03. Dezember 2018 / 15:11 Uhr

Arsenals Aufschwung ohne Mesut Özil und mit Pierre-Emerick Aubameyang 

Arsenals Aufschwung ohne Mesut Özil und mit Pierre-Emerick Aubameyang 

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mesut Özil steht wohl auf dem Arsenal-Abstellgleis, bei Pierre-Emerick Aubameyang läuft es dafür richtig gut. 
Mesut Özil steht wohl auf dem Arsenal-Abstellgleis, bei Pierre-Emerick Aubameyang läuft es dafür richtig gut.  © imago/Action Plus
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Der Premier-League-Verein aus London steht auf dem vierten Platz in der Tabelle. Die letzten drei Partien wurden allesamt gewonnen – doch dabei spielt der ehemalige DFB-Star Mesut Özil keine große Rolle mehr. 

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Nach dem rauschenden Erfolg im Duell um die Vorherrschaft im Norden Londons gegen Tottenham Hotspur musste Unai Emery zu einem Spieler Stellung beziehen, der gar nicht dabei gewesen war. Dem neuen Trainer des FC Arsenal war die Aufgabe merklich unangenehm, lieber hätte er vermutlich über das englische Wetter Anfang Dezember oder einen Besuch beim Zahnarzt gesprochen.

Ein Reporter erkundigte sich nach Mesut Özil, der zum zweiten Mal nacheinander nicht mitgespielt hatte. Beim 2:1 in Bournemouth in der Woche zuvor hatte er auf der Bank gesessen, beim 4:2 gegen Tottenham stand er nicht einmal im Kader. Emery nannte Rückenprobleme als Grund für das Fehlen des ehemaligen deutschen Nationalspielers, konnte aber weder sagen, wann sich Özil diese Leiden zugezogen hatte, noch, ob er sich beim Sieg im Derby überhaupt im Stadion befunden habe. Emery versuchte, das Thema so schnell wie möglich zu beenden: „Es ist ein guter Tag, um über die Spieler zu sprechen, die gespielt haben.“

Özil-Abschied schien beschlossene Sache zu sein

Es war verständlich, dass sich der spanische Übungsleiter nicht mit unerfreulichen Themen aufhalten wollte. Seiner Mannschaft war in einem spektakulären Spiel der emotionalste Sieg der Saison gelungen. Der Überschwang, mit dem die Menschen in Arsenals Arena das Ergebnis feierten, erinnerte an die besten Tage unter Emerys Vorgänger Arsène Wenger. Arsenal ist seit 19 Spielen in allen Wettbewerben ungeschlagen und rückte mit dem Sieg in der Tabelle der Premier League an Tottenham vorbei auf den vierten Platz vor. Der Neustart unter Emery nach den quälenden finalen Jahren von Wengers Regentschaft geht besser voran, als es Fachleute erwartet und Fans verlangt hatten. Und doch: Die Debatte um Özil lässt sich nicht mit ein paar kurz angebundenen Antworten vertreiben.

In der vergangenen Saison schien sein Abschied fast schon beschlossene Sache zu sein, erst nach dem Weggang von Alexis Sánchez im Winter zu Manchester United verlängerte der Klub hastig den Vertrag mit dem deutschen Weltmeister – und das zu verbesserten Bezügen. Angeblich verdient Özil in Nordlondon umgerechnet mehr als 390.000 Euro in der Woche, so viel wie kein anderer Spieler bei Arsenal. Mit der Vertragsverlängerung wollte der Klub beweisen, dass er nach wie vor ein attraktiver Arbeitgeber für hochdekorierte Profis ist. Özils Verbleib sollte aus Arsenals Sicht ein Statement sein. Nach seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel im Sommer nahm ihn der Verein demonstrativ mit offenen Armen auf. Arsenal wollte Özil das wärmende Heim bieten, das er nach eigenem Empfinden bei der DFB-Elf nicht mehr hatte.

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Allerdings hat Trainer Emery kein Problem damit, auch große Namen auf die Bank oder die Tribüne zu setzen, wie er gegen Bournemouth zeigte. Der Trainer begründete Özils Reservistenrolle damit, dass er eine „sehr körperliche und intensive“ Partie erwarte. Den ehemaligen Nationalspieler hielt er dabei offenbar für ungeeignet. Er scheint Özil grundsätzlich zu misstrauen, auch Berichte über ein angebliches Zerwürfnis der beiden gab es in dieser Saison schon. Der ein oder andere Beobachter vermutet deshalb, dass es sich bei der Rückenverletzung, die als Grund für Özils Fehlen gegen Tottenham angeführt wurde, um eine Erfindung des Klubs handeln könnte.

Es ist kein Geheimnis, dass Özil seine Stärken eher im Spiel mit dem Ball hat. Emery ist es allerdings auch wichtig, dass seine Mannschaft diszipliniert und geschlossen presst. Es ist unklar, wie kompatibel Özil mit dieser Herangehensweise ist. Gegen Tottenham wurde er nicht vermisst, der Sieg hatte andere Helden. Da wäre zum Beispiel der Trainer selbst, der das Spiel mit mutigen Entscheidungen im richtigen Moment drehte. Als Emerys Mannschaft zur Pause 1:2 hinten lag, stellte er um und brachte Aaron Ramsey und als zweiten Stürmer Alexandre Lacazette. Das Manöver ging auf, Arsenal drehte die Partie mit drei Treffern in der zweiten Halbzeit.

Aubameyang blüht auf

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Auch der ehemalige Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang gehörte zu den entscheidenden Figuren der Partie. Er traf doppelt, in der ersten Hälfte per Elfmeter und nach dem Wechsel zum zwischenzeitlichen 2:2. Anders als Özil ist der exzentrische Angreifer bei Arsenal unumstritten, nach seinen beiden Toren gegen Tottenham steht er bei zehn Ligatreffern und führt damit die Torjägerliste vor Harry Kane von Tottenham und Sergio Agüero und Raheem Sterling von Manchester City (alle acht Treffer) an.

Wie effizient Aubameyang ist, zeigt die Tatsache, dass jeder seiner jüngsten zehn Schüsse in der Liga im Tor landete. Er ist mit seiner Sicherheit im Abschluss einer der Faktoren für Arsenals erstaunlichen Neustart unter Emery. Die Gegner reagieren mit Hass. Nach seinem Tor in der ersten Halbzeit flogen aus dem Block von Tottenhams Fans verschiedene Gegenstände in Aubameyangs Richtung – unter anderem eine Bananenschale. Der Werfer wurde festgenommen.