20. April 2021 / 23:00 Uhr

Abstieg nach 30 Jahren Bundesliga: Die Chronologie der Dauerkrise von Schalke 04

Abstieg nach 30 Jahren Bundesliga: Die Chronologie der Dauerkrise von Schalke 04

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Abstieg aus der Bundesliga ist für den FC Schalke 04 ein extrem bitterer Rückschlag.
Der Abstieg aus der Bundesliga ist für den FC Schalke 04 ein extrem bitterer Rückschlag. © IMAGO/Karsten Rabas/Rabas/Revierfoto/RHR-Foto/Pool (Montage)
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Schalke 04 steht als Absteiger aus der Bundesliga fest. Es ist ein weiterer und der bisher größte Tiefpunkt in der seit Anfang 2020 anhaltenden Dauerkrise des Revierklubs. Der SPORTBUZZER blickt zurück – eine Chronologie.

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Der FC Schalke 04 ist in die 2. Bundesliga abgestiegen: Nach der 0:1-Niederlage gegen Arminia Bielefeld ist die Entscheidung fallen. Es ist der Tiefpunkt in der seit Anfang 2020 andauernden Krise der Königsblauen. Im gesamten Kalenderjahr 2020 gewann S04 nur ein einziges Bundesliga-Spiel und sorgte auch abseits des Platzes für mächtig Schlagzeilen. 2021 ging es in ähnlicher Form weiter. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), blickt auf die Schalker Dauerkrise zurück.

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4. Februar 2020: Rassismuseklat im DFB-Pokal

Das Achtelfinalspiel im DFB-Pokal gegen Hertha BSC (mit Trainer Jürgen Klinsmann) gewinnt Schalke zwar mit 3:2 nach Verlängerung. Medial stehen im Anschluss aber die rassistischen Anschuldigungen der Berliner im Vordergrund. Einige Zuschauer in der Arena sollen Hertha-Profi Jordan Torunarigha verunglimpft haben, unter anderem mit Affenlauten. Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider distanziert sich deutlich von den Pöblern: "Mir fehlt jegliches Verständnis für Vollidioten dieser Art."

2. Mai: Berichte über Finanzsorgen häufen sich

Während der seit Mitte März andauernden Corona-Unterbrechung der Bundesliga häufen sich Berichte über eine massive finanzielle Schieflage auf Schalke. Auch der SPORTBUZZER arbeitet die Situation bei dem Revierklub auf. Offenbar leiden die Königsblauen mehr als andere Vereine unter den in der Zwangspause ausbleibenden TV-Einnahmen, was die ohnehin leeren Kassen zusätzlich belastet.

3. Juni: Härtefallantrag

Mit einem "Härtefallantrag" sollen Ticket-Inhaber, die Beträge für coronabedingt nicht eingelöste Eintrittskarten erstattet haben wollen, darlegen, warum sie das Geld gerade jetzt benötigen. Der Klub versucht, in seinem Kampf gegen wegbrechende Einnahmen Zeit zu gewinnen. Doch die Wirkung auf die Fans ist fatal. Der Verein entschuldigt sich offiziell – und ein paar Tage später lenkt Schneider bei Sky ein: "Das war ein kapitales Eigentor. Ein unglaublicher Fehler."

30. Juni: Rücktritt von Clemens Tönnies

Viele Jahre stand Clemens Tönnies dem S04-Aufsichtsrat vor und half dem Verein mit seinem Vermögen aus so mancher Krise. Doch nach einem verheerenden Corona-Ausbruch in seinem Fleischbetrieb in Rheda-Wiedenbrück gibt der Geschäftsmann, der 2019 schon nach vielfach als rassistisch empfundenen Äußerungen unter Druck geraten war, sein Amt auf Schalke auf.

18. September: 0:8-Klatsche zum Saisonstart

Zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison fertigt der FC Bayern die Schalker mit 8:0 ab. Auf der Tribüne in der Allianz Arena sitzt zum Ärger vieler Fans der zurückgetretene Tönnies direkt neben den S04-Bossen – noch dazu trotz Pandemie ohne Abstand und Maske. Der Klub erklärt den Besuch des Ex-Patrons mit dessen freundschaftlichen Verbindungen zur Vereinsführung der Bayern. Dennoch habe Tönnies lieber in der Schalke-Delegation Platz genommen.

30. September: Wagner muss gehen, Baum kommt

Nach 18 Punktspielen ohne Sieg trennt sich Schalke von Trainer David Wagner und engagiert Manuel Baum, früherer Coach des FC Augsburg und zuletzt U18-Trainer beim DFB. Doch auch Baum vermag den Absturz der Knappen nicht zu stoppen: Zum Debüt gibt es ein 0:4 gegen RB Leipzig.

28. Oktober: Tiktok-Video sorgt für Häme

Als hätte Schalke nach nunmehr 21 Begegnungen ohne Sieg nicht Probleme genug, zieht der Verein mit einem Video auf der Plattform Tiktok weiteren Spott und Ärger auf sich. In dem Clip sind neben Trainer Baum einzelne Spieler mit einem Schwarz-Weiß-Filter im Regen stehend dargestellt. Dazu erklingt ein aufmunterndes Lied, intoniert von einer kindlichen Stimme. Darunter schreibt der Klub: "Hat jemand tröstende Worte für uns?" Die Fans toben in den sozialen Netzwerken. Schließlich hat der Verein ein Einsehen und teilt mit: "Wir können verstehen, dass viele Fans (…) ein solches Video nicht lustig finden."

18. Dezember: Auch Baum muss gehen, Stevens springt ein

Keine drei Monate nach seiner Verpflichtung ist die Ära Baum auf Schalke schon wieder Geschichte. Nach einer schwachen Vorstellung beim 0:2 gegen den SC Freiburg und zehn Partien unter Baum ohne Sieg springt für die beiden letzten Pflichtpartien 2020 "Jahrhunderttrainer" Huub Stevens ein. Der startet gegen Arminia Bielefeld ebenfalls mit einer Niederlage (0:1), führt die Mannschaft beim Regionalligisten SSV Ulm aber immerhin ins DFB-Pokal-Achtelfinale (3:1). Fünf Tage später stellt S04 den insgesamt vierten Trainer in diesem Jahr vor: Christian Gross, der in der Bundesliga zuletzt von 2009 bis 2010 den VfB Stuttgart betreute, erhält einen Vertrag bis Saisonende.

16. Februar 2021: Schneider muss im Sommer gehen

S04 gibt bekannt, dass der Klub und Sportvorstand Schneider ihre Zusammenarbeit spätestens zum Saisonende beenden werden. Für die zweigleisig – Szenario Klassenerhalt und Szenario Abstieg – laufende Kaderplanung sind ab sofort Ex-Profi Mike Büskens, Peter Knäbel (Direktor Nachwuchs und Entwicklung) und Norbert Elgert (U19-Trainer) verantwortlich. Rund fünf Wochen zuvor – am 9. Januar – hatten die Königsblauen unter Gross beim 4:0 über die TSG Hoffenheim ihren einzigen Saisonsieg gefeiert.

28. Februar: Sofortige Ablösung von Gross und Schneider

Am Tag nach einer 1:5-Niederlage beim Aufsteiger VfB Stuttgart ist nach nicht einmal drei Monaten auch die Ära Gross auf Schalke beendet. Gleichzeitig trennt sich Schalke auch von Sportvorstand Schneider, Lizenzspieler-Chef Sascha Riether, Co-Trainer Rainer Widmayer und Konditionstrainer Werner Leuthard. Vor dem Stuttgart-Spiel hatte es Berichte über eine angebliche Revolte von Spielern gegen Gross gegeben. Angeblich soll eine Gruppe von Profis bei Schneider vorstellig geworden sein und den Klub zu einer Ablösung von Gross gedrängt haben. Zwei Tage nach dem personellen Kahlschlag stellt der Verein Dimitrios Grammozis als neuen Trainer vor, der die Königsblauen im Falle des Abstiegs auch in die 2. Liga führen soll. Die sportliche Gesamtverantwortung übernimmt zunächst interimsweise der bisherige Technische Direktor Entwicklung Peter Knäbel. Am 30. März wird Knäbel zum neuen Sportvorstand und damit zum dauerhaften Schneider-Nachfolger ernannt.

20. April: Der Abstieg ist besiegelt

Auch Grammozis gelingt keine entscheidende sportliche Trendwende mehr. Zwar feiert S04 unter der Regie des früheren Zweitliga-Coaches des SV Darmstadt 98 mit dem 1:0 über den FC Augsburg der zweite Saisonsieg. Nach der 0:4-Pleite beim SC Freiburg am 29. Spieltag sechs Tage später war aber klar: Verliert Schalke das Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld, ist der vierte Abstieg nach 1981, 1983 und 1988 rechnerisch nicht mehr zu vermeiden. Am Ende war es passiert: Nach der 0:1-Niederlage gegen die Arminia ist Schalke vier Spiele vor dem Saisonende nicht mehr zu retten.