10. Oktober 2021 / 17:13 Uhr

„Art und Weise einfach bedenklich“: FC Grimma verliert mit 1:9 gegen Chemnitz

„Art und Weise einfach bedenklich“: FC Grimma verliert mit 1:9 gegen Chemnitz

Tom Rietzschel / lvz
Leipziger Volkszeitung
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9:1 musste sich der FC Grimma dem Chemnitzer FC geschlagen geben. © hanni
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Herbe Niederlage für den FC Grimma: Gegen den Regionaligisten Chemnitzer FC setzte es ein 1:9. Bereits zur Halbzeit hieß es 1:7. In Halbzeit zwei ließen die Himmelblauen Gnade vor Recht walten und schalteten einen Gang runter.

Grimma. Oberligist FC Grimma ist aus dem Wernesgrüner-Sachsenpokal ausgeschieden. Der Regionalligist Chemnitzer FC machte im Husaren-Sportpark wenig Federlesen und untermauerte seine Favoritenstellung mit einem klaren 9:1 (7:1)-Erfolg mehr als deutlich. Dabei waren bereits zur Pause sämtliche Messen gelesen, als sich der CFC zeitweise wie im Training befand und binnen 27 Minuten sieben Treffer erzielte. Zwar hatten sich die Gastgeber für diese Begegnung einiges vorgenommen, doch, bis auf die ersten zehn Minuten, konnten die Muldestädter davon nur äußerst wenig auf den Platz bringen. Fehlende Zweikampf-Intensität, wenig Aggressivität, keine defensive Kompaktheit – all dies, mit dem man den deutlich favorisierten Gästen hätte weh tun können, ließen die Gastgeber vermissen. Nach dem Wechsel schaltete der Regionalligist dann einen Gang zurück, so dass die Grimmaer dann etwas stabiler wirkten. Nichtsdestotrotz blieben die Chemnitzer klar feldüberlegen und treffen nach diesem deutlichen Erfolg in der nächsten Runde nun auf den SV Liebertwolkwitz.

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„Teilweise sind wir ja gar nicht hochgesprungen“

„Ich bin sehr froh, dass wir gegen einen unterklassigen Gegner mit der nötigen Einstellung ins Spiel gegangen sind und von Anfang an die notwendige Ernsthaftigkeit an den Tag gelegt haben“, resümierte CFC-Trainer Daniel Berlinski. Insgesamt bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft hochzufrieden, so dass ich hoffe, dass uns dieser Sieg das nötige Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben wird.“ Auf der Gegenseite war Grimmas Coach Alexander Kunert natürlich schwer enttäuscht. „Wir haben in der ersten Halbzeit mehr Begleitschutz erwiesen als Zweikämpfe gespielt – von der gewollten defensiven Kompaktheit war insgesamt nicht viel zu sehen“, so Kunert. „Zur Pause ging es uns vor allem darum, nicht zweistellig zu verlieren. Diesbezüglich sind wir nach 90 Minuten noch mit einem blauen Auge davongekommen.“

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Oberligist FC Grimma bekommt im Sachsenpokal von Regionalligist Chemnitzer FC eine richtige Packung: 1:9 heißt es am Ende. Zur Galerie
Oberligist FC Grimma bekommt im Sachsenpokal von Regionalligist Chemnitzer FC eine richtige Packung: 1:9 heißt es am Ende. ©

Von Beginn an nahm der Regionalligist das Heft des Handelns in die Hand und erlangte Spielkontrolle. In den Anfangsminuten konnten sich die Muldestädter den Angriffen des CFC noch erwehren, ehe es binnen kurzer Zeit über die Kunert-Schützlinge hereinbrach. Sehr gut von Okan Kurt in Szene gesetzt, passte Felix Schimmel die Kugel von der Rechtaußenposition flach in den Rücken der Abwehr, wo Kevin Freiberger mit einem abgefälschten Schuss erfolgreich war – 0:1 (13.). Die Grimmaer verloren nach dem Rückstand jegliche Ordnung, der CFC konnte nun nach Herzenslust kombinieren. Demzufolge ließ das 0:2 nicht lange auf sich warten. Über die Stationen Max Roscher und Felix Schimmel gelangte die Kugel zu Simon Roscher, der mit einem Flachschuss ins lange Eck FC-Keeper Nico Becker keine Chance ließ (20.). Zwei Minuten später der nächste Nackenschlag. Nach einem Eckball von Christian Bickel schraubte sich Tim Campulka ohne jegliche Gegenwehr zum Kopfball hoch und erhöhte auf 0:3 (22.).

Der CFC machte munter weiter – die Platzherren kamen in den Zweikämpfen allesamt zu spät und liefen nur hinterher. Nachdem Nils Köhler auf der linken Seite klasse von Andis Shala freigespielt wurde, vollendete Simon Roscher die scharfe Eingabe aus Nahdistanz mühelos zum 0:4 (27.). Doch damit noch nicht genug. 120 Sekunden später nahm Shala eine Bickel-Flanke direkt – 0:5 (29.). „Wir hatten als oberste Prämisse im Vorfeld ausgegeben, unser Tor mit Leidenschaft und Hingabe zu verteidigen“, so ein angesäuerter Grimmaer Trainer Alexander Kunert. „Wenn man sich die Gegentore anschaut, muss sich jeder Einzelne natürlich hinterfragen. Weiterhin bekommen wir wieder vier Treffer nach Standards, ohne dass wir im Strafraum konsequent die Luft-Zweikämpfe führen. Teilweise sind wir ja gar nicht hochgesprungen – schon dieser Fakt ist für mich sehr bedenklich.“

„Art und Weise unseres Auftretens einfach bedenklich“

Als Beispiel dafür diente das 0:6, als die Kugel nach einem Halbfeld-Freistoß ungehindert durch den Strafraum flog und Andis Shala, nach einem Pfostentreffer von Simon Roscher, als Erster schaltete und den Nachschuss mühelos über die Linie drückte (36.). Nach einem weiteren Bickel-Eckball köpfte erneut Simon Roscher, wiederum ohne jegliche Gegenwehr, zum 0:7 ein – sein dritter Treffer in dieser Partie (40.). Mittlerweile musste man Angst um die Muldestädter haben, auch wenn man unmittelbar danach eine leichte Ergebniskorrektur verbuchen konnte. Sehr gut von Jan Hübner inszeniert, behielt Matty Goldammer vor dem CFC-Gehäuse kühlen Kopf und verkürzte auf 1:7 (41.). Dies war allerdings nur ein kleiner Lichtblick unter einer indiskutablen Vorstellung der Grimmaer in den ersten 45 Minuten.

„In der Halbzeitpause ging es für uns ganz allein darum, unser Gesicht zu wahren“, so Alexander Kunert. Und dies gelang seiner Elf auch nach dem Wechsel, auch wenn Chemnitz fortan etwas den Fuß vom Gas nahm. Nichtdestotrotz blieb der CFC spielbestimmend, auch wenn die Grimmaer in der Defensive fortan etwas stabiler wirkten. Nach einem Doppelpass mit Grym aber überlupfte Kilian Pagliuca die Kugel zunächst über den herausstürzenden FC-Keeper Nico Becker, um die Kugel anschließend per Fallrückzieher im verwaisten Tor unterzubringen – 1:8 (74.). Kurz darauf kombinierte sich der CFC wiederum seelenruhig durchs Mittelfeld, was letztlich den neunten Treffer nach sich zog. Abermals von Grym eingeleitet, konnte sich Pagliuca den Ball, erneut ohne jeglichen Gegnerdruck, auf seinen starken rechten Fuß legen, um das Streitobjekt zum 1:9 ins obere Eck zu schlenzen (80.).


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Damit beließen es dann die Gäste jedoch, nach einer mehr als eindeutigen Angelegenheit setzte sich der Regionalligist klar in Grimma durch. „Man kann sicherlich gegen einen Regionalligisten aus dem Pokal ausscheiden“, so ein merklich um Fassung ringender Trainer Alexander Kunert. „Doch die Art und Weise unseres Auftretens in den ersten 45 Minuten ist für mich einfach bedenklich. Dabei geht es mir vor allem darum, wie wir unser Tor, insbesondere bei Standardsituationen, verteidigt haben. Zeitweise kam es mir so vor, als ob wir das gar nicht gewollt haben. Und genau das ist der Punkt, was ich nicht akzeptieren kann und werde. Nichtsdestotrotz müssen wir unseren Blick nach vorn richten. Wir haben am Wochenende in Merseburg ein eminent wichtigen Oberliga-Spiel vor der Brust, auf welches wir uns zu einhundert Prozent vorbereiten müssen. Darauf gilt es jetzt den unbedingten Fokus zu legen.“