30. Mai 2020 / 16:37 Uhr

Arena frei fürs Publikum? Recken und andere Klubs planen Restart im Handball

Arena frei fürs Publikum? Recken und andere Klubs planen Restart im Handball

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zuschauer im Fokus: Auch Hannovers Handballer wollen Geisterspiele vermeiden.
Zuschauer im Fokus: Auch Hannovers Handballer wollen Geisterspiele vermeiden. © Florian Petrow
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Die Handball-Bundesliga (HBL) arbeitet an der „Königsdisziplin“. So nennt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann einen Teil des Konzepts, mit dem die Voraussetzungen für den Neustart der TSV Hannover-Burgdorf und 19 weiterer Erstligisten geschaffen werden sollen. Anders als im Fußball oder Basketball planen die Recken und die übrigen Klubs den Beginn der kommenden Saison auch mit Zuschauern – zumindest zum Teil. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Wann geht es für die Recken in der Bundesliga wieder los?

Es gibt derzeit zwei konkrete Starttermine – entweder am 4. September oder Anfang Oktober. Erste Wahl ist wohl Anfang September, da mit jedem späteren Startzeitpunkt der Terminkalender für die 20 Bundesligisten immer gedrängter werden würde. Recken-Geschäftsführer Eike Korsen richtet die hannoverschen Planungen auf diese Termine aus. Er ist sich aber bewusst, dass der genaue Zeitpunkt von den Vorgaben der zuständigen Behörden im Zuge der Covid-19-Pandemie abhängt, so dass man andere Szenarien nicht ganz beiseitelegen könne.

Wie soll das Konzept für Spiele aussehen?

Als Grundlage dienen der HBL die bereits von der Politik abgesegneten Konzepte im Profifußball- und -basketball mit den entsprechenden Abstands- und Kontaktregeln und Hygienevorschriften. Die HBL richtet ihren Fokus aber auf die Ausrichtung von Spielen mit Publikum – zumindest vor einer begrenzten Anzahl. „Die Königsdisziplin ist es, ein Konzept mit Zuschauern auszuarbeiten. Ich gehe, Stand heute, davon aus, dass wir an den meisten Standorten begrenzt mit Publikum spielen können, egal, ob wir im September oder Oktober starten“, sagte Bohmann. Korsen unterstützt diese Bemühungen, er hält allenfalls für eine kurze Übergangszeit Partien ohne Publikum für möglich.

Die schönsten Bilder der Recken in der Saison 2019/20

Kreative Recken-Fans in der Festung! Zur Galerie
Kreative Recken-Fans in der Festung! ©

Warum sind die Zuschauer so wichtig für die Handball-Bundesligisten?

Die HBL-Klubs sind im Gegensatz zu den Fußball-Bundesligisten viel stärker auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Das Ticketing macht ein Viertel bis ein Drittel der Gesamteinnahmen aus – auch bei den Recken. „Wir leben sehr stark von diesen Vor-Ort-Einnahmen“, sagt Stuttgarts Geschäftsführer Jürgen Schweikardt und spricht damit für Korsen und die anderen Bundesliga-Kollegen.

Wie steht es um die Sponsoren der Vereine?

„Jeder ist von der Krise auf die eine oder andere Weise betroffen“, sagt Korsen. Dennoch haben die Recken aus ihrem Sponsorenkreis bisher eine breite Unterstützung erfahren. Er sei extrem dankbar, ergänzte Korsen, dass die Unterstützer die Treue halten. Die Marschrichtung hatte bereits vor Wo­chen Hauptsponsor Bernd Gessert vorgegeben. „Ich bleibe am Ball“, sagte er, „wir kommen da durch.“

Das sind die zehn besten Torschützen der TSV Hannover-Burgdorf in der Saison 2019/20 (Stand: 14.03.2020)

Platz 1: Timo Kastening mit 144 Toren (50 Siebenmeter) Zur Galerie
Platz 1: Timo Kastening mit 144 Toren (50 Siebenmeter) ©

Müssen die Spieler nächste Saison auf Gehalt verzichten?

Das deutet sich an. Korsen sagt: „Es ist jedem klar, dass wir alle in der Bundesliga eine deutlich schlechtere Ausgangsbasis für die neue Saison als bisher haben.“ Die Recken müssten reagieren, ergänzt Korsen. Sie wollen dabei Bedacht und Sorgfalt walten lassen und seien optimistisch, eine Lösung zu finden. Zahlen nannte der Recken-Geschäftsführer in diesem Zusammenhang nicht, zumal sie aufgrund fehlender Rahmenparameter nur schwer planbar seien. Man müsse bedenken, dass die Spielergehälter bei Weitem nicht die Dimensionen des Profifußballs erreichten. „Bei aller wirtschaftlichen Not darf die soziale Komponente nicht völlig außer Acht geraten“, sagt Korsen.

Wie dramatisch die Lage in anderen Mannschaftssportarten ist, zeigt sich anhand der Deutschen Eishockey-Liga. Sie will an die Lizenzerteilung für die Klubs einen generellen Gehaltsverzicht von 25 Prozent pro Spieler koppeln. Diesen Einheitsweg beschreitet die HBL nicht. „Das muss an jedem Standort individuell besprochen werden. Auch wenn wir das gleiche Produkt haben, ha­ben wir oft andere Voraussetzungen“, sagt Schweikardt.

Was machen die Spieler eigentlich gerade?

Viele Bundesliga-Profis befinden sich in Kurzarbeit wie die Recken-Profis (bis 30. Juni) und müssen sich seit Wo­chen selbstständig fit halten. Würden die Klubs die Kurzarbeit beenden, wären zwar wieder geregelte Trainingseinheiten möglich – aber dann könnten sie eben kein Kurzarbeitergeld mehr beziehen. Außerdem ist zumindest in Niedersachsen ein handballspezifisches Hallentraining mit Körperkontakt untersagt. Ideal ist das Heimtraining nicht für jeden Spieler, einige von ihnen haben bereits an Gewicht zugelegt, auch weil sie teilweise zu sehr auf Krafttraining setzen, wie Schweikardt erzählt.

Korsen kann diese Erfahrungen nicht teilen: „Unsere Spieler haben zwar ein Programm zum Fithalten, aber die Voraussetzungen für die individuellen Trainingseinheiten sind doch sehr unterschiedlich.“ Klar ist dagegen, dass die TSV Hannover-Burgdorf und die anderen Bundesligisten spätestens Mitte Juli die Vorbereitung aufnehmen müssten, sollte die Saison im September beginnen. Das heißt: Teamtraining ohne Restriktionen.

Mehr zu den Recken

Ist nach dieser langen Spielpause eine WM schon im Winter 2021 möglich?

Bohmann ist bezüglich der Titelkämpfe in Ägypten skeptisch. „Es wäre blauäugig zu sagen, dass die WM auf jeden Fall stattfindet“, sagte er. Zudem hält das nächste Jahr mit den Olympischen Spielen einen weiteren Höhepunkt für die Handballer bereit.

Von Nils Bastek und Carsten Schmidt