05. Januar 2021 / 17:34 Uhr

Arnd Zeiglers Fußball-Anekdoten: Nackte Kanonen, Wahrheiten und ein Vorwort von King Klopp

Arnd Zeiglers Fußball-Anekdoten: Nackte Kanonen, Wahrheiten und ein Vorwort von King Klopp

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Arnd Zeigler atmet und schreibt Fußball-Geschichte.
Arnd Zeigler atmet und schreibt Fußball-Geschichte. © Privat
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"Traumfußball": Hobby zum Beruf und Buch gemacht. Arnd Zeiglers 272-seitige Liebeserklärung an die schönste Sportart der Welt berichtet über die Freuden und Leiden des Fan-Seins, deckt legendäre Typen, abgedrehte Reporter-Fragen und monetäre Machenschaften der guten alten Zeiten auf. 

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Bremen. Am späten Sonntagabend lädt Arndt Zeigler in seine Bremer Wohnung, ins Fußball-Zimmer. Ein MUSS für jeden Fußball-Fan. Zeiglers berühmter TV-Schreibtisch ist umrahmt von zwei Flutlicht-Masten, das Interieur atmet Fußball-Geschichte(n). Angegilbte Panini-Sammel-Alben, Fußbälle aus Rindskernleder, uralte Wimpel und Trikots, Club-Maskottchen in Plüsch, ein BVB-Flaschenöffner aus den Sechzigern. Seit 2007 sendet Zeigler von hier aus "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs". Live, aber nicht immer in Farbe.

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Viele Beiträge seiner Kult-Sendung stammen aus Zeiten, in denen die Fußballer vorm Spiel den Kartoffelsalat der Gemahlin vertilgten, sich im Match angeregt mit dem Schiedsrichter unterhielten, hinterher im rauchgeschwängerten Club-Heim zwei, drei Bierchen tranken, ehe es zurück zu Frau und Kind ging. Zeigler hat sein heiß geliebtes Hobby zum Beruf gemacht. Als Radio- und TV-Moderator, Stadionsprecher des SV Werder Bremen, Podcastler mit Bühnenprogramm. War es das?

Guido Schäfer auf Tuchfühlung mit Zeiglers berühmtem TV-Schreibtisch.
Guido Schäfer auf Tuchfühlung mit Zeiglers berühmtem TV-Schreibtisch. © Privat

Nein, der "Bremer des Jahres 1997" hat die nächste Stufe gezündet und all seine Aggregatzustände, Erlebnisse, Schwarz-Weiß-Filmchen und Betrachtungen in Buch-Form gegossen. "Traum Fußball - Wie unsere Lieblingsspiel uns allen noch mehr Spaß machen kann".

Liverpooler Schmusekater

Die 272 Seiten beginnen mit Jürgen Klopp, der Freund von Zeiglers wunderbarer Welt ist. Ein Vorwort, ein Schnappschuss. King Klopp schmust in seinem Liverpooler Flur mit Zeiglers Buch. Kann eigentlich nix mehr schief gehen. Könnte schon, wenn die restlichen 271 Seiten das gewisse Nichts hätten. Haben sie nicht. Zeigler ist nie langweilig, geht nie zu tief in die Tiefe des Raumes. Ein Buch für Enthusiasten und Leidensgenossen. Eines für Fans, deren Verein nicht ständig gewinnt und auf "FC Bayern, Stern des Südens" hört. Für Fans, deren Herzblätter zwischen Welt- und Kreisklasse irrlichtern. Die mal alles und dann im Strafraum nur alte Bekannte treffen.

Arnd Zeigler beleuchtet die erklärbare und irrationale Seite des Fan-Seins. Hier Frust über Anstoßzeiten, Regel-Chaos, Salami-Spieltage, 200-Millionen-Ablösen. Da Treue zum Verein, Rituale am Spieltag, ewig wiederkehrende Fragen wie: Wann kommt ein Eckball mal zum eigenen Mann? Und weshalb trägt unser Trainer eine Hornbrille, wenn er doch nix sieht? Dass es keine alten und jungen, sondern nur gute und schlechte Spieler gibt, hat Zeigler von Otto Rehhagel gelernt. Hörigkeit vorm großen Meister? Nö. Bei den einzig wahren Wahrheiten heißt es: "Es gibt auch alte Spieler, die schlecht sind."

Von wegen gute alte Zeit

Dass seine Bremer erst via Relegation dem Tod von der Schippe gesprungen sind, hat Zeigler mehrere Kilo gekostet. Dass ein wahrer Fan immer mal wieder ans Gute glaubt, ist für ihn trotzdem in Stein gemeißelt. Die eigentlich Eier abschreckende Europa-League-Quali klingt in Zeiglers Ohren wie Musik. "Wir hätten auch gegen einen rumänischen Mittelklasse-Verein eine volle Hütte."

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Das Buch leibt und lebt von legendären Typen, guten/weniger guten Kommentatoren, behämmerten Reporter-Fragen, Anekdoten. Es handelt auch von gelungenen und weniger gelungenen Fotos. Auf einem Foto soll Bayern-Neuzugang Mark Hughes seine Torgefährlichkeit mit Hilfe einer Kanone illustrieren. Der Fotograf ist erst zufrieden, als das gusseiserne Kanonenrohr aus Hughes viel zu enger Adidas-Turnhose wächst.

Zeigler räumt auf mit der Mär von der guten alten Zeit, als der Profi-Fußball noch unbefleckt war. War er nie. Auch nicht in den 60er und 70er Jahren. Clubs, die wenig Geld hatten, besorgten sich welches - auch auf verbotene Weise. Clubs, die viel Geld hatten, wollten noch mehr. Egal wie. Tenor damals wie heute: nix daheim erzählen, nicht erwischen lassen. Financial Fair Play lässt grüßen.

Und sonst so, Herr Zeigler? Zeigler mochte Werders Neuseeländer Wynton Rufer sehr. "88 Minuten ohne Bock, dann zwei Tore, Abpfiff und Dankeschön."