19. Februar 2022 / 14:21 Uhr

Arsenal und der Kampf um die Champions League: Wie sich die Gunners immer wieder selbst schwächen

Arsenal und der Kampf um die Champions League: Wie sich die Gunners immer wieder selbst schwächen

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Arsenal-Trainer Mikel Arteta ist verärgert über die vielen Platzverweise gegen sein Team.
Arsenal-Trainer Mikel Arteta ist verärgert über die vielen Platzverweise gegen sein Team. © IMAGO/PA Images/Getty (Montage)
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Beim FC Arsenal geht es voran. Allerdings haben die Nordlondoner ein Problem mit der Fairness. Die Platzverweis-Flut macht den Disziplin-Fanatiker Mikel Arteta ratlos, beobachtet SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Zwei Gelbe Karten in einer Aktion zu kassieren, das muss man erstmal hinbekommen, aber Gabriel Martinelli von FC Arsenal ist genau dieses Kunststück gelungen gegen die Wolverhampton Wanderers in der vergangenen Woche. Erst schubste er Daniel Podence weg, als dieser einen “Wolves”-Einwurf ausführte, dann rammte er Chiquinho um, der den Ball von Podence erhalten hatte. Schiedsrichter Michael Oliver rief Martinelli zu sich, zeigte ihm zweimal Gelb und dann Rot und stellte damit einen der kuriosesten Platzverweise der Premier-League-Geschichte aus. Anstatt sich über den 1:0-Erfolg zu freuen, musste Arsenal-Trainer Mikel Arteta hinterher erklären, warum seine Mannschaft die Veranstaltung wieder mal in Unterzahl beendet hatte.

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Arteta, 39, macht bei den Nordlondonern gute Arbeit. In dieser Saison spielt die Mannschaft entgegen aller Erwartungen um die Rückkehr in die Champions League mit, in der Arsenal zuletzt vor fünf Jahren vertreten war. Allerdings hat der Klub ein Problem, das sich durch Artetas Amtszeit zieht wie ein böser Zauber: Seit seinem Amtsantritt am Boxing Day 2019 hat Arsenal von allen Klubs der Premier League die meisten Platzverweise kassiert, nämlich 12. Alleine in den vergangenen sechs Partien flogen vier Arsenal-Profis von Platz. Anfang des Jahres erlangten die Nordlondoner mit der Gelb-Roten Karte von Verteidiger Gabriel bei der 1:2-Niederlage gegen Meister Manchester City den unerwünschten Titel als erster Verein mit 100 Platzverweisen in der Premier League.

Diese Statistik bezieht sich natürlich auch auf die Zeit vor Arteta, von daher ist Arsenals Hang zur Selbst-Dezimierung sein Problem, das der Spanier alleine zu verantworten hat. Aber es hat sich unter ihm der Trend verfestigt, dass man bei der Mannschaft ruhigen Gewissens auf einen Platzverweis wetten kann. Interessant ist dabei, dass Arsenal keine Tretertruppe nach altenglischer Art ist, im Gegenteil: Wie die Sun gerade errechnet hat, haben die Nordlondoner seit Artetas Einstand von allen Vereinen in der Premier League zweitwenigsten (!) Fouls begangen. Die vielen Platzverweise sind nicht das Ergebnis einer überharten Spielweise, sondern von Undiszipliniertheiten und individuellen Aussetzern. Martinellis Doppel-Gelb gegen die "Wolves" war ein schönes Beispiel dafür.

Arteta ist ein Disziplin-Fanatiker, wie er gerade wieder bewiesen hat mit seinem strengen Umgang mit Pierre-Emerick Aubameyang, der nach mehreren Verstößen gegen die Hausordnung zum FC Barcelona abgegeben wurde. Umso mehr machen den Trainer die ständigen Platzverweise ratlos: “Mir gehen die Erklärungen dafür aus”, stöhnte er zuletzt. Arsenals Kader ist ohnehin schon dünn besetzt. Neben Aubameyang gab der Klub im Januar weitere Spieler ab, für die Arteta keine Verwendung mehr hat, unter anderem den Ex-Schalker Sead Kolasinac. Verpflichtet wurde im Gegenzug – niemand. Im Kampf um den Champions-League-Einzug kann es sich die Mannschaft nicht erlauben, sich immer wieder selbst zu schwächen.

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