17. Juni 2020 / 09:00 Uhr

Klub-Ikone Ansgar Brinkmann gratuliert dem Aufsteiger: "Bielefeld in der Bundesliga - sehr, sehr cool"

Klub-Ikone Ansgar Brinkmann gratuliert dem Aufsteiger: "Bielefeld in der Bundesliga - sehr, sehr cool"

Ansgar Brinkmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Arminia Bielefeld spielt 2020/21 wieder in der Bundesliga. Klub-Ikone Ansgar Brinkmann ist darüber sehr glücklich.
Arminia Bielefeld spielt 2020/21 wieder in der Bundesliga. Klub-Ikone Ansgar Brinkmann ist darüber sehr glücklich. © dpa/imago images
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Arminia Bielefeld ist nach elf Jahren Abstinenz zurück in der Bundesliga, hat sich gegen die nominell besser besetzte Konkurrenz durchgesetzt. Beim SPORTBUZZER gratuliert Klub-Ikone Ansgar Brinkmann.

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Arminia Bielefeld ist zurück in der Bundesliga! Wer hätte das vor der Saison gedacht? Wenn man sich die Kader anschaut, dann hätten der VfB Stuttgart und der Hamburger SV schon zur Winterpause einen Riesen-Vorsprung haben müssen. Beide haben es aber nicht hinbekommen. Die Arminia schon. Ja, Bielefeld war schon im Jahr davor die beste Rückrunden-Mannschaft.

Aber keiner - auch nicht meine Wenigkeit - hätte sich träumen lassen, dass wir fast die ganze Saison auf Platz 1 stehen und das auch bis zum Ende durchziehen können. Da muss man sagen: Respekt an die Jungs, die konstant abgeliefert haben - und natürlich auch an den Trainer, der ganz unaufgeregt einen Top-Job gemacht hat.

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Ob bei Union Berlin oder Dynamo Dresden: Egal, wo man nach Uwe Neuhaus fragt, bekommt man immer die gleiche Auskunft: Er ist ein überragender Typ, der sehr akribisch arbeitet. Ich habe noch niemanden getroffen, der nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Das ist außergewöhnlich. Er hat in Bielefeld in allen Mannschaftsteilen etwas aufgebaut und seinen Spielern eine Philosophie mitgegeben. Bei uns in Bielefeld musste vieles passen, damit wir wieder oben stehen, das war kein leichter Job für Neuhaus. Er hat ihn mit Bravour gelöst.

Ich bin bei fast jedem Arminia-Heimspiel

Um es ganz klar zu sagen: Wir stehen nicht zu Unrecht da oben und schon gar nicht nur deshalb, weil sich Stuttgart und Hamburg Patzer geleistet haben. Wir sehen, dass im Fußball auch Dinge belohnt werden, die über das Finanzielle hinausgehen: wenn man immer an sich glaubt, bereit ist, alles zu investieren und noch dazu das Umfeld stimmt, dann kannst du gerade in der 2. Liga weit kommen. Ich sage bewusst "Wir", denn Bielefeld ist meine Wahlheimat und die Stadt ist mir sehr wohlgesonnen. Ich bin bei fast jedem Heimspiel.

Auch die Mannschaft hat sportlich eine unfassbar gute Arbeit gemacht. Stellvertretend will ich Kapitän Fabian Klos nennen, der nicht nur fußballerisch für das Team enorm wichtig ist und mit seinen Toren einen großen Anteil daran hat, dass wir wieder hochgehen. Was aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor für den Aufstieg war: viele Spieler waren noch nie in der Bundesliga. Die Jungs haben an sich geglaubt, sie wollten unbedingt aufsteigen.

Wenn du dann auch in schwierigen Situationen so ein großes Ziel vor Augen hast, dann setzt das Kräfte frei. Klos hat gesagt, für ihn sei es die letzte Chance, Bundesliga zu spielen. Auch Neuhaus möchte nochmal die 1. Liga als Trainer erleben. Sie waren damit nicht allein.

15 ehemalige Spieler von Arminia Bielefeld und was aus ihnen wurde

Ansgar Brinkmann, Artur Wichniarek und Patrick Owomoyela spielten einst für Arminia Bielefeld. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick auf 15 frühere Arminen und was aus ihnen nach ihrem Abschied von der Alm wurde. Zur Galerie
Ansgar Brinkmann, Artur Wichniarek und Patrick Owomoyela spielten einst für Arminia Bielefeld. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick auf 15 frühere Arminen und was aus ihnen nach ihrem Abschied von der Alm wurde. ©

Den Aufstieg kann den Jungs jetzt niemand mehr nehmen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Aufstieg in die 1. Liga etwas ganz Besonderes ist. Wenn die Jungs aus dem Urlaub zurückkommen, sind sie Bundesliga-Spieler. Das haben sie sich erarbeitet.

Ganz Bielefeld ist stolz und freut sich auf die großen Namen

Was erhoffe ich mir von der Bundesliga-Saison? Natürlich den Klassenerhalt, der das Bielefelder Saisonziel sein muss. Allerdings klingeln auch schon wieder meine Ohren. Spötter werden fragen: warum steigen die mit dem Kader überhaupt auf? Wenn ich so einen Schwachsinn höre! Wir waren zehn Jahre weg vom Fenster, zwei Mal sogar in der 3. Liga.

Sie können sich sicher sein: Alle in Bielefeld, die Stadt, die Fans, die Sponsoren - wir freuen uns unfassbar, das wir im nächsten Jahr wieder die Besten begrüßen dürfen: Die Bayern mit Lewandowski oder Dortmund mit Sancho, wenn er denn bleibt. Wir sind glücklich, dass nach so langer Zeit die besten Mannschaften des Landes wieder zu uns auf die Alm müssen. Die ganze Stadt ist stolz auf diese Jungs und auf den Verein.

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Wir dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Wir wollen und müssen uns wehren. Wir haben ein cooles Stadion, Euphorie und Enthusiasmus. Das wird uns in vielen Spielen helfen. Wir dürfen nicht so viel Lehrgeld bezahlen wie Paderborn in dieser Saison. Wenn du gegen die Top-Teams der Liga spielst, dann darfst du dein Heil nicht nur in der Offensive suchen. Du musst auch tief stehen können und dir geduldig überlegen, wie du besser besetzte Mannschaften besiegen kannst.

Du musst schnell umschalten können, intelligent kämpfen und über Standards und Konter zum Erfolg kommen. Der Kader muss im Sommer auf fünf, sechs Positionen verstärkt werden. Ihn bloß zu ergänzen reicht nicht aus. Nur dann haben wir die Chance, zwei, drei oder vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Das muss das Ziel von Arminia Bielefeld sein und das traue ich Neuhaus auch zu.

Eines kann ich ihnen sagen: Ich freue mich jetzt schon darauf, mich mit meinen Freunden auf dem "Siggi" zu treffen, den kurzen Weg zum Stadion zu gehen und endlich wieder Bundesliga-Fußball auf der Alm zu sehen. Wir sind einfach nur dankbar und stolz auf die Jungs, die das auf den Weg gebracht haben. Bielefeld in der Bundesliga - sehr, sehr cool!

Ansgar Brinkmann wurde 1969 in Vechta im Oldenburger Münsterland geboren. Nach diversen Stationen im Profifußball, unter anderem VfL Osnabrück, 1. FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt, wechselte der "weiße Brasilianer" 2001 zu Arminia Bielefeld, wo er in zwei Jahren 60 Spiele absolvierte und Kultstatus erlangte.