29. April 2020 / 11:49 Uhr

Ärger bei Sportvereinen: Potsdam verweigert die meisten Ausnahmegenehmigungen

Ärger bei Sportvereinen: Potsdam verweigert die meisten Ausnahmegenehmigungen

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Anlage des Potsdamer TC Rot-Weiss darf von den Mitgliedern auch weiterhin nicht betreten werden. 
Die Anlage des Potsdamer TC Rot-Weiss darf von den Mitgliedern auch weiterhin nicht betreten werden.  © Verein
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Während beispielsweise Tennisvereine in den umliegenden Gemeinden unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen, gibt es für die meisten Potsdamer Vereine keine Ausnahmegenehmigung von der Stadt.

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Der Frust beim Potsdamer Tennisclub Rot-Weiß ist groß. „Im Umland werden die Ausnahmegenehmigungen erteilt und ich muss den Mitgliedern erklären, dass sie bei uns nicht Tennis spielen können“, sagt Torsten Knuth. Der Vereinsvorsitzende hatte vergangene Woche bei der Stadt Potsdam einen Antrag für die Ausnahmegenehmigung gestellt, damit die Tennisspieler trotz der Corona-Pandemie unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder das Vereinsgelände betreten dürfen – am Montag kam auf Nachfrage die mündliche Ablehnung. „Viele im Verein sind darüber verärgert, dass die Stadt so entscheidet, weil andere Gesundheitsämter zehn Kilometer weiter weg anders entschieden haben“, betont Knuth.

In Werder wird gespielt, in Potsdam nicht

Tatsächlich hat beispielsweise der Tennisclub Werder Havelblick solch eine Ausnahmegenehmigung Ende der vergangenen Woche von der zuständigen Gesundheitsbehörde des Landkreises bekommen. „Die Sondergenehmigung war so schnell da, dass wir gar nicht die Plätze vorbereiten konnten“, berichtet Schriftführer Ulf Weydekamp. Denn für die kaputte Walze fehlt ein Ersatzteil, die Plätze sind noch nicht bespielbar. „Wir würden auch gerne zum TC Rot-Weiß sagen: Wir leihen uns eure Walze, dann könnt ihr zeitweise unseren Platz nutzen. Aber das geht nicht, weil laut der Ausnahmegenehmigung keine Gastspieler auf die Anlage dürfen“, sagt Weydekamp.

Beide Vereine haben detailliert dargelegt, wie sie die Corona-Beschränkungen einhalten. „Jeder Spieler muss ein Desinfektionsmittel mitführen und darf nur Minimalzeiten auf dem Platz sein. Auch die Trainer dürfen nur einen Schüler betreuen“, erklärt Weydekamp. Ähnlich sieht es bei Rot-Weiss aus, wo letzte Woche schon gespielt wurde, ehe das Ordnungsamt dies untersagte. „Wir haben einen Hygieneplan ausgearbeitet, es dürfen keine Doppel gespielt werden und natürlich müssen die Abstandsregeln eingehalten werden“, sagt Knuth. Trotzdem hat Werder die Zusage und Rot-Weiss die Absage erhalten. Einziger Unterschied ist, dass für Werder das Gesundheitsamt in Potsdam-Mittelmark zuständig ist, während für Rot-Weiss der Verwaltungsstab der Landeshauptstadt Potsdam entscheidet. „Wenn es einen generellen Beschluss geben würde, dass alle offen oder alle geschlossen haben, dann würde das jeder verstehen. Unter einem Gleichbehandlungsgrundsatz ist das schon merkwürdig“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Ausnahmegenehmigung nur in ganz speziellen Fällen

Knuth verweist auf die Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg vom 17. April, wo Tennis und Golf explizit als Sportarten genannt wurden, die wieder betrieben werden dürfen – aber nur mit Ausnahmegenehmigung. Für diese ist das jeweilige Gesundheitsamt zuständig. In Brandenburg an der Havel und im Landkreis Oberhavel gab es beispielsweise eine Ausnahmegenehmigung für alle Sportvereine. Die Stadt Potsdam schrieb in einer Pressemitteilung am Montag, dass diese Genehmigungen ausschließlich dann erteilt werden, wenn das Training aus medizinischen Gesichtspunkten notwendig ist, „abrupte Trainingsunterbrechungen für Hochleistungssportler sind unter Umständen gefährlich für deren Herz-Kreislaufsystem“, heißt es.

Ausnahmen würden auch gemacht werden, wenn das Training „für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit/Konkurrenzfähigkeit auf höchster überregionaler Ebene (1. Liga, sofern noch Wettkämpfe anstehen) oder des Bundeskaderstatus relevant“ sei. So dürfen beispielsweise die Fußballerinnen von Turbine Potsdam seit Montag wieder trainieren. Für den allergrößten Teil der Potsdamer Vereine treffen diese Ausnahmen nicht zu. „Für die Bereiche des üblichen Breiten- und Vereinssports werden angesichts der aktuellen Situation die erlaubten Möglichkeiten des Individualsports unter freiem Himmel wie Joggen, Fahrrad fahren, Paddeln oder Rudern empfohlen“, heißt es in der Mitteilung. Eine SPORTBUZZER-Anfrage, wie viele Vereine Anträge gestellt haben, ließ die Stadt unbeantwortet. Positiv beschieden sei nur eine einstellige Zahl von Anträgen, sagte eine Sprecherin.

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Die Tennisabteilung des USV Potsdam hat ihren Antrag am Montag abgeschickt. „In der E-Mail vom Gesundheitsamt steht, dass es, wenn wir die Maßnahmen so umsetzen, den Antrag befürwortet“, sagt Kassenwartin Wiebke Nordemann. Allerdings sei das noch nicht gleichzusetzen mit der Genehmigung, weiß die Juristin. „Wir würden es hinnehmen, wenn die Stadt den Antrag ablehnt. Aber wir würden es sehr bedauern, weil wir die Abstandsregelungen und Hygienevorschriften alle einhalten könnten“, meint Wiebke Nordemann.