07. Oktober 2021 / 17:27 Uhr

Homestory: So lebt Ex-Tennisstar Arne Thoms in Hannover 

Homestory: So lebt Ex-Tennisstar Arne Thoms in Hannover 

Josina Kelz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bei Arne Thoms zu Hause
Arne Thoms zeigt seinen Garten © Debbie Jayne Kinsey
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In den 90ern spielte er in Wimbledon und bei den French Open, unter anderem trat er gegen Boris Becker und Ivan Lendl an. Heute trainiert Ex-Tennisstar Arne Thoms die Damenmannschaft des DTV Hannover und lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern ganz bodenständig in Bemerode.

​In diesem Haus deutet nichts darauf hin, dass hier ein Ex-Wimbledon-Spieler wohnt. Das einzige Indiz würde niemand als jenes vermuten: Auf dem Schränkchen im Esszimmer steht eine Schale mit Orangen. Soweit nicht ungewöhnlich. Nur dass die Orangen seit 37 Jahren darin liegen, sie sind unecht. Sie stehen symbolisch für den Sun­shine-State Florida, wo Arne Thoms mit 13 Jahren eine seiner ersten langen Turnierserien spielte.

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Rund zehn Jahre später stand er bei den French Open und in Wimbledon auf dem Platz. An die Höhepunkte von Thoms’ Tenniskarriere Anfang der 90er erinnert in diesem Haus nichts mehr. „Es waren irgendwann mehr als hundert Pokale, wir haben sie alle entsorgt.“ Pokale polieren und sich im Glanz früherer Zeiten sonnen? Nicht mit dem bodenständigen Hannoveraner!

Bei Arne Thoms zu Hause mit seinem Pokal den er in Florida gewann
Arne Thoms mit dem einzigen Pokal den er aufgehoben hat: Er gewann die Schale vor 37 Jahren in Florida. Hinter ihm eine alte Uhr, ein Erbstück seiner Großeltern. © Debbie Jayne Kinsey

„Meine größte Leidenschaft sind meine Frau und meine beiden Töchter“, sagt der Superdaddy. „Ich bin der Hahn im Korb, das ist ähnlich wie Leistungssport“, fügt er mit einem Zwinkern hinzu. Die Damen gewinnen wohl in diesem Haus jedes Match. Vor allem, da Thoms’ Frau Tina Anwältin ist. Auf ihre Karriere deutet in diesem Haus mehr hin als auf die des Hausherrn: Die Jurabücher stehen prominent platziert im Schrank hinter dem Esstisch. Tina und Arne Thoms haben sich in Flensburg kennengelernt, die Heimat beider. Mit 16 kam der Schleswig-Holsteiner nach Hannover, um hier in der Bundesliga-Mannschaft des HTV zu spielen. Zunächst lebte er im Internat, dann in einer WG mit zwei Frauen. Sein Schicksal scheint sich zu wiederholen.

Jedes Jahr an Weihnachten ging es zur Familie nach Flensburg. Man traf sich am 23. Dezember traditionell in der Stammkneipe. Eines Abends, Thoms war gerade 30, traf er dort auf Tina. Die beiden kannten sich schon aus dem Flensburger Tennisverein, „aber sie ist fünf Jahre jünger als ich und war keine Option, als ich mit 16 wegzog.“ Dann funkte es. Es folgten fünf Jahre Fernbeziehung, dann holte Thoms seine Zukünftige nach Hannover. 2008 folgte die Hochzeit, das erste Kind und das Haus in Bemerode. In dem wohnen die Thoms bis heute. Ein typisches Familienstadthaus. Schuhe stapeln sich vor der Haustür, die offene Wohnküche ist der Treffpunkt, im Garten steht ein Trampolin und ein großes Holzpferd. „Unsere neunjährige Tochter ist verrückt nach Pferden.“ Zwar spielt der Nachwuchs auch Tennis, aber: „Ich bin kein typischer Tennispapa, ich bin da ganz entspannt. Sie müssen nicht erfolgreich sein, sie sollen einfach nur Spaß haben.“

Bei Arne Thoms zu Hause
Arne Thoms in der Küche: Er kocht gerne © Debbie Jayne Kinsey

Die Große ist mehr leidenschaftliche Tortenbäckerin als Tennisspielerin. Probieren tut der Papa aber nichts davon. „Ich habe dem Zucker abgeschworen.“ Stattdessen verköstigt er seine Damen am liebsten mit Gerichten aus frischen Tomaten. „Die hole ich immer in der Markthalle. Mit Knoblauch und Basilikum in den Ofen, lecker!“ Dazu gibt es eine Flasche Wein für Mama und Papa. „Wir sind große Weinliebhaber“, sagt er und zeigt auf den Weinkühlschrank in der Küche und führt in den Weinkeller.

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Und hier unten ist er: der erste konkrete Hinweis auf Thoms als Tennisspieler. Eine große Schwarz-Weiß-Fotografie des jungen Arne im Wettkampf. Nicht mal aufgehängt, der Bilderrahmen steht auf dem kalten Kellerboden. Thoms schmunzelt – und sagt zu seiner Entschuldigung: „Wir haben keine Bilder im Haus hängen.“


Gemütlich ist es trotzdem. Nicht zuletzt wegen der Massivholz-Erbstücke von Thoms’ Husumer Großeltern. „Sie waren Bauern, wir haben bei ihnen noch richtig das Landleben kennengelernt – inklusive Vieh auf die Weide treiben.“ Ein großer Sprung vom Land zur internationalen Karriere – und wieder zurück. „Als meine Karriere mit 27 endete, bin ich in ein tiefes Loch gefallen“, offenbart er. „New York, Rio, Tokio – und dann sollst du in einem Büro in der List sitzen? Das war nicht mehr möglich.“

Das kam nach Arne Thoms' Sportkarriere

Er brauchte aber nun mal einen neuen Job. „Mein Freund Till Dammermann wollte einen Vertriebskanal für sein Softwareunternehmen aufbauen und fragte mich. Ich wusste, das ist vielleicht meine einzige Chance, in ein normales Berufsleben zu kommen.“ Der Kompromiss: Er akquirierte die Kunden auf dem Tennis- und Golfplatz – und schaffte es so, „nicht abzudrehen wie viele ehemalige Profisportler“.

Auf beiden Plätzen verbringt er bis heute seine meiste Zeit. Der Frauenversteher trainiert die Damen des DTV und golft in Burgdorf. Und dann geht es noch jeden Tag ins Aspria, Gewichte stemmen. „Ich muss das machen, damit mein Körper nicht auseinanderfällt.“ Und da das während Corona nicht möglich war, hat er das Haus zur Muckibude und zum Golfplatz umfunktioniert: Neben der Couch liegen Hanteln, eine Gymnastikmatte und eine Minigolfbahn. Einmal Sportler, immer Sportler.

Bei Arne Thoms zu Hause
Der Sportler hält sich auch zu Hause fit © Debbie Jayne Kinsey

So lief Arne Thoms' Sportkarriere

Arne Thoms wurde sozusagen in einen Flensburger Tennisklub reingeboren, in dem seine Eltern Mitglied waren. „Ich habe Schläger und Ball in der Hand gehabt, sobald ich gehen konnte.“ Seine Königsdisziplin: gegen die Wand spielen. „Das sieht man bis heute an meinem Stil, ich spiele die Bälle sehr flach übers Netz.“ Denn wenn er beim Spiel gegen die Hauswand den Ball zu hoch gespielt hätte, wäre er „hinten auf dem Fußballplatz gelandet.“ Das Training hat sich gelohnt, auch wenn der Rhododendronbusch darunter leiden musste.

„Ich bin kein Fan davon, eine Sache halb zu machen. Wenn, dann muss ich etwas richtig beherrschen.“ Ob er großes Talent hatte? „Ich bin mir nicht sicher, es gab nicht so viele Tennis spielende Kinder in Schleswig-Holstein. „So bin ich bei einer Sichtung schnell ins Bezirkstraining gekommen.“ Mit zwölf wurde Thoms Jugend-Europameister, mit 16 kam er in die Männer-Bundesliga-Mannschaft des HTV.


Arne Thoms und Laura Bente.
Trainer Arne Thoms mit Spielerin Laura Bente © Florian Petrow

Fünf Jahre später spielte er das erste Mal in Wimbledon und bei den French Open, es folgten weitere Grand-Slam-Turniere 94 und 95. Unter anderem trat er gegen Boris Becker und Ivan Lendl an. Mit 27 endete seine Karriere – die Schulter war zerschlissen, er musste sich zwei Operationen unterziehen. „Viele waren der Meinung, meine Karriere wäre länger gegangen, wenn meine Schulter okay gewesen wäre.“ Anschließend arbeitete er als Trainer, Berater und als Vertriebler für ein Softwareunternehmen. Seit diesem Jahrtrainiert er die Frauenmannschaft des DTV.