13. Juni 2019 / 07:47 Uhr

U21: Arne Maier über die Spaßvögel im EM-Kader, seinen Marktwert und die Titelchancen

U21: Arne Maier über die Spaßvögel im EM-Kader, seinen Marktwert und die Titelchancen

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
U21-Nationalspieler Arne Maier vor dem EM-Start im <b>SPORT</b>BUZZER-Interview
U21-Nationalspieler Arne Maier vor dem EM-Start im SPORTBUZZER-Interview © imago images / DeFodi
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Arne Maier von Hertha BSC ist nicht nur der jüngste Spieler in der deutschen U21-Nationalmannschaft, sondern auch einer der wertvollsten. Im SPORTBUZZER-Interview vor dem Start der Europameisterschaft am Sonntag in Italien und San Marino spricht er über Reife, seine Zahnspange und Grundschulfreunde.

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SPORTBUZZER: Herr Maier, mit 16 Jahren haben Sie erstmals bei den Profis von Hertha BSC mittrainiert und nun sind Sie mit 20 jüngster Spieler im EM-Aufgebot der U21-Nationalmannschaft – fühlen Sie sich als Frühstarter?

Arne Maier (20): Würde ich so jetzt nicht sagen. Es gibt viele Spieler, die es in so jungen Jahren in die Bundesliga geschafft haben. Andere spielen in dem Alter ja sogar schon in der A-Nationalmannschaft. Aber es ist schon auch schön, hier der Jüngste zu sein.

Schön?

Es ist schon eine große Ehre. Man muss als Jüngster zwar durch ein paar Dinge durch; beim Eck spielen darf ich beispielsweise natürlich immer in die Mitte. Oder ich trage die Bälle, aber das kenne ich ja schon aus dem Verein. (lacht)

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Was braucht es da, um sich durchzusetzen?

Körperliche Nachteile habe ich nicht unbedingt. (lacht) Aber die Mannschaft muss einen gut aufnehmen und akzeptieren, es muss einfach passen – und das war hier vom ersten Tag, seitdem ich dabei bin, so. Ich fühle mich als komplett anerkannten Teil des Teams. Es sind auch schon einige echte Freundschaften entstanden.

Reife spielt sicher auch eine Rolle – woher haben Sie die?

Vielleicht ist das ganz natürlich bei mir, ich bin einfach so. Die zum Teil drei Jahre Unterschied zu meinen Mitspielern spüre ich auf jeden Fall nicht, wenn man miteinander redet.

Wann haben Sie denn realisiert, dass Sie sportlich etwas weiter sind als alle anderen?

Als ich früher bei den Jugend-Turnieren relativ oft bester Spieler oder bester Torschütze geworden bin, habe ich schon gemerkt: So schlecht bin ich jetzt wohl nicht. Und dann hat es sich Jahr für Jahr weiterentwickelt. In der U15 wurde ich in die Nationalmannschaft berufen, wo eben nur die Besten der Besten spielen. Das war in der U16, U17 dann auch immer noch so. Und als ich das erste Mal bei den Profis mittrainiert habe, habe ich mir gedacht: Ich kann das wirklich schaffen.

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Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  Zur Galerie
Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  ©
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Es heißt, Sie seien regelrecht fußballverrückt.

Wenn Fußball im Fernsehen läuft, gucke ich generell nichts anderes. Selbst im Urlaub findet man mich immer auf dem Fußballplatz. Dieser Sport ist einfach ein wichtiger Teil in meinem Leben. Und wenn man nicht in das vernarrt ist, was man macht, dann kann das auch nichts werden, ganz klar.

Das sieht vielleicht nicht jeder so.

Man sollte sich generell von Personen, die einem nicht das Beste wünschen, nicht reinreden lassen. Es gibt halt auch Neider, die einem den Erfolg nicht gönnen. Aber da darf man sich nicht unterkriegen lassen. Solche Leute wird es immer geben.

Sie tragen immer noch Ihre Zahnspange, die Sie 2017 aufgrund von Rückenschmerzen verschrieben bekommen haben. Wann kommt sie raus?

Das ist jetzt schon meine zweite, ich bin immer noch in Behandlung. Ich habe auch gelesen, dass sie mittlerweile zu meinem Markenzeichen geworden ist – aber ich würde sie schon gern loswerden. Ich denke, es dauert nicht mehr lange.

Kennen Sie eigentlich Ihren eigenen Marktwert?

Ich glaube, er ist gerade von 22 auf 24 Millionen gestiegen. Ich kriege das meistens von meinen Freunden geschickt: Guck mal, dein Marktwert!

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Jadon Sancho (Borussia Dortmund) - Marktwert: Von 80 auf 100 Millionen Euro. ©

24 Millionen Euro. Wie denkt man als 20-Jähriger über diese Summe?

Ach, das ist ein Thema für die Medien und andere, die sich dafür interessieren. Wir Spieler vergleichen uns da jetzt nicht. Das ist im übrigen ja auch nur eine grobe Orientierung. Es gibt genug Spieler, die unter oder über Marktwert verkauft worden sind. Und: Der Marktwert kann genauso schnell wieder in den Keller gehen.

Was hat sich durch Ihren sportlichen Durchbruch in der letzten Zeit verändert?

Ich bin zwar umgezogen und wohne mittlerweile alleine, aber ich denke, ich bin ganz normal geblieben. Ich habe zu meinen Eltern und meiner Schwester unverändert immer noch ein gutes Verhältnis, besuche sie jede Woche. Und ich habe auch immer noch zwei enge Freunde aus der Grundschule. Ich würde sagen: Mein Charakter ist über die Jahre gleich geblieben. Ansonsten würde ich auch direkt eine entsprechende Rückmeldung aus meinem Umfeld bekommen.

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Was für Charaktere tummeln sich in dieser U21-Mannschaft?

Timo Baumgartl hatte im Trainingslager in Südtirol schon sehr viel zu sagen (lacht). Wir haben viele lustige Typen in unserer Gruppe, vor allem Mo (Dahoud, d. Red.) und Nadiem (Amiri, d. Red.). Aber es gibt auch mehrere eher ruhige Jungs. Bei uns macht es die Mischung.

Kann das am Ende ein Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche EM sein?

Ja. Alle großen Nationen haben gute Fußballer, gute Trainer und gute Taktiken. Doch am Schluss entscheidet auch das Mannschaftsgefüge, das macht die letzten Prozentpunkte aus. Und da habe ich bei uns ein sehr gutes Gefühl.

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