07. April 2021 / 17:11 Uhr

Auch ohne Postboten-Job: Lukas Langemann legt im März 812 Kilometer zu Fuß zurück

Auch ohne Postboten-Job: Lukas Langemann legt im März 812 Kilometer zu Fuß zurück

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Zwei Kilometer bis in den Nachbarort, den Lukas Langemann unbedingt übertrumpfen wollte. Diese Strecke lief der Essinghäuser bei der Vier-Dörfer-Laufchallenge mehr als 400-mal.
Zwei Kilometer bis in den Nachbarort, den Lukas Langemann unbedingt übertrumpfen wollte. Diese Strecke lief der Essinghäuser bei der Vier-Dörfer-Laufchallenge mehr als 400-mal. © Ralf Büchler
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Fußball solle er erst einmal sein lassen. „Laufen darf ich aber“, sagt der Essinghäuser Lukas Langemann. Für die Vier-Dörfer-Laufchallenge absolvierte er eine unglaubliche Strecke, führte seinen Heimatort zum Sieg und peilt nun einen wahren Meilenstein an. 

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„Ist der neuerdings Postbote?“ Diese Frage haben sich im März mehr als 300 Läuferinnen und Läufer aus den Ortschaften Essinghausen, Duttenstedt, Meerdorf und Wipshausen gestellt, wenn sie den Namen Lukas Langemann gehört haben. Der 19-Jährige führte das Ranking der Vier-Dörfer-Laufchallenge, bei der gelaufene wie auch gegangene Kilometer zählten, beinahe den gesamten März über an und beendete den Wettbewerb mit unglaublichen 812,8 Kilometern – etwas mehr als 26 spulte er demnach täglich ab. Seine Antwort auf die Frage: „Ich bin Student und habe gerade Semesterferien und deshalb viel Zeit, um zu laufen. All die wenigen sozialen Kontakte während der Corona-Pandemie habe ich zudem auf das Spazierengehen verlagert.“

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Angesichts der aktuellen Beschränkungen bleibt den Sporttreibenden aus dem Landkreis Peine ohnehin nicht viel mehr übrig, als zu joggen. Bei Lukas Langemann hat das noch einen weiteren Grund. „Ich hatte im vergangenen August meine zweite Kreuzband-Operation. Der Arzt hat gesagt, dass ich das Fußballspielen erst einmal sein lassen sollte. Aber laufen darf ich“, erklärt der 19-Jährige hoffnungsfroh.

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Die erste schwere Verletzung hatte sich der gebürtige Essinghäuser in einem Punktspiel der A-Jugend zugezogen. Nach neun Monaten stieg er abrupt wieder ein. „Wir hatten für einen Spieltag der Herren nur zehn Leute. Ich wollte die Mannschaft auffüllen und natürlich auch gleich durchspielen“, erklärt Langemann. Das ging bis zur 70. Minute gut, dann riss ihm direkt das gleiche Kreuzband. „Das war mein bisher einziges Herrenspiel“, erklärt er. Seither ist er Co-Trainer der Mannschaft.

Als die Fußballabteilungen aus Essinghausen, Meerdorf und Wipshausen bereits Ende des vergangenen Jahres eine Laufchallenge abhielten, konnte Lukas Langemann wegen seiner zweiten schweren Verletzung nicht eingreifen. „Da hab ich mich höllisch aufgeregt“, erinnert sich Langemann lachend. Umso mehr wollte der 19-Jährige bei der Neuauflage des Wettbewerbs Gas geben. „Ich wollte das Ding unbedingt gewinnen.“

Anfangs habe er gedacht, dass zehn gejoggte Kilometer pro Tag reichen würden. „Dann habe ich zusammen mit einem Kumpel gemerkt, dass das dem wohl nicht so ist“, berichtet Langemann schmunzelnd. Zusätzlich zu den Laufrunden am Nachmittag ging er also am Vormittag mindestens über die gleiche Distanz spazieren. Zu hoch sei diese Belastung nicht gewesen. „Das war alles mit meinem Arzt und dem Physio abgesprochen. Ich habe mir, bevor es losging, extra noch neue Schuhe gekauft, die an meine Fußsohle angepasst sind“, erklärt der Essinghäuser.

Zu Beginn hatte sich Lukas Langemann an der Spitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Werner Hainz aus Meerdorf geboten. „Der hat eine hohe Zahl vorgegeben. Da kam auch schon die Frage mit dem Postboten auf“, sagt Langemann, der dann immer weiter machte, während Hainz etwas ruhiger wurde. „Ich hatte eigentlich keine Probleme, mich zu motivieren“, sagt Langemann. „Das kam ganz alleine dadurch, dass ich mich immer mit anderen verabredet hatte. Da war auch das Wetter egal.“

Außerdem wollte der 19-Jährige unbedingt beweisen, dass die Essinghäuser mehr laufen können, als die benachbarten Duttenstedter. „Wir haben schon so eine kleine Rivalität – aber eher freundschaftlich. Deswegen habe ich viele Leute angesprochen, dass sie mitmachen sollen.“ So sicherte sich der junge Essinghäuser nicht nur den Sieg unter den 337 Läufern, sondern verhalf seinem Heimatort zum Gesamterfolg in diesem Wettbewerb. Mit mehr als 15000 Kilometern haben die Sportler aus dem 1800-Einwohner-Ort die Nachbarn aus Duttenstedt (9000), Meerdorf (8000) und Wipshausen (4000) hinter sich gelassen.

Mit einem 30-Kilometer-Lauf hatte Lukas Langemann im letzten März-Drittel schon einmal die Grenzen ausgetestet und möchte nun nach Höherem streben. „Nächste Woche würde ich gerne einen Marathon versuchen.“ Dafür hat sich der 19-Jährige einen kleinen Rundkurs zwischen Essinghausen und Duttenstedt ausgesucht, den er mehrfach und etappenweise mit unterschiedlicher Begleitung absolvieren möchte.

Zum Ausdauersport möchte er in Zukunft nicht wechseln, den Fußball hat er nämlich noch nicht abgeschrieben. „Mein Arzt hat gesagt, dass ich da erst wieder dran denken soll, wenn ich einen Marathon schaffe. Ich glaube zwar nicht, dass er das so gemeint hat, aber er hat mir das OK für den Versuch gegeben“, erklärt Langemann lachend.

„Haben viele hinter dem Ofen hervorgelockt“

Der Grundgedanke der Vier-Dörfer-Laufchallenge war ein Wettkampf zwischen den Ortschaften. In den letzten beiden Wochen setzten sich die Sportler aus Wipshausen, Duttenstedt, Meerdorf und Essinghausen aber auch ein gemeinsames Ziel. Mit ihren gelaufenen und gegangenen Kilometern wollten sie die Erdkugel umrunden. „Da haben aber 3000 Kilometer gefehlt“, erklärt Markus Rohde, der beim Sieger aus Essinghausen die Organisation übernommen hatte. „Das lag wohl an den drei schlechten Tagen, an denen es sehr stürmisch war.“ Dennoch sind die Organisatoren aus den vier Ortschaften mächtig stolz auf ihre Athleten.

Essinghausen: Zahlreiche Läuferinnen und Läufer aus der Top-10 kommen aus Essinghausen, bei den Gruppen stammen drei der besten fünf aus der Ortschaft. Beeindruckt zeigt sich Markus Rohde von der „Linie 14“, den Altgesellinnen aus Essinghausen. „Dass die so Gas geben, das hätte ich nicht gedacht“, erklärt Rohde. Dabei stachen vor allem Anja und Anna Metzing heraus, die jeweils etwa 750 Kilometer zur Endwertung beisteuerten. Dass das Spazierengehen ebenfalls viele Kilometer einbringen kann wie das Joggen, das habe Stefanie Baars gezeigt. Die Lehrerin der Vöhrumer Hainwaldschule legte ihren Arbeitsweg von Essinghausen aus zu Fuß zurück – immerhin neun Kilometer.

Duttenstedt: Bei den Fußballern war der Anreiz zu laufen, bei der Dörfer-Challenge im November nicht allzu groß, weshalb die Duttenstedter die drei anderen Ortschaften ihr Ding ohne sie machen ließen. „Jetzt wollten wir so viele Menschen in Duttenstedt bewegen wie möglich“, erklärt Mitorganisator Andreas Grass. Einige Sportler seien an ihre körperlichen Grenzen gegangen, „zum Beispiel der beste Duttenstedter Jörg Dettmer“. Gut schnitten die Prüfer des Sportabzeichens ab, außerdem die Alte Herren der Fußballer. „Die gibt es eigentlich noch gar nicht, die melden wir erst im Sommer. Aber die sind mehr gelaufen als die Spieler der ersten Mannschaft“, sagt Grass.

Meerdorf: „Ich finde, dass wir viele Leute hinter dem Ofen hervorgelockt haben, die sich länger nicht bewegt haben“, freut sich der Meerdorfer Frederik Buchholz. Dabei hätten sich die Läufer ganz unterschiedliche Anreize gesucht. „Der eine wollte einfach nur besser sein als sein bester Kumpel, und Pascal Bergmann hat gleich am Anfang gesagt, dass er bester Meerdorfer sein will.“ Mit 391 Kilometern hat er das geschafft. Um letztlich vor dem Nachbarn aus Duttenstedt zu landen, reichte es aber nicht. „Das ist schon bitter“, sagt Buchholz, der bedauert, dass Bastian Hansmann, bester Meerdorfer Läufer der November-Challenge, wegen eines Meniskusschadens nicht mitmachen konnte. Dafür freute er sich, dass auch Gruppen wie die Meerdorfer Hexen teilgenommen haben.

Wipshausen: Das Positivste an der Vier-Dörfer-Challenge sei gewesen, „dass viel mehr Leute draußen unterwegs waren“, erklärt der Wipshausener Organisator Peter Reinecke. Neben den Fußball-Herren und -Damen stachen in Wipshausen die Yoga- und die Zumba-Gruppe heraus. „Die waren ziemlich freudig bei der Sache“, erklärt Reinecke. Doch auch die 850 und 612 Kilometer der beiden Abteilungen, konnten die Ortschaft nicht vor dem vierten Platz retten. „Bei einer Challenge ist es immer schade, wenn man Letzter wird. Aber die Freude darüber, dass sich die Leute bewegt haben, die überwiegt“, erklärt Peter Reinecke.

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Statistik

Rangliste der Dörfer*

  1. Essinghausen 15266,1 Kilometer
  2. Duttenstedt 8792,9 Kilometer
  3. Meerdorf 8086,3 Kilometer
  4. Wipshausen 4074,2 Kilometer

Rangliste der Gruppen*

  1. Linie 14 Essinghausen 2106,2 Kilometer
  2. Fußball-Herren Essinghausen 1927,6 Kilometer
  3. Sportabzeichen Duttenstedt 1923,3 Kilometer
  4. Fußball-Jugend Essinghausen 1562,6 Kilometer
  5. Fußball-Herren Meerdorf 1221,2 Kilometer
  6. Duttenstedter Jugend 1182,5 Kilometer
  7. Tisch 8 Essinghausen 1104 Kilometer
  8. Sportliche Frauen Essinghausen 1047,3 Kilometer
  9. Volleyball Meerdorf 887,1 Kilometer
  10. Hexen Meerdorf 882,0 Kilometer
  11. Fußball-Herren Wipshausen 878,2 Kilometer
  12. Bodyforming Duttenstedt 870,8 Kilometer
  13. Fußball-Damen Essinghausen 859,5 Kilometer
  14. Zumba Wipshausen 850,8 Kilometer
  15. Fußball-Damen Wipshausen 689,3 Kilometer
  16. M.A.M Meerdorf 679,5 Kilometer
  17. Sportliche Frauen Duttenstedt 664,2 Kilometer
  18. Fußball-Altherren Duttenstedt 617,1 Kilometer
  19. Yoga Wipshausen 512,1 Kilometer
  20. Tischtennis Meerdorf 488,8 Kilometer
  21. Fußball-Herren Duttenstedt 469,3 Kilometer
  22. Fitness Meerdorf 428,5 Kilometer
  23. Cheerleading Essinghausen 222,2 Kilometer
  24. Wipshausener Jugend 60,6 Kilometer

*Zur besseren Vergleichbarkeit wurden für die Dörfer die besten 25, für die Gruppen die besten fünf Läuferinnen und Läufer gewertet.

Rangliste der Läuferinnen

  1. Anja Metzing 757,7 Kilometer
  2. Anna Metzing 749,8 Kilometer
  3. Lotti Plote 518,8 Kilometer
  4. Arwen Brandes 502,9 Kilometer
  5. Stefanie Baars 483,4 Kilometer
  6. Rhea Basler 411,2 Kilometer
  7. Heike Speth 385,0 Kilometer
  8. Kerstin Redemann 382,1 Kilometer
  9. Anja und Thea Ludwig 373,8 Kilometer

Rangliste der Läufer

  1. Lukas Langemann 812,8 Kilometer
  2. Jörg Dettmer 545,5 Kilometer
  3. Henning Wolters 526,8 Kilometer
  4. Jan Hiete 493,0 Kilometer
  5. Mervin Hummel 461,3 Kilometer
  6. Pascal Bergmann 391,8 Kilometer
  7. Werner Hainz 378,1 Kilometer
  8. Jörg Schneider 368,3 Kilometer
  9. Niklas Plote 357,5 Kilometer
  10. Jörg Redemann 334,9 Kilometer