenzen gesetzt.

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Die Rechtekosten, vor allem im Fußball, steigen kontinuierlich an. Inwiefern gibt es die Möglichkeit, die Etats in Zukunft anzupassen?

Diese Möglichkeit gibt es schlicht nicht. Wir müssen erst einmal sehen, wie viel Geld wir als Gesamtsystem zur Verfügung haben. Daraus ergibt sich, welcher Anteil davon für den Sport vorgesehen ist. Von einem Wachstum gehen wir derzeit nicht aus. Es wird aber keinesfalls so sein, dass Geld aus anderen Teilen des Systems zugunsten des Sports umverteilt wird. Wir müssen mit dem Geld klarkommen, das laut Plan vorgesehen ist. Wenn das nicht ausreicht, werden wir auf Rechte verzichten. Das haben wir nun bei der EM 2024 gesehen, oder es war beispielsweise auch bei den Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft so, die aktuell von RTL übertragen werden. Da müssen wir auch immer um Verständnis bei den Zuschauerinnen und Zuschauern werben, die von diesem Zustand womöglich genervt sind.

DAZN und Sky: "Umdenken ausgelöst"

Anderer Marktteilnehmer wie DAZN investieren konträr dazu erhebliche Summen in Sportrechte. Sky ist in den vergangenen Jahren stets die Heimat von Bundesliga und Champions League gewesen. Wie stehen die Chancen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in diesem Wettbewerb?

Insbesondere die Champions-League-Entscheidung zugunsten von DAZN und Sky, die sich die Rechte derzeit teilen, hat nach meiner Wahrnehmung nochmal ein Umdenken ausgelöst. Es stellt sich vermehrt die Frage, ob der Fußball noch ausreichend in der Gesellschaft vertreten ist, wenn er ausschließlich im Pay-TV und bei Streamingdiensten läuft. Die Wirkung nimmt ab, wenn nicht alle Teile der Gesellschaft daran teilhaben können – und das passiert derzeit noch immer hauptsächlich durch Free-TV. Dazu zählen nicht nur ARD und ZDF, sondern eben auch Quali-Spiele bei RTL.

Die Verantwortlichen, darunter Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, haben in der Vergangenheit ebenfalls den Wunsch geäußert, dass die Champions League wieder teilweise im Free-TV zu sehen sein sollte. Gleichzeitig fordern jene Verantwortlichen aber auch wachsende Erlöse bei der medialen Vermarktung. Wie bewerten Sie dieses Spannungsverhältnis?

Das ist das Spannungsverhältnis, in dem sich meines Erachtens der gesamte Fußball befindet. Wenn eben der FC Bayern auf die Premier League schaut und die Summen, die dort erlöst werden in allen Bereichen, steigt natürlich der Druck, mehr Geld einnehmen zu müssen. Nicht umsonst gab es im Vorjahr ein rein englisches Finale in der Königsklasse. Die höheren Gelder sind natürlich im Pay-TV zu erwirtschaften. Und trotzdem gibt es eben diese Aussagen. Es geht darum, einen Mittelweg zu finden, der dazu führt, dass in Teilen auch alle am Fußball teilhaben zu lassen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das lineare Fernsehen im Gesamtsport noch immer eine tragende Rolle spielt.

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Balkausky: ARD-"Sportschau" hat noch große Reichweite

Dennoch haben Streamingangebote wie DAZN steigende Nutzerzahlen und eine steigende Reputation auf dem Markt zu verzeichnen.

Da möchte ich eine Zahl entgegenhalten: Die ARD-“Sportschau“ erreicht im Jahr noch immer kumuliert 44 Millionen Zuschauer. Die schauen natürlich nicht jeden Samstag zu. Aber diese Reichweite verdeutlicht, dass die ARD mit dieser Sendung noch immer maßgeblich zur Verbreitung des Spitzenfußballs in Deutschland beiträgt. Ich behaupte, der Wert des Free-TV ist gerade durch die jüngsten Erfahrungen wieder gestiegen. Trotzdem schauen wir natürlich genau hin und entwickeln uns auch weiter.

Eine Möglichkeit, die im umkämpften Rechtemarkt vermehrt genutzt wird, ist eine Kooperation mehrerer Unternehmen – nicht nur zwischen DAZN und Sky in der Champions League. ARD und ZDF halten durch eine Zusammenarbeit mit Sky einen Teil der Übertragungsrechte für die Handball-Bundesliga (HBL). Wie sehen Sie derartige Konzepte für die Zukunft?

Wir sind mit allen Marktteilnehmern in Gesprächen. Das zuvor herrschende permanente Gegeneinander hat sich schon lange überholt. Sie haben die Beispiele bereits genannt, die das verdeutlichen. Wir übertragen gemeinsam mit dem Telekom-Angebot Magenta auch die 3. Liga. An der Stelle gibt es also durchaus Berührungspunkte, auch wieder mit Blick auf die EM 2024. Es gibt keinen mehr auf dem Markt, der nicht sagt, dass wir gemeinsam so handeln sollen. Mit einer klaren Aufgabenteilung, wie eben mit Sky bei der HBL, ist ein Miteinander gut möglich.

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