29. April 2020 / 10:21 Uhr

Ein Fußballkapitän als Erntehelfer: Arnold Schunke vom VfL Halle tauscht Spielfeld gegen Spargelfeld

Ein Fußballkapitän als Erntehelfer: Arnold Schunke vom VfL Halle tauscht Spielfeld gegen Spargelfeld

Annika Langhorst
#GABFAF
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Sein Trikot ist die Latzhose, seine Fußballschuhe die Gummistiefel. Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen dachte sich auch Halles Kapitän Arnold Schunke, der seit kurzem auf dem örtlichen Spargelhof arbeitet. 

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In dem Feld, in dem Arnold Schunke vom VfL Halle normalerweise steht, gibt es 10 Feldspieler und einen Torwart. Nicht in diesen Zeiten. Es sind alles Einzelkämpfer. Auf einen Torwart kann man gänzlich verzichten, denn der Gegner stürmt nicht heran, sondern lässt hier und da nur mal den Kopf rausgucken. Und während sich auf dem Spielfeld normalerweise Spieler und Gegner zahlenmäßig gleichstark gegenüber stehen, ist auf dem Spargelfeld der Gegner klar in der Überzahl.

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Die einen helfen in der Corona-Krise der alten Dame von nebenan, die anderen gehen mit dem Hund eines verunsicherten Bekannten Gassi. In kürzester Zeit hat sich eine große Welle der Solidarität geformt. Viele engagierte Sportvereine bieten Einkaufshilfen, Botengänge oder sonstige Erledigungen für Bürger in den Gemeinden an. Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit zu helfen. Die diesjährige Ernte könnte nämlich knapp ausfallen. Wo normalerweise rumänische (80 Prozent) oder polnische Hilfsarbeiter den Landwirten unter die Arme greifen, sieht es in Zeiten von Corona schwierig aus. Die Unternehmen beklagen jetzt schon, dass Spargel und Co. fertig zur Ernte sind, Erntehelfer hingegen fehlen. Sie gelangen kaum über die Grenzen von Österreich und Ungarn.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF wurde am 15. März 2019 ins Leben gerufen. Hier zehn besondere Momente aus dem ersten Jahr:

Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. Zur Galerie
Überraschung, Freude, Jubel, Rührung: Das #GABFAF-Team hat in der Galerie seine Lieblingsmomente zusammengestellt. ©

Obst und Gemüse aus lokalem Anbau drohen also dieses Jahr knapp zu werden, hätten sich nicht bereits einige engagierte Helfer gemeldet. Halle-Kapitän Schunke ist einer von ihnen. Doch wie kommt der Fußballer auf die Idee, vorerst als Spargelstecher zu arbeiten? Schunke sorgt sich um die regionale Landwirtschaft, sodass sich der 24-Jährige kurzerhand entschloss, selbst bei der diesjährigen Ernte mitzuhelfen. Er bewarb sich bei der von der Landesregierung eingeführten Website "Das Land hilft", wo zum derzeitigen Zeitpunkt noch über 300.000 Arbeiter für die diesjährige Spargel-und Obsternte fehlten. Dem jungen Mann war es wichtig, etwas Sinnvolles in einer Zeit zu tun, wo er weder Fußball spielen noch angemessen trainieren kann. "So bleibe ich gleichzeitig körperlich fit, auch wenn ich zugeben muss, dass ich aufgrund meiner Größe zuerst Bedenken wegen meines Rückens hatte", sagte der 1,93 Meter große Innenverteidiger.

Kein leichter Job

Die Anforderungen an einen Erntehelfer erscheinen auf den ersten Blick übersichtlich: Körperliche Belastbarkeit sollte er oder sie mitbringen und die Bereitschaft zum Zwei-Schichtsystem. Doch der Schein trügt. Denn das Spargelstechen ist nach wie vor mühsame Handarbeit. Anders als beim simplen Erdbeeren pflücken, kommt es auf die richtige Technik an, sonst droht der Spargel schnell unbrauchbar zu werden. Spargelstecher müssen sich auf langes Stehen und Gewichte von bis zu 15 Kilo einstellen.

Aber wie sieht so ein typischer Arbeitsalltag für den Fußballer aus und ist die Arbeit wirklich so hart, wie man sie sich vorstellt? Beim Hindorfer Spargelhof in Langeneichstädt arbeitet Schunke nun von 7 Uhr morgens bis etwa 17 Uhr auf den Feldern. Er freut sich, einen Job gefunden zu haben, der ihm einerseits hilft, körperlich fit zu bleiben, andererseits aber auch seine Studienkosten finanziert.

Nach einer kleinen Einweisung geht es für die neuen Spargelstecher direkt auf das Feld. Diese dient vor allem dazu, Handgelenks- und Rückenschmerzen durch die richtige Haltung zu verhindern. In der Regel teilen sich fünf Helfer ein Feld, Schunke arbeitet momentan 6 bis 8 Stunden mit vier anderen Studenten zusammen. "Die Arbeit ist schon hart, das sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Hinzu kommt, dass wir natürlich wetterunabhängig arbeiten müssen. Bei Regen und Kälte ist das schon unangenehm", sagt er auf Nachfrage.

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Für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs hat der Fußballer wenig Hoffnung. Er spricht sich dafür aus, sich zunächst im Verzicht zu üben, momentan stünden wichtigere Dinge als der Fußball im Vordergrund. Obgleich er für den VfL keine direkten Probleme bei der Wiederaufnahme der Spiele im Sommer sieht. Denn Halle würde nicht zwingend von den Ticketeinnahmen profitieren, die Anzahl der Zuschauer ist im Gegensatz zu anderen Vereinen eher gering.