01. März 2018 / 06:00 Uhr

"Crashkurs" Köln! Veh über den Abstiegskampf und den Poker um Horn und Hector

"Crashkurs" Köln! Veh über den Abstiegskampf und den Poker um Horn und Hector

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Köln-Sportdirektor Armin Veh spricht exklusiv im SPORTBUZZER über den Vertrags-Poker mit Keeper Timo Horn und Nationalspieler Jonas Hector.
Köln-Sportdirektor Armin Veh spricht exklusiv im SPORTBUZZER über den Vertrags-Poker mit Keeper Timo Horn und Nationalspieler Jonas Hector. © Getty/imago/Montage
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Sportdirektor Armin Veh blickt im SPORTBUZZER-Interview auf seine ersten Monate beim 1. FC Köln zurück und erklärt, was Trainer Stefan Ruthenbeck "aushalten muss". Zudem spricht er über Abstiegsszenarien und die Zukunft der Leistungsträger Timo Horn und Jonas Hector.

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SPORTBUZZER: Herr Veh, der 1. FC Köln hatte drei Punkte aus 15 Spielen geholt, als Sie verpflichtet wurden. Was hat Sie im Dezember gereizt an der Aufgabe bei einem Verein, der – Stand damals – im kommenden Sommer ziemlich sicher Zweitligist sein würde?

Armin Veh: Vielleicht nicht ziemlich sicher, aber die Wahrscheinlichkeit war zu diesem Zeitpunkt schon sehr hoch, dass wir in die 2. Liga absteigen würden. Das weiß man, wenn man so lange in diesem Geschäft dabei ist. Deshalb habe ich mir auch nicht eingebildet 'So, jetzt komme ich, und wir reißen das Ding noch rum'. Die künftige Liga-Zugehörigkeit hat also keine Rolle gespielt. Ich habe mich für die Aufgabe entschieden, weil der 1. FC Köln ein großer Klub ist. Ein Klub, mit dem ich Ziele verfolgen möchte, die wir mittelfristig auch erreichen können.

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"Ich war verblüfft. Verblüfft, dass bei einem Klub, der sportlich so schlecht dasteht, nicht alles im Argen liegt"

Welche sind das?

Am liebsten wäre mir zunächst, wir würden die Klasse halten. Wenn das nicht klappt, kann das nächste Etappenziel nur 'direkter Wiederaufstieg' lauten – was aber nie ein Selbstläufer ist. Klappt das dennoch, möchte ich etwas entwickeln, dass es dem FC erlaubt, in Zukunft wieder eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.

Sie skizzieren den Weg, den der FC unter Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger über vier Jahre erfolgreich beschritten hat. Welche Fehler sind dann gemacht worden, die Sie vermeiden wollen?

Ich war damals nicht dabei und weiß nicht hundertprozentig, was genau passiert ist. Dennoch habe ich in den ersten Tagen und Wochen versucht, die Situation so gut wie möglich aufzuarbeiten. Jetzt beschäftige ich mich nicht mehr damit. Ich schaue nicht zurück, sondern lebe und arbeite im Jetzt und denke an die Zukunft des 1. FC Köln.

Dennoch: Als Außenstehender hatte man vor Ihrer Verpflichtung das Gefühl, dass alles,  was beim 1. FC in Köln aufgebaut worden war, in kürzester Zeit eingerissen wurde. Welchen Eindruck hatten Sie?

Ich war verblüfft. Verblüfft, dass bei einem Klub, der sportlich so schlecht dasteht, nicht  alles im Argen liegt. Im Gegenteil: Nachdem ich mir alles angeschaut hatte, also Verwaltung, Nachwuchsleistungszentrum usw., war mir klar, dass wir hier richtig gute Leute haben und gut aufgestellt sind. Viele Dinge sind hier wirklich gut. Und bei den wenigen anderen habe ich etwas  geändert.

Würden Sie zustimmen, dass im Fußball Verdienste wie die Ihres Vorgängers Schmadtke oder von Ex-Trainer Peter Stöger schneller an Glanz verlieren als in anderen Lebensbereichen?
Nein. Das sehe ich nicht  so.

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Eingelebt mit Karneval und Punktgewinnen

Beim VfB Stuttgart mussten Sie anderthalb Jahre nach dem Meistertitel von 2007 gehen...
Das stimmt so nicht ganz. Ich bin gegangen. Wer hätte mich damals auch entlassen sollen?! (lacht) Im Ernst, es heißt doch immer 'wichtig ist nur der Klub'. Und beim VfB war es damals einfach notwendig, etwas zu verändern. Das hat sich nach meinem Abgang gezeigt, als der VfB die Champions League erreicht hat. Das war damals international die wohl erfolgreichste Zeit überhaupt für den VfB. Es ist nicht immer richtig, an den Leuten festzuhalten, die irgendwann einmal erfolgreich waren. Und wenn derjenige, um den es geht, selbst erkennt, dass es besser wäre zu gehen, ist nur noch wichtig, wie man auseinandergeht.

Sie sind nun seit zweieinhalb Monaten Kölner. Wie haben Sie die kölsche Folklore aus FC, Fans und Dom bisher erlebt?
Ich würde das als Crashkurs bezeichnen, mit allem, was dazu gehört: Drei Punkte aus 15, beziehungsweise 16 Spielen – meine erste Partie als FC-Verantwortlicher haben wir in München verloren – mit meiner zweiten Partie haben wir unsere Punktzahl verdoppelt – eine FC-Sitzung und natürlich Rosenmontag. Das waren intensive Wochen, aber ich habe mich
eingelebt und fühle mich richtig wohl.

Im Karneval sollen Sie das „Feierbiest“ in sich entdeckt haben...
Das stimmt (lacht). Dabei hatte ich bisher mit Karneval überhaupt nichts am Hut. Umso wichtiger war diese Erfahrung für mich. Nur wer den Kölner Karneval einmal selbst miterlebt hat, kann fühlen, was diese Zeit für die Menschen hier bedeutet.

Hatte Ihre Stimmung am Sonntagabend nach dem Sieg in Leipzig auch ein wenig von Karneval?
Genau das macht Fußball aus: Manchmal ist man zu Tode betrübt, wie bei unserem nicht gegebenen Treffer gegen Hannover, und dann wieder gibt es Momente des Glücks, wie beim Sieg in Leipzig, die man so vielleicht nur im Sport erleben kann.

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1. FC Köln - RB Leipzig (Imago) (5) ©
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"Ich glaube sogar, dass es für einen Trainer leichter ist, wenn der Sportdirektor selbst Trainer war"

Die FC-Fans dürften froh gewesen sein, dass Stefan Ruthenbeck und nicht Sie die Mannschaft in Leipzig aufgestellt haben. Schließlich hatten Sie im
Vorfeld mit einem Augenzwinkern gesagt, dass Sie bisher stets eine andere Aufstellung gewählt hätten als der Trainer.

Froh? Wieso denn?! Der Trainer hat diesmal ganz ähnlich aufgestellt, wie ich es getan hätte. (lacht laut) Man sollte nicht alles immer so ernst nehmen.

Deshalb sprach  ich von 'Augenzwinkern'...
Eben. Vielleicht muss man mich hier erst ein wenig kennenlernen. Mir sind diese Pressekonferenzen immer viel zu trocken. Da muss der eine oder andere Spaß doch erlaubt sein. Wobei der Trainer zuvor wirklich noch nie genauso aufgestellt hatte wie ich. Aber der macht eh, was er will. (lacht)

Sie haben Recht, etwas weniger Ernsthaftigkeit könnte der schönsten Nebensache der Welt bisweilen kaum schaden. Trotzdem: Hat es ein Trainer nicht schwer unter einem
Sportdirektor, der selbst mehr als zweieinhalb Jahrzehnte Trainer war?

Das muss man aushalten können im Profifußball. Sonst wäre man fehl am Patz. Letztlich geht es darum, wie wir beide – der Trainer und ich – miteinander umgehen. Ich glaube sogar, dass es für einen Trainer leichter ist, wenn der Sportdirektor selbst Trainer war. Denn ein Trainer weiß Dinge, die ein Sportdirektor, der kein Trainer war, nicht weiß. Ich weiß, was ein Trainer erwartet, beziehungsweise, was man ihm nicht aufbürden sollte. Und ich würde doch niemals ernsthaft zum Trainer sagen 'Hör mal zu, Ruthenbeck, du bist hier angestellt und hast die Mannschaft so und so aufzustellen'. Das würde eher schon ein Sportdirektor machen, der keine Ahnung hat, wie ein Trainer funktioniert, und vielleicht selbst gar nicht aus dem Fußball kommt.

Wie kommen Sie damit zurecht, dass sich die Stimmung im und um den Verein zuletzt von Woche zu Woche geändert hat, zunächst durch den erfolgreichen Start in die Rückrunde, dann durch vier Spiele ohne Sieg, und nun durch den Erfolg in Leipzig?
Natürlich löst das auch bei mir Gefühle aus. Trotzdem bin ich Realist und selbst dann nicht zu Tode betrübt, wenn wir einmal vier Spiele in Folge nicht erfolgreich sind. Das wirft mich nicht um, es darf mich auch nicht umwerfen.

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Köln mit Timo Horn und Jonas Hector in die 2. Liga?

Diese wechselhaften Ergebnisse führen aber dazu, dass echte Planungssicherheit für die kommende Saison immer näher an den Saisonschluss heranrückt und dadurch immer schwieriger wird.
Ich gehe von Wahrscheinlichkeiten aus, und das heißt für mich aktuell, dass wir näher an der 2. Liga als an der Bundesliga sind. Dementsprechend bereite ich viele Dinge vor, die ich
jetzt aber noch nicht abschließen kann. Erschwert wird die Situation zusätzlich dadurch, dass im Falle eines – wahrscheinlicheren – Abstiegs Ausstiegsklauseln in Kraft treten könnten, bei denen ich das Heft des Handelns nicht in der Hand habe. Umso wichtiger ist, dass wir bereits jetzt entsprechende Gespräche führen.

Können Sie sich vorstellen, dass Spieler wie Jonas Hector oder Timo Horn bereit wären, den Schaden in der 2. Liga zu reparieren?
Das wäre sicher außergewöhnlich. Wenn sich der eine oder andere aber dennoch so entscheiden würde, dann sicherlich, weil der 1. FC Köln ebenfalls außergewöhnlich ist. Der FC ist ein großer Klub, der vielen Spielern eine gute Perspektive bieten kann.

Hand aufs Herz: Könnten sich diese Spieler eine solche Entscheidung leisten, ohne um ihre Karriere fürchten zu müssen?
Sagen wir es so: Man könnte niemandem mit diesen Ambitionen böse sein, wenn er im Falle eines Abstiegs den Verein wechseln würde. Andererseits wäre es aber doch einmal etwas komplett anderes, würde ein Nationalspieler oder ein Spieler mit großen Ambitionen für die Zukunft den Schritt in die 2. Liga wagen.

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